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Gesundheitslexikon: Fango

Fango – der wärmende Mineralschlamm ist ein echter Muntermacher

Schon die Römer der Antike sollen ihre Gefangenen erst mit dem heißen Mineralschlamm äußerlich gestärkt haben, um sie anschließend als Gladiatoren in der Arena kämpfen zu lassen. Auch heute ist eine Anwendung mit dem natürlichen Schlick gerade bei Sportlern sehr beliebt.

Was ist Fango?

Fango kann im Rahmen einer medizinischen Behandlung verordnet werden. Insbesondere Krankengymnasten oder Physiotherapeuten bieten die Anwendung, häufig kombiniert mit einer Massage, an. Fango ist eine Variante innerhalb der Peloidtherapien. Das Wort ‚Fango‘ stammt linguistisch aus dem italienischen Sprachraum und bedeutet so viel wie ‚heilender Schlamm‘. Den kurierenden oder zumindest wohltuenden Effekt erzielt Fango bei der äußerlichen Anwendung auf der Haut. Es ist eine alte Praxis, bei der sich Menschen entweder von Kopf bis Fuß oder auch nur im Bereich bestimmter Körperareale mit dem natürlichen Fango einreiben lassen.

Welche verschiedenen Arten von Fango gibt es?

Man kann zwischen zwei Fangoarten unterscheiden. Traditionell wird in Deutschland überwiegend der sogenannte ‚anorganische‘ Fango genutzt. Dabei wird zunächst vulkanisches Gestein aus der Region Eifel oder rund um den Kaiserstuhl abgebaut. Der gebrochene Lavastein wird erhitzt und fein vermahlen. Kurz vor der Fango-Behandlung rührt der Therapeut den feinen Mineralstaub mit warmem Wasser an, so dass ein dicker Brei entsteht.

Die zweite Sorte Fango stammt aus Oberitalien. Hier dringt salz-, brom- und jodhaltiges Thermalwasser durch die Gesteinsschichten und tritt mit einer Temperatur von rund 80 Grad Celsius aus. Das Wasser wird in großen Erdbecken gesammelt, welche mit Lehm oder Ton gefüllt sind. Zudem werden Algen beigegeben. In den Becken kommt es nun über mehrere Wochen zu Gärungsprozessen. Am Ende hat sich ein gereifter und lebendiger Fango entwickelt, der äußerst mineralhaltig und nährstoffreich ist, der sogenannte ‚organische‘ oder ‚gereifte‘ Fango.

Wann wird Fango angewendet und wie läuft eine Anwendung ab?

In Deutschland wird üblicherweise der anorganische Fango genutzt. Der Therapeut oder Masseur rührt das Pulver mit circa 50 Grad Celsius warmem Wasser an. Es entsteht eine Paste. Diese wird dann zügig auf die erkrankte, unbekleidete Körperregion aufgetragen. Das kann auch großflächig geschehen. Um den wärmenden Effekt zu unterstützen, schlingt man dann mehrere Lagen Folie oder Tücher um den Patienten. Die mineralischen Inhaltsstoffe dringen durch die geöffneten Poren leicht in die Haut ein. Nach maximal 40 Minuten wird der Fango abgewaschen.

Bei welchen Problemen soll Fango helfen?

Fango soll vor allem bei chronisch-rheumatischen Gelenkerkrankungen des Bewegungsapparates helfen können. Auch Ischialgie, Fibromyalgie, Spasmen, Rücken-, Nacken- und Schulterschmerzen sollen mit Fango gut zu behandeln sein. Doch auch bei Entzündungen von Muskeln, Gelenken und Prellungen wird der Heilschlamm gerne verschrieben. Insgesamt hat der nährstoffreiche Schlamm eine beruhigende und stärkende Wirkung auf den Körper. Der mineralhaltige Schlick soll aber auch Patienten mit Neurodermitis und Schuppenflechte Erleichterung verschaffen.

Was sollte man bei Fango beachten?

Fango regt in jedem Fall die Durchblutung an und fördert damit einen intensiveren Austausch zwischen Haut, Bindegewebe und Muskulatur. Bei bestimmten Autoimmunerkrankungen jedoch ist dies nicht wünschenswert. Hier könnte es zu einer Verstärkung von entzündlichen Prozessen kommen. Deshalb sollte Fango immer nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt eingesetzt werden.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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