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Gesundheitslexikon: Ejakulation

Ejakulation - wie genau funktioniert das eigentlich?

Der lateinische Begriff eiaculari für herausschleudern beschreibt sehr gut, was bei einer Ejakulation geschieht: Auf dem Höhepunkt der Lust setzt der menschliche Körper Flüssigkeit frei. Neben dem Samenerguss und dem Erguss ohne Samen – beispielsweise nach einer Vasektomie – beim Mann können auch Frauen während ihres Orgasmus eine Ejakulation erleben. Nach aktuellen Erkenntnissen geschieht dies weitaus häufiger, als in vergangenen Jahrzehnten angenommen wurde.

Ablauf einer männlichen Ejakulation

Bei der männlichen Ejakulation spielen neben physiologischen auch psychologische Vorgänge eine wichtige Rolle. Ausgehend von einem vierstufigen sexuellen Reaktionszyklus kommt es in der Erregungsphase zunächst durch optische Reize oder Stimulation zu einer Erektion. Vor dem eigentlichen Samenerguss wird in der darauf folgenden Plateauphase zunächst eine als Präejakulat bezeichnete Flüssigkeit abgesondert. In der Prostata wird nun ein Sekret erzeugt, das eine gute Beweglichkeit der Spermien gewährleistet. Hinzu kommen Absonderungen des Nebenhodens sowie Sekrete aus der Bläschendrüse und weiteren Drüsen; das so genannte Seminalplasma entsteht. Mit steigender Erregung werden Plasma und Spermien in Richtung Harnröhre gedrückt und zu Sperma vermengt. Dieses wird in der einige Sekunden andauernden Orgasmusphase unter begleitenden Muskelkontraktionen des Unterleibs ausgestoßen. Eine Beschleunigung auf Geschwindigkeiten von bis zu 50 km/h auf dem Weg durch die Harnröhre sind keine Seltenheit. Der beim Herausschleudern entstehende Druck – und damit die Reichweite des Spermas – hängt neben der Geschwindigkeit auch davon ab, wie stark sich die Harnröhre weitet. Auf die Ejakulation folgt die Rückbildungsphase, innerhalb derer sich die Herz-Kreislauf-Funktionen normalisieren und die Genitalien abschwellen.

Ejakulation ohne Samenerguss

Eine Ejakulation muss nicht zwangsläufig mit der Produktion von Sperma einhergehen. Der zuvor beschriebene sexuelle Reaktionszyklus greift in gleicher Weise sowohl bei Heranwachsenden, die die Geschlechtsreife noch nicht erreicht haben, als auch bei Männern, die aufgrund einer Kastration oder anderer Sterilitätsursachen keine Spermien produzieren. Der resultierende Erguss besteht dann gänzlich aus Seminalplasma. Auch Frauen durchlaufen den Reaktionszyklus mit teils abweichenden körperlichen Reaktionen. Analog zum Präejakulat des Mannes produzieren sie Sekrete, die der Befeuchtung (Lubrikation) der Vulva dienen. Die tatsächliche weibliche Ejakulation, die laut Studien aus den 90er-Jahren über 40 Prozent der Frauen regelmäßig erleben, besteht wie beim Mann in einem stoßweisen Freisetzen von Flüssigkeit während der Orgasmusphase. Die genauen körperlichen Vorgänge sind Gegenstand der modernen Forschung. Als gesichert gilt, dass das weibliche Ejakulat aus kleinen Ausgängen in den Endabschnitten der Harnröhre sowie seitlich von ihnen dringt. Es besteht laut aktueller Erkenntnisse aus Sekreten der Paraurethraldrüse. Umstritten ist, ob es zudem auch Urin enthält.

Ejakulationsstörungen und ihre Ursachen

Bei bestehenden Ejakulationsstörungen wurden lange Zeit fast ausschließlich psychologische Ursachen wie Stress, Leistungsdruck oder unverarbeitete traumatische Erlebnisse vermutet. Je nach Art der Ejakulationsstörung kommen jedoch vielfach auch körperliche Ursachen infrage, die im Rahmen eines Besuchs beim Facharzt überprüft werden sollten. So kann sich beispielsweise die Einnahme bestimmter Medikamente oder verbotener Substanzen sowie Alkohol- und Tabakkonsum negativ auf das Ejakulationsverhalten auswirken. Häufig vorkommende Ejakulationsstörungen sind eine frühzeitige oder stark verzögerte Ejakulation sowie auch deren völliges Ausbleiben. Beispiele für weitere Störungen sind die retrograde Ejakulation, bei der das Ejakulat nicht nach außen, sondern nach innen in die Harnblase ausgestoßen wird, sowie das willkürliche Abfließen von Samenflüssigkeit im Rahmen des Stuhlgangs oder Wasserlassens (Spermatorrhoe).

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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