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Gesundheitslexikon: Folsäure (Vitamin B9, selten auch Vitamin B11 oder Vitamin M)

Folsäure – das Vitamin fürs Ungeborene

Folsäure ist ein Vitamin der B-Gruppe und sehr wichtig für Blutbildung, Zellwachstum und Zellteilung. Schwangere sollten unbedingt eine ausreichende Menge dieses Vitamins zu sich nehmen, um Fehlbildungen des Babys vorzubeugen.

Was ist Folsäure?

Folsäure ist die künstlich hergestellte Form des natürlichen Vitamins Folat. Häufig werden beide Begriffe synonym verwendet. Weitere Bezeichnungen sind Vitamin B9, selten auch Vitamin B11 oder Vitamin M. Die wasserlösliche, hitze- und lichtempfindliche Substanz wird den Vitaminen des B-Komplexes zugeordnet. Sie kann nicht vom Körper gebildet werden.

Wozu braucht sie der Körper?

Folsäure spielt eine zentrale Rolle bei Blutbildung und Zellwachstum. Sie hat eine große Bedeutung für Synthese und Reparatur der DNS und ist damit unverzichtbar für alle Prozesse der Zellteilung und Zellerneuerung. Während einer Schwangerschaft ist Folsäure für die Entwicklung von Blutkörperchen und Nervensystem des Fötus sehr wichtig.

Welche Lebensmittel enthalten Folsäure?

Folsäure kommt in tierischen und pflanzlichen Nahrungsmitteln vor. Natürliche Folsäurelieferanten sind Hefen, Hülsenfrüchte (Linsen), Weizenkeime und -kleie. Weitere Folsäurequellen sind Leber, Sonnenblumenkerne, grünes Blattgemüse (Spinat, Kohl), Eier, Nüsse, Vollkornprodukte, Brokkoli und anderes Rohgemüse. Im Handel findet man mit Folsäure angereicherte Nahrungsmittel, wie Fruchtsäfte und Kochsalz.

Gibt es einen empfohlenen Tagesbedarf und wie kann man ihn decken?

Natürliche Folate und Folsäure werden unterschiedlich vom Körper aufgenommen. Zur besseren Vergleichbarkeit wurden deshalb sogenannte Folat-Äquivalente eingeführt. Bei Zufuhr auf nüchternen Magen entspricht 1 Mikrogramm Folat-Äquivalent einem Mikrogramm Nahrungsfolat oder 0,5 Mikrogramm synthetischer Folsäure.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat altersabhängige Referenzwerte ermittelt. Kinder ab 13 Jahre, Jugendliche und Erwachsene sollten täglich 300 Mikrogramm Folat-Äquivalent über die Nahrung zuführen. Bei Schwangeren und Stillenden sind es 550 bzw. 450 Mikrogramm.

Frauen, die schwanger werden möchten, empfiehlt die DGE zusätzlich 400 Mikrogramm Folsäure täglich in Tablettenform. Die Einnahme sollte mindestens vier Wochen vor einer Schwangerschaft beginnen und bis zum Ende des ersten Drittels erfolgen, um Neuralrohrdefekten vorzubeugen. Schwangere und Frauen mit Kinderwunsch stimmen am besten mit ihrem Arzt ab, welche Mengen Folsäure für sie persönlich sinnvoll sind.

Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) reicht eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten aus, um den von der DGE empfohlenen Tagesbedarf zu decken. Da das Vitamin, wie erwähnt, wasserlöslich und hitzeempfindlich ist, sollte man auf eine schonende Zubereitung achten. Große Teile der deutschen Bevölkerung nehmen laut BfR allerdings weniger Folate zu sich als empfohlen.

Eine Überdosierung natürlicher Folate ist bisher nicht bekannt. Folsäure gilt auch in hohen Dosen als nicht toxisch. Mehr als 1000 Mikrogramm täglich können einen Mangel an Vitamin B12 verschleiern.

Mangelerscheinungen

Folsäuremangel kann bei falscher Ernährung, Alkoholmissbrauch, der Einnahme bestimmter Medikamente (Antibabypille) oder während ernsthafter Erkrankungen entstehen. Er verursacht die megaloblastäre Anämie (Blutarmut), die mit Ermüdung, Blässe und Depression einhergeht. Außerdem wirkt er sich negativ auf die Schleimhäute aus, was zu Problemen im Verdauungstrakt führt. Während einer Schwangerschaft kann es zu schweren Missbildungen des Fötus durch Neuralrohrdefekte kommen.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen. Die Einnahme von Vitaminpräparaten und Nahrungsergänzungsmitteln ist nicht immer sinnvoll und kann Ihnen bei falscher Dosierung oder Kombination sogar schaden. Lassen Sie sich daher von einem Arzt oder Apotheker beraten. Schwangere sollten mit ihrem Frauenarzt sprechen. Vitaminpräparate und Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine gesunde Ernährung oder Lebensweise.

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