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Gesundheitslexikon: Fingerhut

Fingerhut – schön, gefährlich und heilsam

Der Fingerhut gehört zu den Wegerichgewächsen und ist eine krautige Pflanze, die farbige Blütenkelche ausprägt. Diese stehen in einer Traube zusammen, wodurch sie wie Fingerhüte, die zum Nähen benutzt werden, aussehen. Dieser Optik verdankt die Pflanze auch ihren Namen. Die botanische Bezeichnung lautet Digitalis. Es gibt über 20 verschiedene Arten, die sich sowohl in ihrer Form als auch farblich unterscheiden. Der Rote Fingerhut ist in Deutschland am weitesten verbreitet. Digitalis ist zwar hochgiftig, doch seine Bestandteile haben auch eine heiltherapeutische Wirkung, die vor allem in der Herzmedizin genutzt wird.

Vorkommen

Der Fingerhut ist hierzulande in vielen Gärten zu sehen. Doch auch in der wilden Natur, etwa auf Waldlichtungen und Waldrändern, und auch im Gebirge kommt er vor. Die zweijährige Pflanze ist in West- und Mitteleuropa, Nordafrika und Asien stark verbreitet. Für die Verarbeitung zu medizinischen Präparaten wird der Fingerhut zudem angebaut.

Verwendung und Wirkung als Heilpflanze

Aufzeichnungen zufolge soll der Fingerhut bereits im 5. Jahrhundert im Rahmen heilkundlicher Behandlungen verwendet worden sein. Im 17. Jahrhundert wurde die Pflanze in England zur Therapie von Geschwüren verwendet. Allerdings war dieses Unterfangen sehr riskant und endete in nicht wenigen Fällen tödlich.

Richtig dosiert hat die Pflanze jedoch eine herzstärkende Wirkung. Die vor allem in den Blättern und in den Blüten enthaltenen Digitalisglykoside werden heute für moderne Pharmazeutika isoliert. Diese finden hauptsächlich in Medikamenten Anwendung, die im Rahmen einer Therapie bei Herzinsuffizienz eingesetzt werden. Weitere Bestandteile der Pflanze sind Phenole, Anthranoide, sekundäre Pflanzenstoffe, Phenylpropionsäuren und Steroide. Um die für die Herzmedizin so wichtigen Herzglykoside zu gewinnen, werden die in Deutschland beheimateten Arten Wolliger Fingerhut und Roter Fingerhut kultiviert. Vermehrt werden allerdings diese Digitalisglykoside synthetisch hergestellt, um eine gleichbleibende Dosierung in standardisierten Arzneimitteln zu gewährleisten.

In der Homöopathie wird Fingerhut in sehr geringen Dosen verarbeitet. Diese Mittel können gegen Migräne, Schlafstörungen oder Erschöpfungszustände helfen. Auch zur unterstützenden Behandlung von Herzerkrankungen oder Wassersucht können homöopathische Produkte mit Digitalisextrakten förderlich sein.

Das müssen Sie beachten

Der Fingerhut ist sowohl für Menschen als auch für Tiere hochgiftig. In hohen Dosen können die Inhaltsstoffe zu Herzrhythmusstörungen und zum Herzstillstand führen. Bereits ein bis zwei Gramm können tödlich sein. Wenn Sie Kinder haben, sollten Sie unter keinen Umständen Fingerhut im Garten anpflanzen. Klären Sie Ihre Kinder über diese Pflanze auf. Benutzen Sie außerdem stets Handschuhe, wenn Sie mit Fingerhut im Garten arbeiten. Achten Sie darauf, dass die Pflanzenteile nicht mit den Schleimhäuten in Verbindung kommen.

Vergiftungssymptome sind Übelkeit gefolgt von Erbrechen, Durchfall, der Blut enthält, Benommenheit und Schwindel sowie ein abfallender Puls. Rufen Sie im Fall einer Vergiftung unbedingt sofort den Notarzt. Leiten Sie inzwischen Soforthilfemaßnahmen ein. Trinken Sie Kaffee und nehmen Sie medizinische Kohle ein, um die Giftstoffe zu binden, bis der Arzt erscheint. Verwenden Sie Fingerhut nie zur Selbstmedikation! Benutzen Sie stattdessen lediglich Arzneimittel oder homöopathische Produkte.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und ersetzt daher keine Beratung durch einen Arzt oder Apotheker. Heilpflanzen können in falscher Anwendung oder Dosierung schwerwiegende Nebenwirkungen zur Folge haben. Lassen Sie sich deshalb in der Apotheke oder vom Arzt beraten.

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