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Gesundheitslexikon: Chimäre

Variabler Organismus - Chimäre

In der Schulmedizin bezeichnet die Chimäre einen eigenen Organismus, der sich aus verschiedenartigen Zellen bildet. Trotzdem stellt dieser ein einheitliches Individuum dar. Ob die Zellen von einer oder mehreren Arten abstammen, ist unerheblich. Stattdessen weisen sie eine andere Besonderheit auf, die sie verbindet: Alle stammen von befruchteten Eizellen ab. Es gibt verschieden Arten von Chimären, die bei Menschen, Tieren und Pflanzen auftreten können. Die Wortherkunft entspringt der griechischen Mythologie – als Chimäre wurde ein feuerspeiendes Wesen bezeichnet, das sich aus unterschiedlichen Tieren zusammensetzte. Im übertragenen Sinne steht das Fabelwesen für ein Fantasiegebilde.

Verschiedene Formen der Chimäre

Generell wird zwischen natürlichen und künstlichen Chimären differenziert. Zu ersteren zählen die sogenannten Blutchimären, die bei Schwangerschaften mit mehreiigen Zwillingen – oder Mehrlingen – entstehen können. Im Mutterkuchen vermischt sich das Blut der Geschwister, sodass es auf unterschiedliche Stammzellen zurückgeht. Hieraus resultiert, dass die Lebewesen zwei Blutgruppen in sich tragen. Die schulmedizinische Forschung befasst sich auch mit der Erstellung von künstlichen Organismen, die auf der Grundlage unterschiedlicher Zellen beruhen. So werden beispielsweise Tier-Mensch-Embryonen gezüchtet, die als Cybriden bezeichnet werden. Diese werden zur Stammzellenforschung genutzt.

Nutzen in der Medizin

In der Medizin werden Chimären für die Transplantationen von Organen gebildet und verwendet. Diese Prozedur ist erforderlich, wenn Spender und Empfänger unterschiedliche genetische Merkmale aufweisen. Durch das Erzeugen einer Chimäre wird verhindert, dass der Patient das fremde Organ abstößt. Bei Bluttransfusionen avanciert der Empfänger lediglich kurzzeitig zur Chimäre, da die neu zugeführten Blutzellen nach einiger Zeit wieder verarbeitet werden.

Chimären und die Ethik

Es gibt diverse Kritiker, die sich gegen den Gebrauch von künstlichen Chimären aussprechen. Sie berufen sich darauf, dass die Erstellung der Organismen missbraucht werden könnte. Die Gegner befürchten, dass es zu einer Schöpfung von Zwittern, die aus Mensch und Tier bestehen, kommt. Sie berufen sich dabei auf eine ethisch-moralische Handlungsweise. Die Befürworter beziehen sich stattdessen darauf, dass menschliche Eizellen immer rarer und kostspieliger für die Forschung seien. Dies sei darauf zurückzuführen, dass sich nur wenige Frauen für eine Spende bereiterklären würden.

Britisches Embyronengesetz

Am 22. Oktober 2008 verabschiedete Großbritannien ein weitläufiges Gesetz, das die Züchtung von Tier-Mensch- und von Mensch-Mensch-Chimären legalisiert. Die Erlaubnis wird dadurch rechtfertigt, dass auf diesem Wege Rettungsgeschwister erzeugt werden können. Somit können schwerkranke Kinder geheilt werden. Allerdings müssen die hierbei erzeugten Chimären nach zwei Wochen zerstört werden. Des Weiteren dürfen sie nicht in die weibliche Gebärmutter eingepflanzt werden. Als einflussreicher Befürworter präsentiert sich Gordon Brown, der 2008 das Amt des britischen Premierministers bekleidete. Dies hat auch persönliche Gründe: Sein Sohn leidet unter Mukoviszidose. Brown hofft darauf, dass die Krankheit künftig – mithilfe der Embryonenforschung – erfolgreicher behandelt werden kann.

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