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Gesundheitslexikon: Glycerin

Glycerin: vielseitig einsetzbarer Alkohol

Glycerin ist ein Grundbaustein der tierischen Fette und pflanzlichen Öle. Außerdem spielt es in den Phospholipiden der Zellmembranen eine große Rolle. Es findet unter anderem Verwendung in kosmetischen Produkten, als Zusatzstoff in Lebensmitteln oder als Arzneistoff. Chemisch stellt es einen dreiwertigen Alkohol dar, welcher auch als Propantriol bezeichnet wird. Es gehört zur Stoffgruppe der Zuckeralkohole. Die Bezeichnung Glycerin leitet sich aus dem griechischen Wortstamm ‚glykys‘ für ‚süß ‘ her. Der korrekte chemische Name ist Glycerol, da es sich um einen Alkohol handelt.

Eigenschaften von Glycerin

Glycerin stellt bei Raumtemperatur eine farb- und geruchlose Flüssigkeit dar, welche leicht süßlich schmeckt. Sie ist stark hygroskopisch (Wasser anziehend). Unter Hitzeeinwirkung zersetzt Glycerin sich zum giftigen Acrolein. Mit festem Kaliumpermanganat entzündet es sich an der Luft und verbrennt zu Kohlendioxid und Wasser. Kommt es mit einer wässrigen Kaliumpermanganatlösung in Kontakt, findet nur eine Oxidation bis zur Mesoxalsäure statt. Dabei werden die beiden randständigen Hydroxylgruppen zu Carboxylgruppen (Säuregruppen) umgewandelt.

Welche Bedeutung besitzt Glycerin für den Organismus?

Glycerin kommt in allen Organismen in der Zellmembran als Bestandteil der Phospholipide vor. Dort ist es mit zwei Fettsäuren und einem Phosphorsäurerest verestert. Somit enthält das Phospholipid einen polaren (hydrophilen) und unpolaren (lipophilen) Anteil, was seine Fähigkeit zur Ausbildung einer Membran bestimmt. Des Weiteren verestert Glycerin mit Fettsäuren zu den sogenannten Triglyzeriden, welche im tierischen sowie im menschlichen Organismus als Neutralfette und in pflanzlichen Organismen als pflanzliche Öle vorliegen. Ohne Glycerin wäre die Energiespeicherung in Form von Fetten oder Ölen nicht möglich.

Im Stoffwechsel tritt Glycerin als wichtiger Metabolit auf, der durch Spaltung der Triglyzeride oder Phospholipide entsteht. Als Stoffwechselzwischenprodukt wird es entweder im Rahmen der Glykolyse zu Kohlendioxid und Wasser abgebaut oder mit Fettsäuren oder Phosphorsäureresten verestert.

Wo wird Glycerin verwendet?

Glycerin findet vielfältige Verwendung. Da Glycerin sehr hygroskopisch ist und wird es in Salben und Cremes als Feuchthaltemittel eingesetzt. Dabei entfaltet es teilweise sogar noch bessere Wirkungen als Harnstoff. In Lebensmitteln wird Glycerin als Lebensmittelzusatzstoff mit der Bezeichnung E 422 eingesetzt. E 422 kommt beispielsweise als Feuchthaltemittel für Datteln zum Einsatz. Außerdem wird es auch im Kaugummi verwendet oder auch als Süßungsmittel eingesetzt. In der chemischen Industrie findet Glycerin ebenfalls ein breites Anwendungsgebiet. Es dient unter anderem zur Herstellung von Kunststoffen, Zahnpasten, Farbstoffen oder gar Mikrochips. Berühmt ist seine Bedeutung für die Produktion des Sprengstoffs Nitroglyzerin. Des Weiteren wird es im Gemisch mit Wasser als Frostschutzmittel eingesetzt.

Wann wird Glycerin medizinisch eingesetzt?

Glycerin dient unter anderem als Arzneistoff zur Behandlung von Hirnödemen. Zu diesem Zweck wird eine zehnprozentige Glycerinlösung intravenös verabreicht. Eine weitere Anwendung ist der Einsatz glycerinhaltiger Zäpfchen als Abführmittel. Gegenstand von wissenschaftlichen Untersuchungen ist außerdem der Einsatz von Glycerin zur Gewährleistung der Organ- und Hirnfunktionen bei schwierigen Operationen, die eine Absenkung der Körpertemperatur erfordern.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und Hinweise über Arzneimittel, hat jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ersetzt daher nicht die Beratung durch einen Arzt oder Apotheker. Da die Medizin sich ständig weiterentwickelt, sollten Sie immer die aktuelle Gebrauchsinformation zu Ihrem Arzneimittel sorgfältig durchlesen und Ihren Arzt oder Apotheker zurate ziehen.

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