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Gesundheitslexikon: Blausäure (Cyanwasserstoff)

Blausäure: in hohen Dosen tödlich!

Blausäure ist die wässrige Lösung des Cyanwasserstoffs. In gebundener Form kommt die chemische Verbindung in vielen Lebensmitteln vor. So steckt die Säure beispielsweise als cyanogenes Glykosid in Kirschen, Aprikosen oder Mandeln.

Die Wirkung von Blausäure auf den menschlichen Körper

Im Körper wirkt das Cyanid-Ion der Blausäure toxisch. Es gelangt entweder über die Lunge oder oral in den Körper. Im Magen wird die aufgenommene Blausäure durch die Magensäure in HCN transformiert. Dieser Stoff gelangt über den Blutweg zu den Körperzellen und zu den Mitochondrien. Mitochondrien sind kleine Zellorganellen innerhalb der Zellen, die für die Energiegewinnung zuständig sind. Sie werden deshalb auch als ‚Kraftwerke‘ der Zelle bezeichnet. Innerhalb der Mitochondrien hemmt Blausäure die Atmungskette. Die Körperzellen können somit keinen Sauerstoff mehr verarbeiten und ersticken innerlich.

Vergiftungen mit Cyanwasserstoff

Blausäure hat einen sehr niedrigen Siedepunkt und ist leicht flüchtig. Nur ein Teil der Menschen kann den typischen Geruch nach Bittermandeln wahrnehmen. Aufgrund genetischer Veranlagung können 30 bis 40 Prozent der Menschen den Bittermandelgeruch nicht erkennen, sodass eine Vergiftung auch unbemerkt durch Inhalation erfolgen kann. Inhalative Cyanidvergiftungen treten vor allem im gewerblichen Bereich oder bei Bränden auf. Bei Inhalation einer hohen Dosis der gasförmigen Blausäure oder bei einer oralen Vergiftung mit Cyanwasserstoff werden die betroffenen Menschen sofort bewusstlos. Innerhalb von zwei bis drei Atemzügen tritt der Tod ein. Die Moleküle der Blausäure werden extrem schnell über die Lunge und die Schleimhäute aufgenommen. Deshalb ist die Blausäure ein Mittel, das immer wieder auch zum Suizid genutzt wird.

Charakteristische Anzeichen für eine Vergiftung mit Blausäure sind Atemnot und ein Bittermandelgeruch der Ausatemluft. Die Betroffenen leiden zudem unter Schwindel, Erbrechen, Ohnmacht und Kopfschmerzen. Charakteristisch für eine Cyanidvergiftung ist die rosige Hautfarbe, die die Betroffenen trotz der Atemnot haben. Aufgrund der Vergiftung können die Körperzellen den Sauerstoff nicht mehr verwerten, sodass dieser ungenutzt in das venöse Blut übergeht. Dadurch kommt es zu einer hellroten Färbung der Haut. Auch die Leichenflecke, die nach dem Tod auftreten, sind leuchtend rot. Jedoch kann die hellrote Färbung bei einer schweren Vergiftung auch ausbleiben.

Die Therapie von Blausäurevergiftungen

Kleine Mengen Blausäure kann der Körper selbst entgiften. Er bindet dafür das Cyanid in der Leber an Schwefel. Dadurch entsteht Rhodanid, welches anschließend ausgeschieden wird. Die körpereigene Entgiftung kann durch die Zufuhr von Schwefel beschleunigt werden. Bei akuten Vergiftungen reicht dieser Entgiftungsmechanismus jedoch nicht aus. Es wird zusätzlich 4-DMAP verabreicht. 4-DMAP (4-Dimethylaminophenol) ist ein Antidot der Blausäure. Mithilfe dieser Substanz kann der Körper Methämoglobin bilden. Dieser Stoff weist eine starke Bindungsaffinität zu den Cyanid-Ionen auf, sodass sich immer mehr Blausäuremoleküle an das Methämoglobin und nicht an die Mitochondrien binden. Dadurch wird die Blockade der Atmungskette innerhalb der Mitochondrien aufgelöst. Alternativ kann auch Hydroxycobalamin eingesetzt werden. Das Medikament wird vor allem nach Bränden mit Brandgasinhalation genutzt, da es im Gegensatz zu 4-DMAP auch verwendet werden kann, wenn neben der Blausäurevergiftung zusätzlich eine Kohlenmonoxidvergiftung vorliegt.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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