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Gesundheitslexikon: Borderline Syndrom (Borderline Persönlichkeitsstörung)

Borderline: Der Konflikt mit sich und der Welt

Unsicherheit in der Interaktion mit anderen Menschen, Verlustängste, eine verzerrte Realitäts- und Selbstwahrnehmung sowie starke Stimmungsschwankungen bis hin zu selbstverletzendem Verhalten sind grundlegende Merkmale des so genannten Borderline Syndroms. Der Name der als Persönlichkeitsstörung klassifizierten Krankheit basiert auf der Tatsache, dass sie hinsichtlich der Symptome sowohl neurotische als auch psychotische Merkmale aufweist. Als neurotisch sind Symptome einzustufen, die der Betroffene bewusst als Teil seiner Krankheit wahrnimmt und über die er rational reflektieren kann. Bei psychotischen Symptomen, die bei Borderline vor allem paranoide oder schizophrene Anklänge haben, ist dies hingegen nicht der Fall.

Ursachen

Sowohl genetische Faktoren als auch die Sozialisation eines Menschen entscheiden darüber, ob eine Borderline-Persönlichkeitsstörung ausbricht oder nicht. Verschiedene Studien legen nahe, dass die Krankheit erblich ist – noch unklar ist allerdings, welche Gene konkret verantwortlich sind. Einfacher zu definieren sind Umwelteinflüsse, die den Ausbruch begünstigen können. Hierzu zählen vor allem familiäre Konflikte und emotionale Kälte gegenüber dem Kind. Auch Gewalt- und Missbrauchserfahrungen spielen häufig eine Rolle beim Entstehen der Krankheit.

Symptome

Im zwischenmenschlichen Bereich äußert sich Borderline vor allem dadurch, dass Beziehungen zu anderen falsch eingeschätzt und ihre Intensität dementsprechend abwechselnd über- oder unterbewertet werden. Erkrankte fühlen sich oftmals zu Unrecht zurückgewiesen und es fällt ihnen nach einem – oft aus Missverständnissen resultierenden – Konflikt schwer, wieder normalen Kontakt zur jeweiligen Person herzustellen. Stimmungsschwankungen, emotionale Überempfindlichkeit und verärgerte Reaktionen auf vermeintliche Angriffe erschweren die Kommunikation mit Borderline-Patienten zusätzlich.

Ebenfalls charakteristisch für Borderliner ist selbstschädigendes Verhalten. Dies kann in Form von Autoaggression zutage treten, wobei sich die Betroffenen selbst Verletzungen oder Schmerz zufügen. Neben dieser bekanntesten Form der Selbstschädigung gibt es jedoch noch weitere, wie beispielsweise eine erhöhte Risikobereitschaft, also in dem Wissen zu handeln, sich unter Umständen selbst zu schaden. Hierzu zählen etwa eine riskante Fahrweise, das Ausüben von Extremsportarten ohne ausreichende Absicherung oder ein wahl- oder schutzloses Sexualverhalten. Auch Drogen-, Alkohol- und Medikamentenmissbrauch gehören zum Spektrum selbstschädigenden Verhaltens. Besonders bei Frauen kommen oft Essstörungen wie Magersucht oder Bulimie hinzu. Neben den bereits angesprochenen psychotischen Symptomen, die für gewöhnlich nur bei sehr schweren Formen des Borderline-Syndroms auftreten, kann laut einiger Studien auch ein erhöhtes Selbstmordrisiko zum Krankheitsbild gehören.

Diagnose

Die Diagnostik von Borderline erfolgt zumeist anhand einer Kriterienliste, die der deutschsprachigen Ausgabe des 'Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders' (kurz: DSM-IV) entnommen wurde. Treffen von den dort aufgeführten neun Kriterien fünf zu, so liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Borderline-Persönlichkeitsstörung vor. Die Krankheit weist oftmals auch Begleiterkrankungen auf, die unabhängig vom DSM-IV diagnostiziert werden. Hierzu zählen unter anderem Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen sowie das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADHS).

Behandlung

Behandelt wird die Borderline-Persönlichkeitsstörung meist mit einer Psychotherapie. Hier existieren unterschiedliche Ansätze, die teilweise speziell für die Borderline-Erkrankung entwickelt wurden. Besonders hervorzuheben ist die in den 80er-Jahren von Marsha M. Linehan entwickelte Dialektisch Behaviorale Therapie (DBT), die sich bei Borderline als besonders effektiv erwiesen hat. Kognitive Verhaltenstherapie wird hierbei unter anderem mit fernöstlichen Entspannungstechniken kombiniert. Auch Traumatherapien kommen seit einigen Jahren immer häufiger zum Einsatz, um möglicherweise krankheitsauslösende Erlebnisse aufzuarbeiten.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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