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Gesundheitslexikon: Binge Eating

Binge Eating - das müssen Sie über die unkontrollierbaren Essanfälle wissen

Binge Eating bezeichnet den Verzehr von unverhältnismäßig großen Mengen an Essen. Patienten die an der sogenannten Binge-Eating-Störung (BES) leiden, haben eine psychisch bedingte Essstörung, die sie unabhängig von ihrem Hungergefühl Heißhungerattacken und Essanfälle erleiden lässt. Der englische Begriff ‚binge‘ bedeutet wörtlich übersetzt so viel wie ‚schlingen‘. Bis zu fünf Prozent der Allgemeinbevölkerung sind von Binge Eating betroffen. Dabei handelt es sich vorwiegend um Menschen zwischen dem 20. und 35. Lebensjahr. Frauen sind rund 1,5-mal häufiger von der psychischen Essstörung betroffen als Männer.

Ursachen

Rund 30 Prozent aller Gewichtsreduktionsprogrammteilnehmer leiden an BES. Die sogenannte ‚Diet-first-Gruppe‘ der Binge Eater führt meist vor der ersten Fressattacke eine Diät durch. Gerade für diese Betroffenen wird als Ursache das Zusammenspiel biologischer, persönlichkeitsabhängiger und soziokultureller Einflüsse vermutet. Es scheint einen Zusammenhang zwischen depressiven Verstimmungen, psychosozialen Belastungen und der Häufigkeit der Essanfälle zu geben. Adipositas und psychische Störungen begünstigen Binge Eating scheinbar ebenso wie eine negative Einstellung gegenüber dem Essen oder der eigenen Figur.

Symptome

Binge Eating manifestiert sich in unkontrollierbaren Essanfällen und einem gestörten Essverhalten zwischen den Anfällen. Die Patienten wechseln zwischen der absoluten Kontrolle über ihre Kalorieneinnahme und gänzlich unkontrollierbarem Essverhalten. Die Ernährung ist unregelmäßig. Zudem liegen Wahrnehmungsstörungen bezüglich des eigenen Hunger- und Sättigungsgefühls vor. Verbunden sind diese Symptome mit einem negativen Körperkonzept. Nicht jeder Binge Eater hat zwingend Übergewicht. Binge Eating betrifft zwar häufiger Menschen mit Adipositas, kann aber ebenso gut bei Personen mit durchschnittlicher oder sogar schlanker Figur auftreten.

Diagnose

Die Binge-Eating-Störung wird nach offiziellen Diagnosekriterien festgestellt. Zu diesen Kriterien zählt vor allem das wiederholte Auftreten von Essanfällen mit Kontrollverlust. Die Essanfälle sind mit mindestens drei weiteren Symptomen verbunden, so beispielsweise mit wesentlich beschleunigtem Essverhalten, einem unangenehmen Völlegefühl, Essattacken trotz Sättigung, Essen aus Verlegenheit oder Ekelgefühlen gegenüber der eigenen Person, Deprimiertheit oder Schuldgefühlen. BES ist in der engeren Definition durch Essanfälle an mindestens zwei Tagen die Woche gekennzeichnet und hält für mindestens ein halbes Jahr an. Die Anfälle sind keine Kompensationsmaßnahmen zu Fasten, Medikamenten oder exzessivem Sport. Abzugrenzen ist Binge Eating von Anorexia nervosa und Bulimia nervosa.

Behandlung

Im Fokus der Therapie steht eine Normalisierung des Essverhaltens. Meist wird diese Normalisierung durch die Behandlung des seelisch ursächlichen Konfliktes erreicht, beispielsweise durch Förderung des Selbstwertgefühls. Statt der Gewichtsreduktion steht die Rückgewinnung der Verhaltenskontrolle im Vordergrund. Neben einer Verhaltenstherapie finden eine interpersonale Therapie und eine modifizierte Form der dialektisch-behavioralen Therapie statt. Zusätzlich kommt eine medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva in Frage. Zur Gewichtsreduktion können Medikamente wie Orlistat, Sibutramin oder Topiramat zum Einsatz kommen. Wegen der hohen Nebenwirkungen werden teils auch Placebos gegeben.

Vorbeugung

Vorbeugend können bei psychisch verursachten Erkrankungen wie dieser vor allem die Förderung eines gesunden Selbstwertgefühls und ein stabiles soziales Umfeld wirken.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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