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Gesundheitslexikon: Contergan

Contergan – das Schlafmittel, das zum großen Skandal führte

Contergan ist ein Arzneimittel, das durch die Presse ging und Negativschlagzeilen machte mit dem sogenannten Contergan-Skandal. In den 1960er-Jahren entdeckte man, dass es bei vielen Neugeborenen, deren Mütter Contergan während der Schwangerschaft eingenommen hatten, zu Fehlbildungen kam.

Was ist Contergan und der darin enthaltene Wirkstoff Thalidomid?

Contergan ist ein Schlaf- und Beruhigungsmittel. Der enthaltene Wirkstoff Thalidomid wurde 1954 entdeckt. Die Firma Grünenthal aus Aachen entwickelte daraus das Medikament Contergan und brachte es 1957 in den Handel. Contergan war rezeptfrei in Apotheken erhältlich. Es galt als sehr gut verträglich. Contergan half auch gegen die häufig auftretende Morgenübelkeit bei Schwangeren. Daher wurden die Werbemaßnahmen für Contergan unter anderem auch auf schwangere Frauen ausgerichtet.

Neben der schlaffördernden Wirkung kann Thalidomid auch das Tumorwachstum und das Wachstum neuer Gefäße hemmen. Außerdem hat es entzündungshemmende Eigenschaften. Der Wirkstoff wurde nach dem Contergan-Skandal nicht mehr verkauft, es wurde jedoch weiter geforscht. So wurde die Wirkung von Thalidomid bei Lepraerkrankungen und bei der Bekämpfung von Krebs analysiert. Deshalb wurde das Medikament an Leprakrankenhäuser weitergegeben. Seit 2003 gibt die Firma Grünenthal, die Contergan entwickelte, den Wirkstoff nicht mehr ab, nachdem der Vertrieb durch andere Unternehmen sichergestellt war.

Diese Abgabe wird streng überwacht. Inzwischen können auch Patienten Thalidomid erhalten, die unter Immun- oder Krebserkrankungen leiden, die besonders schwer behandelbar sind. Auf die Risiken bei der Einnahme muss dabei ausdrücklich hingewiesen werden und die Patienten müssen schriftlich den Erhalt der Information bestätigen. In Deutschland müssen die Ärzte versichern, dass sie die Sicherheitsmaßnahmen einhalten und es muss gegebenenfalls bei den Patientinnen eine Empfängnisverhütung sichergestellt sein.

Was war der Contergan-Skandal?

Anfang der 1960er-Jahre wurde einer der größten Arzneimittelskandale in der Bundesrepublik Deutschland aufgedeckt. In den Jahren danach wusste praktisch jeder in Deutschland, was gemeint ist, wenn vom Contergan-Skandal die Rede war. Contergan wurde von 1957 bis 1961 zunächst rezeptfrei, ab dem 1. August 1961 rezeptpflichtig in Apotheken verkauft. Nachdem Schwangere das Medikament eingenommen hatten, kam es zu vielen Fehlbildungen und dem Fehlen von Gliedmaßen oder Organen bei ihren Kindern. Am 27. November 1961 wurde das Medikament vom Markt genommen.

Von den Fehlbildungen betroffen waren etwa 5.000 bis 10.000 Neugeborene. Die Eltern der geschädigten Kinder haben sich 1963 in einem Dachverband von regionalen Interessengruppen zusammengeschlossen. Inzwischen ist der ‚Bundesverband Contergangeschädigter e. V.‘ ein Verband der Betroffenen selbst. Er schreibt auf seiner Internetseite, dass heute in der Bundesrepublik Deutschland noch etwa 2.400 Contergan-Geschädigte leben.

Die Zahl der von Fehlbildungen betroffenen Neugeborenen war so hoch, dass das Thema 1958 sogar im Bundestag diskutiert wurde. Am Anfang wurde ein Zusammenhang zwischen den Fehlbildungen und Atomwaffentests vermutet. Doch 1961 stellte sich durch Meldungen von Ärzten heraus, dass ein Zusammenhang zwischen der Einnahme von Contergan während der Schwangerschaft und den Fehlbildungen bei den Neugeborenen bestand. Dies führte dazu, dass das Medikament vom Markt genommen wurde. Der Skandal hatte unter anderem zur Folge, dass 1961 in der Bundesrepublik das Gesundheitsministerium auf Bundesebene eingerichtet wurde.

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