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Gesundheitslexikon: Biorhythmus

Der Biorhythmus als Steuerelement des Körpers

Der Biorhythmus ist ein Begriff aus der Chronobiologie, der mit der zirkadianen Uhr in Zusammenhang steht. Mit dem Ausdruck ist jeder sich wiederholende Bio-Zyklus gemeint, der sich auf unseren körperlichen und seelischen Zustand auswirkt. Zum Biorhythmus gehören vor allem der Schlaf, die Erschöpfung, die Verdauung und die Fortpflanzung.

Die zirkadiane Uhr als Taktgeber des Biorhythmus

Unsere zirkadiane Uhr ist eine innere, biologische Uhr. Sie meldet dem Körper, wann es Zeit zur Entspannung ist und wann die Zeit für Aktivphasen günstig steht. Die innere Uhr hat einen Einfluss auf das Herz-Kreislauf-System, auf das Hormonsystem und unsere Körpertemperatur. Sie ermöglicht uns, periodisch wiederkehrende Aktionen wie Schlafen, Nahrungsaufnahme oder Fortpflanzung in der Zeit auszurichten, ohne diese Zeit überhaupt zu kennen. Das Herzstück des Biorhythmus sitzt in einem reiskorngroßen Nervenkern innerhalb des Gehirns, der nahe des Nasenrückens über der Sehbahnkreuzung liegt und als suprachiasmatischer Nucleus bezeichnet wird. Gesteuert wird er nicht nur von der Hirnfunktion, sondern auch von Hormonen. Neben Lichtunterschieden auf den Sinneszellen der Netzhaut spielen also auch hormonelle Einflüsse für die Tätigkeit der zirkadianen Uhr eine Rolle. Die innere Uhr ermöglicht uns in weitestgehender Unabhängigkeit von äußeren Einflussfaktoren die Orientierung an der Zeit und lässt uns in einem relativ regelmäßigen Abstand schlafen oder essen. Aufgrund der wechselnden Jahreszeiten und Tageslängen muss sich die innere Uhr mithilfe der Lichteindrücke auf der Netzhaut ständig resynchronisieren, um nicht aus dem Gleichgewicht zu geraten.

Störungen der zirkadianen Uhr

Heutzutage ist die Resynchronisierung unserer zirkadianen Uhr eine Herausforderung. Der moderne Mensch arbeitet zum Beispiel in Schichtarbeit, schlägt sich die Nächte bei Discoabenden um die Ohren und fliegt auf Langstreckenflügen durch mehrere Zeitzonen. Außerdem sind wir auch in der Nacht künstlichen Lichtreizen ausgesetzt. Kurz gesagt entsprechen die Rhythmen unseres modernen Lebens nicht mehr den ursprünglichen Licht- und Dunkelzeiten. Damit kann unser moderner Lebensrhythmus die innere Uhr – und in einer Konsequenz dazu auch unseren Biorhythmus – aus dem Gleichgewicht bringen. Auf Dauer können sich aus diesem Phänomen körperliche und seelische Beschwerden entwickeln. Wer den eigenen Tagesrhythmus dauerhaft ignoriert, kann an Schlafstörungen, einem Abfall der Leistungen und seelischen Symptomen bis hin zur Depression erkranken. Um sich überhaupt passend zu seinem eigenen Biorhythmus auszurichten, bedarf es zunächst einer Analyse der eigenen Person. Menschen besitzen verschiedene Zeittypen, die sogenannten Chronotypen.

Welche Chronotypen gibt es?

Jeder von uns entspricht je einem von zwei verschiedenen Chronotypen. Personen des ersten Chronotypen sind sogenannte Lerchen. Sie zählen aufgrund ihres persönlichen Biorhythmus zu den Frühaufstehern und sind am Morgen am leistungsfähigsten. Die Eulen sind dagegen echte Morgenmuffel. Ihr Leistungshoch liegt nicht am frühen Morgen. Sie besitzen unterschiedliche Schlafzeiten und Wachzeiten. In Sachen Schlafdauer unterscheiden sie sich voneinander. Eulen sind in der Schulzeit und in ihrer späteren Arbeitszeit nichtsdestotrotz dazu gezwungen, ihr Leben nach mehr oder weniger starren Zeitvorgaben auszurichten. Damit leben sie allerdings gegen ihren Individualrhythmus. Wird lediglich für eine begrenzte Zeitspanne gegen den eigenen Rhythmus verstoßen, kann der Körper diesen Verstoß kompensieren. Länger anhaltende Verstöße bringen den Biorhythmus mit allen zugehörigen Funktionen durcheinander und können so neben den oben genannten Erkrankungen auch Blutdruckerkrankungen, hormonelles Ungleichgewicht oder ähnliche Zustände begünstigen.

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