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Gesundheitslexikon: Chloroform

Chloroform – früheres Narkosemittel mit zahlreichen Nebenwirkungen

Wer in früheren Jahrhunderten unter das Messer eines Mediziners musste, dem stand eine folterähnliche Prozedur bevor. Ohne Narkose lag der Patient angeschnallt vor dem Heilkünstler und musste die Operation bei vollem Bewusstsein über sich ergehen lassen. Mit der Erfindung des Chloroforms wurde der damalige Arztbesuch zwar nicht hygienischer, doch zumindest ließen sich damit endlich Eingriffe unter Narkose durchführen.

Was ist Chloroform?

Chloroform ist eine farblose Flüssigkeit mit süßlichem Geruch. Es ist ein sogenannter chlorierter Kohlenwasserstoff, also eine Verbindung aus Molekülen, die aus einem Kohlenstoffgerüst bestehen. Es wirkt über die Atemwege und vermittelt einen schmerzstillenden Effekt, der bis hin zu einer gänzlichen Aufhebung des Schmerzes und anschließender Bewusstlosigkeit führt.

Chloroform wurde 1831 erstmalig hergestellt. Damals forschten mehrere Wissenschaftler an einem Mittel, mit welchem sich das Bewusstsein beeinflussen lassen könnte. Die eingeatmeten Dämpfe zeigten eine sofortige Wirkung. Die damaligen Forscher sollen, so die Legende, noch am Labortisch in sich zusammengesackt sein und ein traumloses Delirium erlebt haben.

In den Folgejahren kam Chloroform bei ärztlichen Eingriffen als Narkotikum zum Einsatz. Bis dato war eine Operation ein enorm schmerzhafter und kräftezehrender Eingriff, der nur unter größter Intervention durchgeführt werden konnte. Die unerträglichen Schmerzen des Patienten veranlassten damalige Chirurgen dazu, nur das allernötigste am Körper zu verrichten, um den Prozess möglichst kurz zu halten. Eine Wundversorgung war ebenfalls kaum möglich. Durch das Narkotikum Chloroform war es nun möglich, Patienten entweder nur in einen leichten Dämmerzustand mit Schmerzminimierung zu versetzen oder aber den Patienten gänzlich bewusstlos zu machen. Dadurch konnten die Eingriffe sauberer, zeitlich länger und medizinisch akkurater vonstattengehen. Aus der Chirurgie entwickelte sich die Anästhesie.

Wie wirkt Chloroform auf den Körper?

Chloroform wird über die Atemwege aufgenommen. Von der Lunge aus gelangt es in den Blutkreislauf. Dort wird es weitertransportiert und erreicht das Gehirn. Hier blockieren die Botenstoffe ganz bestimmte Synapsen, die zur Reizweiterleitung zuständig sind. Der Konsument fühlt sich kurz benommen, die Schmerzsensorik wird herabgesetzt, schließlich tritt die Bewusstlosigkeit ein. Diese hält, je nach eingeatmeter Dosis des Wirkstoffes, bis zu einigen Minuten an. Dann wacht der Patient wieder auf. Daher mussten in früheren Zeiten Anästhesisten den Patienten im Rahmen einer andauernden Operation genau beobachten, um die Wirkstoffdosis entsprechend permanent weiter zu verabreichen.

Wo kommt Chloroform heute noch zum Einsatz?

Noch bis zum Ende des letzten Jahrhunderts wurde Chloroform für die Herstellung der mittlerweile verbotenen FCKW (Fluorchlorkohlenwasserstoffe) industriell genutzt. Heute kommt Chloroform nur noch als Lösungsmittel in chemischen oder biologischen Laboren zum Einsatz. Da es ein gutes Lösungsmittel für verschiedene Materialien ist, wird es gerne zur Zersetzung von fettlöslichen Naturstoffen gebraucht. Weil die Flüssigkeit leicht verdunstet, muss unter besonderen Vorsichtsmaßnahmen mit ihr hantiert werden.

Was sollte man über Chloroform wissen?

Chloroform wird heute nicht mehr als Narkosemittel eingesetzt. Es entwickelt im Körper zahlreiche negative Auswirkungen. Da es auf den Hormonhaushalt wirkt und das Zusammenspiel von Noradrenalin und Dopamin beeinflusst, schädigt es das Herz-Kreislauf-System und führt zu Herzrhythmusstörungen und Herzkammerflimmern. Es schädigt außerdem die Leberzellen und steht ferner im Verdacht, krebserregend zu sein.

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