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Gesundheitslexikon: Carbamazepin

Carbamazepin gegen Epilepsie und psychische Erkrankungen

Carbamazepin ist ein Arzneimittel aus der Wirkklasse der Antikonvulsiva. Diese werden vorwiegend zur Behandlung von epileptischen Erkrankungen und Anfallserkrankungen eingesetzt.

Wie wirkt Carbamazepin?

Carbamazepin setzt an den Natriumkanälen in den Nervenzellen an. Diese Natriumkanäle sind spannungsabhängig. Das Arzneimittel stabilisiert die Natriumkanäle in einem inaktiven Zustand und verhindert so, dass bei einem eintreffenden Reiz Natriumionen in die Zelle einströmen können. Der Einstrom der Natriumionen ist jedoch die Voraussetzung für die Bildung eines Aktionspotenzials und somit auch für die Reaktion auf den eintreffenden Reiz. Carbamazepin senkt so die Erregbarkeit der Nervenzelle. Ferner hemmt der Arzneistoff die Freisetzung von Glutamat. Dies ist eine Form der Glutaminsäure, die im zentralen Nervensystem als relevanter erregender Neurotransmitter fungiert. Dieser Wirkmechanismus setzt die Erregbarkeit der Zellen ebenfalls hinab.

Anwendungsgebiete

Das Arzneimittel Carbamazepin ist verschreibungspflichtig. Der Arzt verordnet es vor allem bei der sogenannten fokalen Epilepsie. Diese Form des Anfallsleidens ist dadurch gekennzeichnet, dass in einer umschriebenen Region des Gehirns ein Zeichen für den Beginn des Anfalls sichtbar wird. Mithilfe eines Antikonvulsivums wie Carbamazepin können die Anfälle so in zwei Drittel aller Fälle kontrolliert werden.

Die Behandlung von affektiven und bipolaren Störungen ist ebenfalls mit Carbamazepin möglich. Es wird vor allem zur Akutbehandlung von Manien eingesetzt. Zudem erfolgt die Phasenprophylaxe von bipolaren und schizoaffektiven Störungen mit Carbamazepin. Bei starken Stimmungsschwankungen und selbstverletzendem Verhalten wird das Arzneimittel zudem in der Borderline-Therapie genutzt. Auch als Co-Analgetikum in der Therapie von Nervenschmerzen spielt Carbamazepin eine wichtige Rolle.

Dosierung

Das Arzneimittel wird anfangs erst niedrig dosiert. Um Nebenwirkungen zu vermeiden, wird die Dosis nur langsam gesteigert. Häufig werden dafür sogenannte Retardformen genutzt. Bei dieser Arzneiform wird der Arzneistoff nur langsam freigesetzt. Zum Ende der Therapie muss die Dosis Stück für Stück verringert werden.

Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und wichtige Hinweise

Die Patienten klagen häufig über Schläfrigkeit, Gleichgewichtsstörungen oder Appetitlosigkeit. Mundtrockenheit, Erbrechen, Übelkeit und eine gutartige Verminderung der weißen Blutkörperchen im Blut sind ebenfalls häufige Nebenwirkungen. Gelegentlich sind vor allem bei älteren Patienten Verwirrtheitszustände, Wassereinlagerungen, Kopfschmerzen, Durchfall und allergische Hautreaktionen zu beobachten. Die lebensbedrohende Agranulozytose ist eine seltene Nebenwirkung. Ebenfalls selten sind psychiatrische Symptome wie manische Verstimmungen, Depressionen, Angststörungen oder Halluzinationen.

Verschiedene Substanzen können den Abbau von Carbamazepin hemmen und so die Plasmakonzentration bis hin zur Vergiftung erhöhen. Dazu gehören unter anderem Grapefruitsaft, Proteasehemmer und Verapamil.

Da Carbamazepin beim Ungeborenen schwere Schäden verursachen kann, darf der Arzneistoff in der Schwangerschaft nur nach einer überlegten Risiko-Nutzen-Abwägung verabreicht werden.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und Hinweise über Arzneimittel, hat jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ersetzt daher nicht die Beratung durch einen Arzt oder Apotheker. Da die Medizin sich ständig weiterentwickelt, sollten Sie immer die aktuelle Gebrauchsinformation zu Ihrem Arzneimittel sorgfältig durchlesen und Ihren Arzt oder Apotheker zurate ziehen.

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