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Gesundheitslexikon: Glutamin

Glutamin – wichtige Aminosäure, nicht nur für den Muskelaufbau

Glutamin stellt eine nicht essenzielle proteinogene Aminosäure dar, die im menschlichen Organismus viele Funktionen erfüllt. Der Körper kann sie aus anderen Aminosäuren selbst herstellen.

Wie ist Glutamin aufgebaut?

Glutamin stellt eine Alpha-Aminosäure mit fünf Kohlenstoffatomen und einer zusätzlichen Aminogruppe am anderen Ende des Moleküls dar. Es ist eng verwandt mit der Glutaminsäure, einer weiteren wichtigen proteinogenen Alpha-Aminosäure. Bei dieser ist die Aminogruppe jedoch gegen eine Carboxylgruppe ausgetauscht. Im Organismus wird Glutamin aus Glutaminsäure durch die Aufnahme von Ammoniak hergestellt.

Welche Funktionen erfüllt Glutamin im Organismus?

Wie alle proteinogenen Alpha-Aminosäuren ist Glutamin am Aufbau der Proteine beteiligt. Eine besondere Rolle spielt es beim Aufbau der Muskulatur. Dort ist Glutamin für die Aufnahme von Wasser in die Muskelzellen verantwortlich. Diese Wassereinlagerung stellt ein Signal für die Biosynthese von Muskelprotein und Glykogen dar. Glykogen ist eine Speicherform von Energie in Form von komplexen Kohlenhydraten im Muskel.

Neben der Bedeutung für die Muskulatur sorgt Glutamin auch für das reibungslose Funktionieren des Nervensystems. Die chemisch verwandte Glutaminsäure ist ein wichtiger Neurotransmitter. Nach ihrer Ausschüttung in den synaptischen Spalt kann sie nur in Form von Glutamin wieder zurück in die Neuronen transportiert werden, weil Glutamin nicht auf die postsynaptische Membran einwirkt. Aufgrund dieser Tatsache ist Glutamin auch für die Hirnfunktion unentbehrlich.

Glutamin besitzt außerdem eine große Bedeutung für das Immunsystem. Die Immunzellen sind bei ihrer Funktion abhängig von der Glutaminaufnahme. Bei Immunreaktionen müssen große Mengen an Immunzellen gebildet werden. Glutamin gewährleistet die Synthese der benötigten Immunglobuline. Bei schweren Infektionen sinkt die Konzentration des freien Glutamins im Aminosäurepool aufgrund seines Verbrauchs daher drastisch.

Schließlich ist Glutamin auch für die Entgiftung des Körpers wichtig. Es fungiert als Überträger von Stickstoff, der in Form von Ammoniak aus dem Aminosäureabbau entsteht. Dabei wird Glutaminsäure unter Aufnahme des giftigen Ammoniaks in Glutamin umgewandelt. Danach werden die Aminogruppen entweder zum Aufbau anderer Aminosäuren oder zur Bildung des Harnstoffs verwendet.

Wo ist besonders viel Glutamin enthalten?

Besonders viel Glutamin enthalten Käse, Quark, Sojabohnen und Fleischprodukte. Auch Weizenmehl, Linsen oder Erdnüsse besitzen einen hohen Anteil an Glutamin. In Milch oder Joghurt kommt es nur in geringen Mengen vor.

Wie wirken sich schwere Erkrankungen auf die Glutaminkonzentration im Körper aus?

Medizinische Untersuchungen haben ergeben, dass bei schweren Infektionen oder Traumen und Verletzungen die Konzentration von Glutamin im freien Pool der Aminosäuren drastisch sinkt. Allerdings entsteht dabei auch kein Anreiz zu seiner Neubildung. Glutamin wird hierbei im großen Maße zum Aufbau neuer Proteine verbraucht. Gleichzeitig dient es auch zur Deckung des erhöhten Energiebedarfs des Organismus.

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