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Gesundheitslexikon: Atropin

Atropin – auf die richtige Dosierung kommt es an

Seinen Namen hat Atropin von der griechischen Schicksalsgöttin Atropos bekommen, was vielleicht mit seiner potenziell tödlichen Wirkung bei hoher Dosierung zusammenhängt. Es ist eine organische Stickstoffverbindung, die aus Nachtschattengewächsen wie der Tollkirsche, der Engelstrompete, dem Bilsenkraut und dem Stechapfel gewonnen werden kann. Zur medizinischen Verwendung wird der Wirkstoff heute synthetisch hergestellt. Atropin ist ein sogenanntes Parasympatholytikum. Es setzt die Wirkung des Parasympathikus herab, der zusammen mit seinem Gegenspieler, dem Sympathikus, das autonome oder vegetative Nervensystem bildet. Der Hauptnerv des parasympathischen Systems ist der Nervus Vagus. Er steuert vegetative Funktionen wie Schweißbildung und Speichelfluss, wirkt beruhigend auf die Herz- und Atemtätigkeit, kann die Gefäße weit stellen und regt die Muskulatur der Verdauungsorgane an.

Wirkung

Atropin ähnelt in seiner Struktur dem Acetylcholin, das als wichtigster Überträgerstoff der Nervenendigungen des Parasympathikus fungiert, besitzt aber nicht seine physiologische Wirkung. Dieser Transmitter wird bei Reizen, die an den parasympathischen Synapsen im Bereich der Erfolgsorgane ankommen, in den postsynaptischen Spalt ausgeschüttet, dockt an der nachfolgenden Membran an und bewirkt eine Reaktion. Atropin kann die Andockstellen besetzen und blockieren. Die Wirkung des Acetylcholin kann damit deutlich herabgesetzt beziehungsweise die des Sympathikus gefördert werden. Die Intensität der Funktionsminderung ist abhängig von der Höhe der Dosierung. Im vegetativen Bereich wird die Sekretion von Schweiß und Schleim reduziert, was bis zur Austrocknung der Schleimhäute führen kann. Die Herzfrequenz beschleunigt sich und die Atmung wird durch die Weitstellung der Bronchien erleichtert. Die Tätigkeit im Magen-Darm-Trakt und anderen Hohlorganen wie der Blase wird gehemmt, weil die glatte Muskulatur in den Wänden erschlafft. Die Wirkung, die am eindrucksvollsten sichtbar wird, ist die Erweiterung der Pupillen. Die Effekte von Atropin sind schon bei geringer Dosierung sehr deutlich. Bei einer Überdosierung können neben lokalen Hauterscheinungen schwerwiegende Folgen wie Herzrasen, Verwirrtheit und Halluzinationen auftreten. Im Extremfall kann es zur Bewusstlosigkeit und zum Atemstillstand mit Todesfolge kommen.

Anwendungsgebiete

Atropin ist in allen Darreichungsformen verschreibungspflichtig. Die Einnahme sollte nur nach eingehender Beratung durch den Arzt erfolgen. Es kann bei vielen Erkrankungen und Problemen, die durch eine gesteigerte Aktivität des Parasympathikus hervorgerufen werden, eingesetzt werden. Das sind zum Beispiel Herzprobleme durch einen verlangsamten Herzschlag (Bradykardie) und Herzrhythmusstörungen. Auch Verdauungsschwierigkeiten wie Blähungen, Koliken, Verstopfung und Krämpfe gehören dazu, genauso wie eine erschwerte Blasenentleerung. In der Augenheilkunde wird Atropin bei Untersuchungen eingesetzt, um die Pupillen zu weiten und ruhigzustellen. Es kann auch als Gegengift bei Vergiftungen mit bestimmten Pflanzenschutzmitteln und Nervenkampfstoffen verwendet werden.

Das müssen Sie beachten

Die Wirkung von Atropin ist schon in geringen Dosen sehr erheblich, besonders auf das Herz-Kreislauf-System. Deshalb ist eine sorgfältige und fachmännisch überwachte Einnahme sehr wichtig. Eine Überdosierung führt sehr schnell zu einem Kontrollverlust, der den betroffenen Menschen keine Möglichkeit mehr einräumt, entsprechende Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Die letale Dosis liegt oral bei Erwachsenen bei 453 Milligramm und kann bei Kindern deutlich geringer sein. Tödliche Atemlähmungen können aber schon bei 100 Milligramm auftreten.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und Hinweise über Arzneimittel, hat jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ersetzt daher nicht die Beratung durch einen Arzt oder Apotheker. Da die Medizin sich ständig weiterentwickelt, sollten Sie immer die aktuelle Gebrauchsinformation zu Ihrem Arzneimittel sorgfältig durchlesen und Ihren Arzt oder Apotheker zurate ziehen.

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