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Gesundheitslexikon: Gedächtnis

Sitz unserer Erinnerung: das Gedächtnis

Unser Gehirn kann beliebige Information speichern und abrufen. Gedächtnisinhalte im Gehirn entsprechen Mustern der Verschaltung zwischen Nervenzellen.

Welche Gedächtnissysteme gibt es?

Unser Gedächtnis besteht aus sensorischem Gedächtnis oder Ultrakurzzeitgedächtnis, Arbeits- oder Kurzzeitgedächtnis und einem Langzeitgedächtnis. Neue Information wird über die Sinnesorgane aufgenommen und wandert zur Zwischenspeicherung ins sensorischen Gedächtnis oder Ultrakurzzeitgedächtnis. Jedes Sinnessystem hat ein eigenes Ultrakurzzeitgedächtnis. Wir besitzen für die visuellen Wahrnehmungen das ikonografische Gedächtnis und für die auditive Wahrnehmung das echoische Gedächtnis. Vom Ultrakurzzeitgedächtnis aus wandern wichtige Informationen ins Kurzzeitgedächtnis. Information aus dem Kurzzeitgedächtnis ist unmittelbar verfügbar, allerdings handelt es sich beim Kurzzeitgedächtnis nicht um ein dauerhaftes Speichersystem. Unser einziges Dauerspeichersystem ist das Langzeitgedächtnis, das aus einzelnen Abschnitten für verschiedene Informationsarten besteht. Im deklarativen Langzeitgedächtnis wird vor allem theoretisches Wissen gespeichert, das wir bewusst wiedergeben können. Es besteht aus einem semantischen Gedächtnis für objektives Wissen über die Welt und einem episodischen Teil für Wissenszusammenhänge mit Bezug zum eigenen Leben. Im prozeduralen Langzeitgedächtnis wird Handlungswissen abgelegt, das wir nicht bewusst wiedergeben können. Die Speicherleistung des Langzeitgedächtnisses liegt zwischen Minuten und Jahren.

Wie gelangt Information von einem Gedächtnissystem ins andere?

Ins Ultrakurzzeitgedächtnis schaffen es Informationen, die nicht mit voller Konzentration verfolgt werden. Wenn Sie sich jemandem kaum zuhören, können Sie das Gesagte trotzdem wiederholen: es ist im Ultrakurzzeitgedächtnis abgelegt. Nur findet der Zerfall von dort abgelegter Information innerhalb von Zehntelsekunden statt. Um sich weiter an die Information zu erinnern, werden die Inhalte ins Kurzzeitgedächtnis übertragen. Nur wichtige Inhalte werden überführt. ‚Wichtig‘ ist, was Sie mit Aufmerksamkeit verfolgen, bewusst identifizieren oder benennen. Mit Information im Kurzzeitgedächtnis können wir ‚arbeiten‘, daher auch der Beiname Arbeitsgedächtnis. Allerdings speichert dieser Gedächtnisabschnitt Information höchstens eine Minute lang. Damit Inhalte langfristig abrufbar bleiben, werden sie ins Langzeitgedächtnis überführt. Dieser Transfer findet statt, indem wir die Informationen durch Wiederholung einüben. Beim prozeduralen Langzeitgedächtnis ist zum Beispiel die wiederholte Durchführung einer bestimmten Tätigkeit ausschlaggebend und beim deklarativen Langzeitgedächtnis die Wiederholung von theoretischem Wissen.

Was ist ein Gedächtnisinhalt?

Gedächtnisinhalte im Kurzzeitgedächtnis bestehen aus biochemischen Reaktionen. Das heißt, dass jeder Kurzzeitgedächtnisinhalt einem elektrotonischen Erregungszustand entspricht. Im Langzeitgedächtnis sind Gedächtnisinhalte bestimmte Synapsen-Verbindungen. Bestimmte Schaltmuster zwischen Nervenzellen stehen für bestimmte Gedächtnisinhalte. Dieses Phänomen ist auch als Langzeitpotenzierung bekannt. Die Verschaltungsmuster sind durch die neuronale Plastizität ständigen Veränderungen unterworfen. Je öfter eine bestimmte Verschaltung genutzt wird, desto eher wird sie aufrecht erhalten. Selten genutzte Synapsen-Verbindungen werden entfernt. Das Phänomen kennen wir als vergessen. Vergessen wird von der modernen Wissenschaft als ein Prozess beurteilt, bei dem neue Informationen alte Information verfälschen, verdrängen oder irrelevant machen.

Wie trainiert man sein Gedächtnis?

Es gibt unterschiedliche Tricks, die uns Informationen besser erinnern lassen. Einer der wichtigsten ist die Eselsbrücke. Mithilfe von Eselsbrücken vernetzen wir neue Informationen mit bereits bestehenden Gedächtnisinhalten. Je mehr Verbindungen neue Verschaltungen zu bestehenden Synapsen des Gehirns besitzen, desto besser können wir uns an sie erinnern. Ideal sind Eselsbrücken, die mehrere Sinnessysteme ansprechen. Auch beim Lernen bestimmter Informationen sollten Sie auf so viele Sinnessysteme setzen wie möglich. Laut vorlesen spricht zum Beispiel das auditive System an. Aufschreiben kann das visuelle System ansprechen. Außerdem sind Abweichungen extrem einprägsam für unser Gehirn. Deshalb können wir uns besser an Informationen erinnern, wenn wir sie in Abweichung zu bereits existierenden Informationen in unserem Gedächtnis betrachten.

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