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Gesundheitslexikon: Bisexualität

Bisexualität – die Liebe zu Männern und Frauen

Neben hetero- und homosexuellen Menschen gibt es auch solche, für die sexuelle oder auch partnerschaftliche Beziehungen zu beiden Geschlechtern gleichermaßen denkbar sind. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung ist unklar, da sie sich ihrer Neigung häufig nicht bewusst sind oder sie aufgrund gesellschaftlicher Konventionen verdrängen. Fest steht: Bisexualität ist bereits seit Jahrtausenden ein Thema in nahezu allen Kulturen.

Was ist Bisexualität?

Bisexualität, veraltet auch ‚Ambisexualität‘ genannt, bedeutet nach dem heutigen Verständnis, dass ein Mensch sich zu anderen Menschen beiderlei Geschlechts hingezogen fühlt und sich mit ihnen sexuellen Kontakt oder eine Partnerschaft wünscht. Die reale Umsetzung dieser Wünsche ist zur Anwendung des Begriffs nicht erforderlich. Die Vorsilbe ‚Bi‘ bedeutet im Lateinischen ‚zwei‘ und weist auf die ursprüngliche Wortbedeutung hin. Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts wurde mit dem Begriff Bisexualitä‘ nämlich das beschrieben, was heute als ‚Intersexualität‘ oder ‚Hermaphroditismus‘ bezeichnet wird: die anatomisch oder genetisch nicht eindeutige Geschlechtszugehörigkeit.

Statistische Häufigkeit

Im Rahmen von Studien sind Wissenschaftler während der letzten Jahrzehnte bezüglich der Häufigkeit und Verbreitung von Bisexualität zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen gelangt. Laut des 1948 veröffentlichten ‚Kinsey-Reports‘ ergab sich zur Zeit der Durchführung eine Bisexualität von nahezu 50 Prozent der US-amerikanischen Bevölkerung. Andere, aktuellere Studien kommen zumeist auf geringere prozentuale Anteile; das wohl stärkste Gegenbeispiel zum ‚Kinsey-Report‘ bildet dabei eine Veröffentlichung von 2005, laut derer nur etwa zwei Prozent der Befragten tatsächlich als bisexuell einzustufen ist. Auffällig ist, dass der Frauenanteil der Bisexuellen laut vieler Statistiken stark überwiegt: Nach einer 2015 veröffentlichten Studie der Universität Essex sollen bis zu 82 Prozent der Frauen entsprechende Neigungen haben.

Gesellschaftliche Akzeptanz

Während es wenig überraschend ist, dass Bisexualität in vielen muslimisch geprägten Ländern unter Strafe steht und gesellschaftlich abgelehnt wird, könnte man annehmen, dass die Akzeptanz in westlichen Ländern relativ hoch ist. Laut zahlreicher, sich im Internet äußernder bisexuell orientierter Menschen und entsprechenden Organisationen ist dies jedoch nicht der Fall. Während monogame homosexuelle Beziehungen mittlerweile sogar im Rahmen einer gleichgeschlechtlichen Ehe besiegelt werden können, beinhalten konsequent gelebte bisexuelle Beziehungen unter Umständen eine polygame Lebensweise. Da das Konzept der Polygamie jedoch bei den meisten Menschen noch immer auf Unverständnis oder gar Ablehnung stößt, fällt das Coming-out umso schwerer. Innerhalb monogamer Beziehungen bisexueller Menschen wiederum kommt es häufig zu Eifersucht, da der jeweilige Partner nicht nur Angehörige des eigenen, sondern auch des entgegengesetzten Geschlechts als Konkurrenz wahrnimmt.

Bi-Bewegung in Deutschland

Seit den späten 60er-Jahre existiert in Deutschland eine ‚Bi-Bewegung‘, die es sich zum Ziel gemacht hat, bisexuelle Menschen bei ihrer Identitätsfindung und ihrem Coming-Out zu unterstützen und zugleich dazu beitragen, die gesellschaftliche Akzeptanz der Bisexualität zu erhöhen. Als größte bundesweit operierende Organisation ist in diesem Zusammenhang ‚BiNe – Bisexuelles Netzwerk e. V.‘ zu nennen. Der Verein mit Sitz in Frankfurt bietet unter anderem telefonische Beratung für Betroffene, organisiert überregionale Treffen und publiziert ‚BiJou‘, ein Journal für bisexuelle Menschen. Auf internationaler Ebene wird mit der ‚International Lesbian, Gay, Bisexual, Trans and Intersex Association‘ (ILGA) zusammengearbeitet.

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