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Gesundheitslexikon: Autismus

Was ist Autismus?

Der 1911 durch den Psychiater Bleulen geprägte Begriff 'Autismus' bezeichnet eine tiefgreifende Entwicklungsstörung, die sich auf die Wahrnehmung der Umwelt sowie auf die Fähigkeit auswirkt, bestimmte Informationen zu verarbeiten. Nach außen hin offenbart sie sich vor allem durch Schwierigkeiten in den Bereichen der Kommunikation und Interaktion mit anderen Menschen sowie durch stereotype, zuweilen auch autoaggressive Verhaltensweisen. Häufig manifestiert sich Autismus bereits im Kindesalter; dabei können die auftretenden Symptome ebenso variieren wie die Stärke ihrer Ausprägung. Im 'Diagnosekatalog ICD-10' finden sich vier Diagnosen, die dem Spektrum autistischer Erkrankungen zuzuordnen sind: 'Frühkindlicher Autismus' (F84.0), 'Atypischer Autismus' (F84.1), 'Asperger-Syndrom' (F84.5) sowie die 'Nicht näher bezeichnete tiefgreifende Entwicklungsstörung' (F84.9).

Ursachen

Es gibt mehrere Ansätze anhand derer versucht wird, mögliche Ursachen für Autismus zu erklären und erforschen. Für die heutige Forschung besonders relevant sind unter anderem Überlegungen zu möglicherweise beteiligten Genen und Genorten, zu einem hohen Testosteronspiegel im Mutterleib sowie zu einer 'atypischen Konnektivität' im Gehirn, also zu Hirnstrukturen, die sich von denen gesunder Menschen unterscheiden. Als Risikofaktoren gelten zudem Infektionskrankheiten während der Schwangerschaft sowie das Alter beider Elternteile.

Symptome

Deutlich zutage tritt eine Autismus-Erkrankung häufig bei der verbalen und nonverbalen Kommunikation mit anderen Menschen. Aufgrund der von der Norm abweichenden Wahrnehmung fällt es Autisten oft schwer, den Einsatz von Blickkontakt, Mimik und Gestik richtig zu deuten und in angemessener Weise darauf zu reagieren. Häufig wird das Sprechen erst spät erlernt und die Fähigkeit, ein Gespräch zu beginnen und aufrechtzuerhalten, kann stark eingeschränkt sein. Aus diesen Faktoren ergeben sich erhebliche Schwierigkeiten bei der sozialen Interaktion. Weitere Symptome sind repetitive, stereotype und oft zwanghaft anmutende Verhaltensweisen wie rhythmisches Vor- und Zurückbewegen des Oberkörpers, Im-Kreis-Laufen und autoaggressive Handlungen. Veränderungen des Umfelds, wie beispielsweise das Umstellen von Möbeln, sowie auch Änderungen im Tagesablauf können bei Autisten zu starker Verunsicherung führen.

Diagnose

Je nach Zuordnung zu einem der vier genannten Diagnoseschlüssel unterscheidet sich die Diagnostik. Im Falle des 'Frühkindlichen Autismus' kommen Kriterien aus der deutschsprachigen Ausgabe des 'Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders' – dem DSM-IV – zur Anwendung. Sechs von zwölf Kriterien aus den Teilbereichen 'Soziale Interaktion', 'Kommunikation' und 'Beschränkte repetitive und stereotype Verhaltens-, Interessens- und Aktivitätsmuster' müssen erfüllt sein. Bereits vor Beginn des dritten Lebensjahrs müssen zudem Entwicklungsverzögerungen oder abnorme Funktionsweisen in einem von drei vordefinierten Bereichen beobachtbar gewesen sein. Bei der Diagnostik von 'Atypischem Autismus' sowie dem als schwache Form des Autismus geltenden 'Asperger-Syndrom' ist zu beachten, dass die für den 'Frühkindlichen Autismus' typischen Symptome teils mit anderen Schwerpunkten und teils auch gar nicht auftreten. Zudem lässt sich der 'Atypische Autismus' oft erst nach dem dritten und das 'Asperger-Syndrom' erst ab dem vierten Lebensjahr diagnostizieren.

Behandlung

Behandeln lassen sich beim Autismus lediglich einzelne Symptome, nicht jedoch die noch nicht hinreichend erforschten Ursachen. Verhaltenstherapie für Autismus-Patienten sowie Elterntherapie haben sich als wirkungsvoll erwiesen. Zusätzlich ist eine medikamentöse Behandlung von Symptomen und Begleiterkrankungen möglich. Speziell auf die Bedürfnisse von Autisten abgestimmtes Yoga kann sich dank seiner gleichmäßigen, beruhigenden Bewegungsabläufe ebenso positiv auf das Krankheitsbild auswirken. Selbiges gilt unter anderem auch für Kunst- und Musiktherapie, Massagen sowie tiergestützte Therapieformen. Ein reizarmes Umfeld mit ausreichend Rückzugsmöglichkeiten sowie ein geregelter Tagesablauf sind generell sehr wichtig für Autisten.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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