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Gesundheitslexikon: Brennnessel

Die Brennnessel als Heilpflanze birgt Potential gegen allerlei Beschwerden

Die Brennnessel wird seit Jahrhunderten medizinisch eingesetzt. Schon Hildegard von Bingen beschrieb die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der widerspenstigen Heilpflanze. Heute werden die Potenziale der Brennnessel neu entdeckt.

Was ist die Brennnessel?

Die robuste Brennnessel gehört botanisch gesehen zu den sogenannten ‚Brennnesselgewächsen’ und kann bis zu 300 Zentimeter hoch wachsen. Dabei tritt sie meist im Verbund auf, da sie sich schnell ausbreitet. Das charakteristische an ihr sind die Brennhaare, welche auf den Blättern und auch dem Stängel angelegt sind. Wer mit der Brennnessel ungeschützten Kontakt hat, der wird umgehend schmerzende und juckende Quaddeln auf der Haut bemerken. Dabei dienen die feinen Härchen der Pflanze eigentlich als Schutz vor Fraßfeinden. Sie sind gefüllt mit Ameisensäure, Histamin und Serotonin und verursachen auf der Haut entzündungsähnliche Reaktionen.

Wo kommt die Brennnessel vor?

Die Brennnessel ist weltweit verbreitet. Sie wächst in nahezu allen Vegetationen und ist äußerst widerstandsfähig und anspruchslos, was Standort und Umgebung angehen. Sie bevorzugt stickstoffreiche Böden, kann sich aber äußerst gut anpassen. Weltweit gibt es etwa 30 Unterarten der Brennnessel. In Deutschland kommen vor allem die ‚Große Brennnessel’, die ‚Kleine Brennnessel’, die ‚Röhricht Brennnessel’ und die ‚Pillen Brennnessel’ vor. Die Brennnessel wächst gerne am Wegrand, am Rande unbewirtschafteter Wiesen oder auf Schuttflächen.

Verwendung und Wirkung der Brennnessel als Heilpflanze

Die Brennnessel ist reich an den wichtigen Mineralstoffen Magnesium, Kalzium, Eisen und Silizium bzw. Kieselsäure. Damit ist sie vor allem ein guter Mineralstofflieferant für Menschen, die sich beispielsweise vegan ernähren möchten. Die Pflanze verfügt im oberirdischen Teil zudem in großen Mengen über die Vitamine A, B und C. Außerdem weist sie einen hohen Anteil Flavonoide auf, wie beispielsweise Rutin. Die Flavonoide sorgen für eine leicht entwässernde Wirkung der Pflanze auf den menschlichen Organismus. Wer präventiv die ableitenden Harnwege spülen möchte oder eine aufkommende Blasenentzündung eindämmen will, dem könnte eine große Kanne Tee aus frischen Brennnesselblättern dabei unterstützend helfen. Rutin soll ferner eine stabilisierende Wirkung auf die Venen haben.

In den Wurzeln finden sich zudem pflanzliche Steroidhormone, sogenannte Phytohormone, sowie Lignane, Lektine und Polysaccharide. Die Phytohormone können bei ersten Prostata-Beschwerden lindernd eingesetzt werden, da sie für eine bessere Durchblutung des unteren Beckenbodens sorgen. Sie ersetzen jedoch keine konventionelle medizinische Therapie.

Durch den reichhaltigen Mix gesunder Inhaltsstoffe wirkt die Brennnessel insgesamt antientzündlich. Seit Jahrhunderten wird sie daher gegen Rheuma oder Arthrose eingesetzt. Hat man sich im Mittelalter noch mit der sogenannten ‚Brennnesselpeitsche’, also den bloßen Blättern und Stängeln, den Rücken und die Gelenke abgerieben, so werden heute die extrahierten Inhaltsstoffe der Brennnessel als Tee, Auszug, in Tablettenform oder als Extrakt aufbereitet angeboten.

Was sollte man über die Brennnessel wissen?

Wenn Sie unter Wasseransammlungen im Gewebe leiden, eine eingeschränkte Herzfunktion haben oder eine Nierenerkrankung vorliegt, sollten Sie von einer Verwendung der harntreibenden Brennnessel Abstand nehmen.

Wer Brennnessel frisch pflücken möchte, um sie als Tee oder Auszug zuzubereiten, der sollte sich mit Handschuhen schützen. Die Blätter verlieren ihre brennende Eigenschaft, wenn sie kräftig mit einem Nudelholz durchgewalkt oder in kaltem Wasser gut eingeweicht werden.

Küchentipp: Die Brennnessel ist äußerst reich an pflanzlichem Eiweiß. Sie wird zunehmend als Gemüse neu entdeckt und steht dem Spinat geschmacklich in nichts nach.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und ersetzt daher keine Beratung durch einen Arzt oder Apotheker. Heilpflanzen können in falscher Anwendung oder Dosierung schwerwiegende Nebenwirkungen zur Folge haben. Lassen Sie sich deshalb in der Apotheke oder vom Arzt beraten.

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