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Gesundheitslexikon: Habitus (beim Menschen)

Der Habitus beim Menschen – sowohl medizinisch als auch soziologisch bedeutend

Der Habitus kennzeichnet das nach außen sichtbare und spürbare Wesen eines Organismus. Dazu zählen die Gestalt, die äußere Erscheinung und das Verhalten. Diese Definition gilt auch für den Menschen. Vor allem in der Medizin und in der Soziologie spielt er eine wichtige Rolle.

Was bedeutet Habitus?

Habitus ist ein lateinischer Begriff und leitet sich von ‚Gehaben‘ oder ‚haben‘ ab. In der Soziologie bezeichnet Habitus das Auftreten, die Gewohnheiten, die Vorlieben oder die Umgangsformen eines Menschen. Auch in der Medizin spricht man vom Habitus. Dort zeigt er sich in den Besonderheiten der äußeren Erscheinung, die im Zusammenhang mit bestimmten Krankheiten stehen und auf diese hindeuten können.

Habitus in der Medizin

Im medizinischen Bereich ist der Habitus Ausdruck bestimmter Symptome bekannter Erkrankungen, die sich nach außen präsentieren. Der Habitus apoplecticus beispielsweise beschreibt einen gedrungenen Körperbau, während der Habitus phthisicus auf einen schlanken Körperbau mit flacher Brust und zarter Hautfarbe hinweist. Habitus scrophulosus kennzeichnet speziell eine Hautkrankheit, die auch als Skrofulose bezeichnet wird. Dabei handelt es sich um eine Halsdrüsengeschwulst. Der Begriff Habitus asthenicus bezieht sich auf die Konstitution des Körpers.

Habitus in der Soziologie

In der Soziologie hat der Begriff Habitus beim Menschen eine besondere Bedeutung erlangt. Auch hier kennzeichnet er allgemein das äußere Wesen, bezieht sich jedoch besonders auf das Verhalten des Menschen, welches sich unter dem Einfluss kultureller und gesellschaftlicher Normen entwickelt. So prägt die Gesellschaft den Menschen, während der Mensch mit seinem Verhalten wiederum die Gesellschaft beeinflusst. Unter den Soziologen und Philosophen Pierre Bourdieu und Norbert Elias hat sich der Begriff Habitus zu einem Fachausdruck entwickelt. Sozialer Habitus wird als Gewohnheit und Gemeinsamkeit im Fühlen, Handeln und Denken aller Mitglieder bestimmter gesellschaftlicher Gruppen bezeichnet. Das äußert sich beispielsweise in der Sprache, im Lebensstil, in den Modetrends oder im Geschmack. Der Habitus offenbart dabei den Rang und Status der Menschen in der Gesellschaft.

Habitus und Prägung durch die Gesellschaft

Mit dem Habituskonzept nach Bourdieu wird der Habitus im gesamtgesellschaftlichen Kontext betrachtet. Bourdieu untersuchte den Habitus anhand der generativen Grammatik der Sprache, die sich innerhalb einer sozialen Struktur entwickelt sowie die gesellschaftlichen Kategorien soziales Feld, Geschlecht oder soziale Klasse. Dabei kam er zu dem Schluss, dass das Sprechverhalten der Menschen durch das soziale Umfeld geprägt wird. Des Weiteren wird durch die Zugehörigkeit der einzelnen Individuen zu einem bestimmten sozialen Feld, einem bestimmten Geschlecht oder einer bestimmten sozialen Klasse ihr Habitus geprägt, welcher ihre Stellung in der Gesellschaft anzeigt. Innerhalb der sozialen Klasse werden die Ungleichheiten in der Gesellschaft durch die Ausbildung des Habitus zementiert. Dabei spielen die ökonomischen, kulturellen, symbolischen und sozialen Ressourcen eine Rolle. Der geschlechtsspezifische Habitus konserviert die unterschiedlichen Geschlechterrollen von Frau und Mann. Im sozialen Feld geht es um das Ringen um Macht und Einfluss.

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