Gesundheitslexikon Gesundheitslexikon

Gesundheitslexikon: Gebärdensprache

Gebärdensprache – lautlose Verständigung

Menschen, deren Gehörsinn von Geburt an oder in Folge einer Erkrankung nicht vorhanden oder stark eingeschränkt ist, müssen, ebenso wie ihre Angehörigen, auf alternative Kommunikationsmöglichkeiten zurückgreifen. Die am weitesten verbreitete Art der Verständigung ist in diesem Zusammenhang die Gebärdensprache. Obgleich es keine international standardisierte, einheitliche Version dieser lautlosen Sprache gibt, bietet sie Menschen weltweit die Möglichkeit, sich mit Hilfe von Mimik und Gestik auszudrücken. Zugleich ermöglicht sie die schnelle Vermittlung komplexer Informationen ohne Zuhilfenahme des geschriebenen Wortes.

Aufbau und Funktionsweise der Gebärdensprache

Ebenso wie die Lautsprachen sind die verschiedenen Varianten und Dialekte der Gebärdensprache auf natürliche Weise entstanden. Grundsätzlich setzen sie sich aus den folgenden Elementen zusammen: Aus der ‚Handkonfiguration‘, also der Stellung und Form der Hände, aus den parallel dazu ausgeführten Hand- und Armbewegungen, aus dem Körperbereich, an dem Formen und Bewegungen ausgeführt werden sowie aus der begleitenden Mimik, die teils mit Bewegungen von Kopf und Oberkörper unterstrichen wird. Auch tonlos gesprochene Laute und Wörter spielen eine große Rolle. Mittels der Kombination dieser Ausdrucksformen entstehen unter Verwendung eines umfangreichen Wortschatzes ganze Sätze. Sie folgen einer eigenständigen Grammatik, die das Zerlegen in einzelne Satzteile ermöglicht und die sich von der Grammatik gesprochener Sprachen sehr stark unterscheidet.

Gebärdensprache in Deutschland

In Deutschland findet die ‚Deutsche Gebärdensprache‘ (DGS) Verwendung. Sie ist abzugrenzen von den so genannten ‚Lautsprachbegleitenden Gebärden‘ (LBG). Letztere stellen eine exakte Visualisierung der gesprochenen Sprache in Gebärdenzeichen dar und schließen folglich auch Gebärden ein, die eine Darstellung der in der Lautsprache üblichen grammatikalischen Strukturen ermöglichen. Eingesetzt werden die LGB vor allem von hörgeschädigten oder ertaubten Menschen, die bereits mit den Regeln der Lautsprache vertraut sind; somit bieten sie einen Mittelweg zwischen gesprochener Sprache und Gebärdensprache. Zu den wichtigsten deutschen Organisationen, die sich auf dem Gebiet der Gebärdensprache engagieren, zählen der ‚Deutsche Gehörlosen-Bund e.V.‘ sowie die auf untergeordneten, auf Landesebene tätigen Gehörlosenverbände. Letztere organisieren, häufig in Kooperation mit Volkshochschulen, unter anderem auch Gebärdensprachkurse. Mehrere Universitäten und Fachhochschulen in Deutschland bieten zudem Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Gebärdensprachdolmetscher an.

Gebärdensprache auf internationaler Ebene

Da viele Gebärden ikonischen Ursprungs sind, ist die Verständigung Gehörloser auf internationaler Ebene meist ohne größere Schwierigkeiten möglich. Sogenannte ‚International Signs‘ basieren auf Umschreibungen, Wiederholungen und der gegenseitigen Übernahme landestypischer Gebärden zum besseren Verständnis. Oftmals wird als zusätzliches Hilfsmittel auch das ‚Einhand-Fingeralphabet‘ verwendet, welches bereits im 17. Jahrhundert schriftlich festgehalten wurde. Unter Verwendung der jeweils dominanten Hand können neben den häufigsten 26 Buchstaben auch Umlaute, Laute wie ‚sch‘ oder ähnliche sprachliche Besonderheiten dargestellt werden. So lassen sich beispielsweise Wörter buchstabieren, für die keine international verbreitete Gebärde existiert. Zu beachten ist jedoch, dass es auch hier Abweichungen in der Darstellung gibt. In einigen Ländern werden die Buchstaben zweihändig dargestellt; darüber hinaus existieren auch Fingeralphabete, die mit Bildzeichen oder Silben arbeiten.

Anzeige