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Gesundheitslexikon: Atrophie

Atrophie – wenn Muskeln, Zellen oder Organe schwinden

Sportler kennen das Phänomen: Trainieren sie längere Zeit nicht, bilden sich die Muskeln zurück. Zwar ähnlich, jedoch wesentlich dramatischer verläuft die Atrophie, die zu einem teilweise irreparablen Schwund von Muskeln, Zellen oder Organen führt. Die betroffenen Stellen am Körper schrumpfen und werden kleiner – diese häufig auf einer Ernährungsstörung basierende Krankheit kann den ganzen Körper betreffen.

Bei einer Atrophie handelt es sich also um eine Verkleinerung von Gewebe oder Organen. Die betroffenen Zellen verlieren sowohl an Volumen als auch Masse, was auf eine reduzierte Zellfunktion zurückzuführen ist. Hierdurch kommt es zu einer partiellen oder auch vollständigen Dezimierung des Gewebes oder Organs. Diese Entwicklung kann sowohl physiologische als auch pathologische Ursachen haben. Es werden insgesamt zwei Formen einer Atrophie unterschieden: die einfache und die numerische Atrophie. Erstgenannte findet in stabilen Geweben wie beispielsweise Muskeln statt. Die numerische Form hingegen betrifft das Weichteilgewebe.

An welchen Stellen kann die Atrophie vorkommen?

Sowohl die einfache als auch die numerische Atrophie können auf unterschiedliche Mechanismen zurückgeführt werden. Entsteht die einfache Atrophie aufgrund einer Reduktion der Zellgröße, liegt einer numerischen Atrophie, die auch als Hypoplasie bezeichnet wird, eine Reduktion der Zellzahl zugrunde. Anders als die numerische ist die einfache Atrophie meistens reversibel, weil die Rückbildung in der Regel begrenzt ist.


Unterteilt man die Erkrankung in die betroffenen Organe beziehungsweise Gewebe, lassen sich Muskelatrophie, Knochenatrophie, Vaginalatrophie, Fettgewebsatrophie, Hirnatrophie und Druckatrophie unterscheiden. Während eine Muskelatrophie durch Inaktivität und langes Liegen verursacht wird, führt man eine Knochenatrophie auf den Verlust des Knochengewebes wie bei einer Osteoporose zurück. Bei einer Vaginalatrophie handelt es sich um eine Scheidenfunktionsstörung, die häufig nach den Wechseljahren auftritt. Bei einer Fettgewebsatrophie werden zwei Erscheinungsformen unterschieden, wobei es bei der einen zu einem Gewebeschwund an den Extremitäten und im Gesicht (Lipatrophie), bei der anderen zu einer Veränderung der Fettdepots in bestimmten Körperbereichen wie Brust, Bauch sowie Nacken (Liphypertrophie) kommt. Die Hirnatrophie wird auf neurodegenerative Erkrankungen wie beispielsweise Demenz zurückgeführt. Eine Druckatrophie kann u. a. aufgrund eines Tumors entstehen.

Gründe für eine Atrophie

Der allgemeine Grund für eine Atrophie ist ein Ungleichgewicht zwischen sowohl aufbauenden als auch abbauenden Stoffwechselvorgängen, die sogenannte Anabiose und Katabiose. Eine Atrophie tritt u. a. im Zusammenhang mit unterschiedlichen Krankheitsbildern (pathologisch) oder aus physiologischen Gründen auf. Bei der physiologischen Form, die auch als Involution bezeichnet wird, werden die Zellen respektive das Gewebe nicht mehr benötigt. Andererseits kann die Krankheitsentstehung embryonal oder postnatal bedingt sein. Eine besondere Form stellt die senile Atrophie dar. Bei der pathologischen Atrophie kommt es zur Rückbildung des Gewebes aufgrund einer krankhaften Störung. Sie kann entweder lokal auftreten oder auch das ganze System betreffen (generalisiert).

Die Ursachen für die Entstehung der Rückbildung sind vielfältiger Natur. Am häufigsten tritt sie allerdings aufgrund falscher oder Mangelernährung auf. Zu den weiteren Ursachen einer Atrophie zählen Durchblutungsstörungen, Minderversorgung der Nerven, reduzierte hormonelle Stimulation, genetische Defekte, Mutationen sowie ein unverhältnismäßig hohes Absterben der Zellen. Ebenfalls kommt es zu einer Verkümmerung des Gewebes, wenn es funktionell nicht ausreichend beansprucht wird.

Therapie

Es ist nicht möglich, jede Form von Atrophie zu therapieren. Einige Krankheitsfälle können lediglich verlangsamt werden (z. B. bei einer Hirnatrophie). Eine Behandlung zielt im Wesentlichen darauf ab, den Gewebeabbau zu reduzieren und den Stoffwechsel zu stimulieren. Mit physiotherapeutischen Maßnahmen werden sowohl Muskel- als auch Knochenverlust vermindert. Neben der fast immer erforderlichen Ernährungsumstellung wirken sich zudem Bewegungstherapien oder auch alternative Heilmethoden wie Aromatherapien, Kräuter- und Saftkuren oder Massagen positiv auf die Erkrankung aus. Medikamentös können abgesehen von Schmerzmitteln auch blutfördernde Arzneimittel verabreicht werden, sofern eine schlechte Durchblutung als Ursache für die Atrophie gilt.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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