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Gesundheitslexikon: Dysphagie (Schluckstörung)

Dysphagie – wenn das Schlucken zur Qual wird

Der Schluckakt ist ein sehr komplexer Vorgang, an dem viele Muskeln und Organe beteiligt sind. Sie werden von fünf Hirnnervenpaaren und Teilen des Halsnervengeflechts versorgt und durch das Schluckzentrum im Gehirn gesteuert. Störungen können sowohl den Schlucktrackt (Mund, Rachen, Speiseröhre) als auch den vom Gehirn gesteuerten Schluckakt betreffen. Die Dysphagie ist eine Störung des Schluckaktes. Der Nahrungsbrei wird nicht mehr zuverlässig aus der Mundhöhle in den Magen transportiert.

Ursachen

Mögliche Ursachen sind anatomische Fehlbildungen, Erkrankungen der Speiseröhre (Entzündungen, Ausstülpungen, Geschwüre), akute Schädigungen des Gehirns (Schlaganfall, Hirnblutungen), neurodegenerative Erkrankungen (Morbus Alzheimer, Morbus Parkinson, ALS), neuromuskuläre Erkrankungen (Myasthenia gravis, Guillain-Barré-Syndrom) und andere Erkrankungen des Nervensystems (Morbus Hirschsprung). Auch Verletzungen (Mittelgesichtsfraktur, Schleimhautverätzung, Fraktur des Kehlkopfes) und das Verschlucken von Fremdkörpern können Schluckbeschwerden auslösen. Häufig entstehen die Beschwerden durch Erkrankungen des Mund- und Rachenraums bzw. Kehlkopfbereiches (Entzündungen der Mandeln und des Rachens, andere Infektionen durch Viren, Bakterien oder Pilze, Fremdkörper, Zungen- oder Kehlkopfkrebs, Veränderungen der Schilddrüse). Bei Erkrankungen wie Tollwut oder dem Plummer-Vinson-Syndrom kann ebenfalls eine Dysphagie auftreten. Manchmal sind die Störungen eine Nebenwirkung bestimmter Medikamente. Auch psychische Ursachen können angenommen werden. Sind körperliche Veränderungen aufgrund eines hohen Lebensalters Ursache des Leidens, spricht man von einer Presbyphagie.

Symptome

Einige Betroffene haben lediglich ein Enge- oder Kloßgefühl im Hals (Globusgefühl). Bei anderen bleiben Flüssigkeiten oder Nahrungsbrei in der Kehle stecken, was zu Husten- oder Erstickungsanfällen führen kann. Weitere Symptome sind Kaustörungen, Speichelfluss aus dem Mund und Schmerzen während des Schluckens oder danach. Teilweise ist die Zunge schwächer und nicht mehr so beweglich. Auch der Würgereflex kann fehlen. Manchmal kommt es zu einem Rückfluss von Nahrungsbestandteilen aus der Speiseröhre in den Mund. Manche Patienten klagen über Schmerzen hinter dem Brustbein und Sodbrennen. Auch Heiserkeit und Sprechstörungen können auftreten. Gelegentlich verschwindet die Stimme ganz oder hört sich kurz nach dem Schlucken ‚gurgelig‘ an.

Folgeerscheinungen können Mangelernährung, Dehydrierung und schwere Erkrankungen der Atemwege sein.

Diagnose

Zunächst werden alle für das Schlucken wichtigen Parameter erfasst. Dazu müssen Mundraum und Rachen gründlich untersucht werden. Wie beschreibt der Patient die Beschwerden? Sind Mimik, Körperhaltung, Atmung und Allgemeinmotorik normal? Wie ist die Sensibilität für verschiedene Reize? Werden Husten-, Würge- und Schluckreflex ausgelöst? Meistens erfolgen Wasserschlucktest und Stimmkontrollen. Die Untersuchungsergebnisse werden in standardisierten Befundbögen festgehalten. Mittels Videoendoskopie (FEES) kann der Schluckvorgang im Rachenraum direkt beobachtet werden. Bei der Videofluoroskopie wird der Patient radiologisch durchleuchtet, während er kontrastmittelhaltige Testnahrung schluckt.

Behandlung

Die Schlucktherapie umfasst Übungen zur Kräftigung einzelner Muskelgruppen (Masako, Shaker), Stimulationstechniken (PNF) und das Erlernen bestimmter Schluckmuster (Mendelsohn-Manöver, supraglottisches Schlucken). Durch gezielte Änderungen der Kopfposition kann das Schlucken erleichtert werden. Wichtig ist auch die Kostanpassung, die Nutzung spezieller Ess- und Trinkhilfen und die Mundhygiene. Ziel der Maßnahmen ist ein sicherer, effektiver Schluckvorgang. In schweren Fällen wird der Patient über eine Magensonde ernährt.

Vorbeugung

Aufgrund der vielen Störungsmuster ist eine gezielte Vorbeugung schwierig. Ratsam ist die umgehende Behandlung leichter Schluckbeschwerden.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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