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Gesundheitslexikon: E.coli (Escherichia coli)

Escherichia coli: wichtiger Bestandteil der Darmflora

Escherichia coli, kurz E.coli, ist ein Stäbchenbakterium, das sowohl im menschlichen als auch im tierischen Darm vorkommt. Obwohl das Bakterium nur 0,1 Prozent der menschlichen Darmflora ausmacht, übernimmt es viele wichtige Aufgaben im Verdauungstrakt. Es gibt jedoch auch pathogene E.coli-Stämme, die beim Menschen verschiedene Erkrankungen hervorrufen können.

Der Einfluss von Escherichia coli auf die Darmfunktion

Der Darmtrakt ist von einer immensen Zahl von Mikroorganismen besiedelt. Die Gesamtheit aller Mikroorganismen wird als Darmflora bezeichnet. Vor allem im Dickdarm kommen die nützlichen Darmbakterien vor. Das anaerobe Bakterium E.coli nimmt zwar zahlenmäßig nur einen geringen Anteil im Darm ein, spielt aber ungeachtet dessen eine wichtige Rolle. Schon 40 Stunden nach der Geburt hat das Bakterium den Darm des Neugeborenen kolonisiert. Im Darm dient E.coli als Barriere vor pathogenen Bakterien und anderen Fremdsubstanzen. Die Darmflora ist eine Grenzfläche, die die Außenwelt vom Körperinneren abgrenzt. E.coli verhindert gemeinsam mit anderen Bakterien, dass sich fremde und schädliche Bakterien an die Schleimhaut des Darms anheften und in den Körper eindringen. Escherichia coli fungiert somit als eine Art Schutzschild. Da E.coli-Bakterien innerhalb des Darms Nährstoffe verbrauchen, entziehen sie anderen Mikroorganismen die Lebensgrundlage. Ferner senken sie den pH-Wert. Die meisten schädlichen Mikroorganismen bevorzugen ein alkalisches Milieu und wachsen bei einem niedrigeren pH-Wert nicht so gut. Escherichia coli sorgt zudem für den Abbau von Ballaststoffen. Diese können von den körpereigenen Verdauungsenzymen nicht komplett gespalten werden. Die Bakterien stellen auch Nährstoffe für die Darmschleimhaut zur Verfügung. Die Abbauprodukte aus den Ballaststoffen sind energiereich und dienen dem Stoffwechsel der Darmschleimhaut. Außerdem produzieren E.coli-Bakterien Vitamin K. Dieses Vitamin spielt eine wichtige Rolle bei der Blutgerinnung und beim Zellwachstum.

Humanpathogene E.coli-Stämme

Nicht alle Coli-Bakterien sind für den Menschen nützlich. Es gibt E.coli-Stämme, die Giftstoffe produzieren. Der bekannteste krankheitsverursachende Erregerstamm ist sicherlich EHEC (enterohämorrhagische Escherichia coli). Diese Bakterien produzieren das sogenannte Shigatoxin. Das Toxin hat eine enterotoxische und eine zytotoxische Wirkung. Die Übertragung erfolgt auf vielfältige Art. Häufig werden die Erreger über rohes Fleisch, Rohmilch oder fäkalienverseuchtes Gemüse aufgenommen. Eine Infektion mit EHEC kann symptomfrei verlaufen. Typischerweise kommt es aber drei bis vier Tage nach der Erregeraufnahme zu Brechdurchfall. Die Shigatoxine zerstören die Zellen der Darmschleimhaut, der Darmwand und der Blutgefäße in Gehirn und Nieren. Das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) ist eine schwere Komplikation der EHEC-Darminfektion. Durch die Bakteriengifte werden Blutzellen zerstört und die Nierenfunktion geschädigt. Bei Kleinkindern und Säuglingen ist das hämolytisch-urämische Syndrom die verbreiteste Ursache des akuten Nierenversagens. Bei der Hälfte aller Patienten mit HUS bleiben Langzeitschäden in Form von Bluthochdruck oder Proteinurie zurück. Zwei bis drei Prozent aller HUS-Fälle enden tödlich. Enteropathogene E.coli (EPEC) verursachen bei Kleinkindern schwere Durchfälle. Während Erkrankungsfälle in den Industriestaaten eher selten sind, ist EPEC in Entwicklungsländern für viele kindliche Todesfälle verantwortlich. Enterotoxische E.coli (ETEC) sind die häufigsten Verursacher des Reisedurchfalls. Im Volksmund werden Infektionen mit ETEC auch als ‚Montezumas Rache‘ bezeichnet.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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