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Gesundheitslexikon: Halbwertszeit

Halbwertszeit – wie lange bleibt ein Stoff im Körper?

Halbwertszeit ist ein Begriff, der ursprünglich aus dem Fachgebiet der Chemie stammt. Man versteht darunter die Zeitdauer, die ein bestimmter in einem System vorhandener Stoff benötigt, um seine Konzentration um die Hälfte zu verringern. Dies kann entweder durch den Zerfall des Stoffes oder durch seine Ausscheidung erfolgen. Beim Zerfall geht es in der Regel um radioaktive Elemente. Man bezeichnet dann die Halbwertszeit auch als ,physikalische Halbwertszeit‘. Diese ist vor allem in der Nuklearmedizin von Bedeutung. Der Zeitraum, den ein Organismus benötigt, um einen Stoff zur Hälfte wieder auszuscheiden, wird auch ,biologische Halbwertszeit‘ genannt. Diese Kenngröße ist im medizinischen Bereich bei der Anwendung aller nicht-radioaktiven Arzneimittel wichtig.

Anwendung in der Nuklearmedizin

Der physikalische Zerfall von Wirkstoffen spielt in der Nuklearmedizin eine Rolle, da hier bei Diagnosen und Behandlungen radioaktives Material zur Anwendung kommen kann. Nuklearmedizinische Diagnostik und Therapie kommen in einer Vielzahl medizinischer Bereiche zum Einsatz. Zu den bekannteren Einsatzgebieten zählen Schilddrüsenerkrankungen und Krebsleiden. Aber auch bei Erkrankungen des Nervensystems oder des Herzens können radioaktive Mittel zum Einsatz kommen. Im Rahmen der Diagnostik geht es vor allem um das Sichtbarmachen von Stoffwechselvorgängen, die auf radioaktives Material ansprechen. Hierzu wird der Wirkstoff z. B. über das Blut verabreicht, um dessen Anreicherung im Körper anschließend mit einem speziellen Röntgengerät sichtbar zu machen. Bei einer Therapie mit radioaktiven Arzneimitteln können kranke Zellen gezielt zerstört werden.

Anwendung für nicht-radioaktive Arzneistoffe

Für alle Arzneimittel, die nicht radioaktiv zerfallen, sondern vom Körper selbst abgebaut werden, spielt die biologische Halbwertszeit eine entscheidende Rolle. Sie bestimmt die Zeitdauer, in der eine Wirkstoffkonzentration im Körper um die Hälfte abgesunken ist, und ist wichtig für die Bestimmung der Dauer und Dosierung eines Medikaments. Wirkstoffe von Arzneimitteln bleiben in der Regel nicht unbegrenzt im Organismus, sondern werden über einen bestimmten Zeitraum auf unterschiedlichen Wegen wieder ausgeschieden. Ist ein Wirkstoff wasserlöslich, so wird er über die Nieren abgebaut und verlässt den Körper über den Harn. Ist ein Stoff fettlöslich, so sind Leber und Galle am Abbau des Arzneimittels beteiligt und die Ausscheidung erfolgt über den Stuhlgang. In der Regel können wasserlösliche Wirkstoffe den Körper rascher verlassen als fettlösliche Arzneimittel. Messungen im Blut geben Auskunft über die Konzentration des Wirkstoffes. Da sich der Stoff über die Zeit jeweils um die Hälfte seines noch verbliebenen Anteils weiter reduziert, verläuft der Ausscheidungsprozess anfangs recht schnell und wird zum Ende hin immer langsamer. Von der Halbwertszeit ausgehend lassen sich auch Rückschlüsse auf die ungefähre Wirkdauer eines Medikaments ziehen. Sowohl Halbwertszeit als auch Wirkdauer stellen jedoch nur Durchschnittswerte dar. Abhängig von der individuellen Situation des Patienten können sie sehr unterschiedlich ausfallen. So können z. B. Einschränkungen der Nieren- oder Leberfunktion den Abbau von Wirkstoffen beeinträchtigen und verlängern. Auch Alter und Gewicht können eine Rolle spielen. Auf Beipackzetteln findet man daher häufig sowohl Alters- oder Gewichtsangaben für empfohlene Dosierungen.

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