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Gesundheitslexikon: Ataxie

Ursachen, Symptome und Behandlung der Ataxie

Bei einer Ataxie liegt eine Störung der Teile des Nervensystems vor, die für die Bewegungs- und Haltungssteuerung zuständig sind. Dies sind das Kleinhirn, Teile des Rückenmarks und die sensiblen Nervenbahnen des peripheren Nervensystems. Die Folgen können Beeinträchtigungen der Koordination, Feinabstimmung von Bewegungen, der Gleichgewichtsfähigkeit und der Haltungskontrolle sein.

Ursachen

Eine Ataxie kann durch angeborene oder erworbene Erkrankungen ausgelöst werden. Es gibt viele bisher bekannte Formen von sogenannten hereditären Ataxien. Sie sind genetisch bedingt und betreffen meistens das Kleinhirn und das Rückenmark und kommen selten vor. Die bekannteste ist die Friedreich Ataxie. Einen weiteren Ursachenkomplex stellen die entzündlichen Erkrankungen dar. Die häufigste Form ist die Multiple Sklerose, bei der es durch viele verstreute Entzündungsherde zu einem Abbau der Isolierschicht der Nerven kommt. Neben einer Ataxie können dadurch viele andere Symptome ausgelöst werden. Auch Vergiftungen können ataktische Symptome verursachen. Das kann übermäßiger Alkoholkonsum sein, der entweder vorübergehend oder dauerhaft das Kleinhirn schädigt oder Medikamentenmissbrauch.

Knochenmetastasen in den Wirbelkörper können das Rückenmark bedrängen und neben anderen Symptomen eine Ataxie auslösen. Das Kleinhirn kann wie andere Hirnregionen auch durch die Folgen einer Arteriosklerose beeinträchtigt werden. Durchblutungsstörungen, komplette Stenosen oder Einblutungen, die dadurch entstehen, können die Funktion stark beeinträchtigen und ataktische Störungen hervorrufen.

Symptome

Die verschiedenen Arten der Ataxie werden danach eingeteilt, welche motorischen Funktionsbereiche hauptsächlich betroffen sind. Eine Rumpfataxie ist gekennzeichnet durch die Unfähigkeit, den Rumpf zu stabilisieren und die für den Erhalt des Gleichgewichts notwendigen Ausgleichsbewegungen durchzuführen. In reiner Form ist sie im Sitzen zu beobachten. Sie ist aber auch Bestandteil der Standataxie, bei der die Stabilisationsschwäche der Beine hinzukommt. Beide Elemente führen zu einer erhöhten Fallneigung.

Die Gangataxie ist gekennzeichnet durch ein breitbeiniges, unsicheres Gangbild, wie es zum Beispiel bei einem Alkoholrausch auftritt. Eine Ataxie, bei der die Ausführung von zielgerichteten Bewegungen gestört ist, kann mehrere Merkmale aufweisen. Zu beobachten sind überschießende, unflüssige und verwackelte Bewegungen (Hypermetrie, Dysmetrie), die immer dann verstärkt auftreten, wenn das Erreichen eines Gegenstandes die Intention des Bewegungsvorgangs ist. Gleichzeitig ist das agonistisch-antagonistische Zusammenspiel der Muskeln gestört (Dysdiadochokinese). Ataktischen Störungen können sich auch auf das Sprachvermögen auswirken. Es entsteht eine abgehackte, verlangsamte und insgesamt verwaschene Sprache (Dysarthrie). Auch dieses Phänomen ist zumindest teilweise bei Betrunkenen wahrzunehmen.

Diagnose

In der neurologischen Untersuchung testet der Arzt zunächst die Koordination, den Gleichgewichtssinn, die Sprache und andere Fähigkeiten, die bei einer Ataxie gestört sein können.

Blut- und Liquoruntersuchungen können Ursachen zutage fördern, die mit der Entstehung der Erkrankung in Verbindung stehen, wie zum Beispiel Medikamentenrückstände oder Entzündungsparameter. Bildgebende Verfahren wie die Computertomografie und das MRT können die Diagnose erhärten. Mit ihrer Hilfe ist die Darstellung ursächlicher Faktoren und des Ausmaßes neurologischer Schäden möglich.

Behandlung

Es gibt keine einheitliche Behandlung für die Ataxie. Dafür sind die Ursachen zu unterschiedlich. Der Verzicht auf verursachende Reize ist ein konkreter Schritt, der die Symptome bessern oder sogar rückgängig machen kann. Bei den meisten Ataxieformen ist eine langfristige Physiotherapie angesagt mit speziellen Maßnahmen zur Förderung der Koordination und des Gleichgewichtes, um den Krankheitsverlauf zu verlangsamen. Die medikamentöse Versorgung muss vom behandelnden Neurologen vorsichtig eingeleitet, beobachtet und eventuell modifiziert werden, da bisher bei vielen Ataxien keine Standards bestehen.

Vorbeugung

Eine Vorbeugung ist bei den Ataxien möglich, die durch Missbrauch von Medikamenten oder Alkohol verursacht werden, indem diese vermieden werden. Auch die Ausschaltung von Risikofaktoren der Arteriosklerose kann helfen, die Entstehung von Kleinhirndegenerationen zu vermeiden.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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