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Gesundheitslexikon: Asperger-Syndrom

Was ist das Asperger-Syndrom?

Das Asperger-Syndrom galt bislang als eine mildere Variante des Autismus. Es handelt sich um eine neurologische Erkrankung des Zentralnervensystems, genauer: um eine abweichende Informationsverarbeitung des Gehirns. Betroffene zeigen vor allem Störungen im Bereich der Kommunikation und sozialen Interaktion. Obwohl sie keine Rückstände in der sprachlichen und kognitiven Entwicklung aufweisen (im Gegensatz zu frühkindlichen Autisten), haben sie Schwierigkeiten, sich in andere einzufühlen und nonverbale Signale wie Gestik, Blickkontakte und Mimik richtig zu deuten. Sie sind durchschnittlich bis überdurchschnittlich intelligent. Die Entwicklungsstörung zeigt sich schon im frühen Kindesalter.

Autismus-Spektrum-Störung

Das Asperger-Syndrom wurde erstmals Mitte des 20. Jahrhunderts detaillierter beschrieben und fand seit den 1980er-Jahren zunehmend Beachtung. Galt bislang die Einteilung in frühkindlichen Autismus einerseits und Asperger-Syndrom andererseits als verbindlich, lautet die neue Bezeichnung Autismus-Spektrum-Störung. Es werden mittlerweile Schweregrade des Autismus unterschieden, nicht zwei unterschiedliche Formen. Bei Autismus handelt es sich um eine tiefgreifende Entwicklungsstörung, die circa eins bis 1,5 Prozent der Bevölkerung betrifft. Die Übergänge zwischen normalem, aber zurückgezogenem Verhalten und Krankheit sind dabei fließend.

Ursachen

Man geht davon aus, dass Asperger-Autismus zu 90 Prozent auf genetische Ursachen zurückzuführen ist, wobei eine Vielzahl von Genen eine Rolle spielt. Doch auch Umweltgifte wie Quecksilber, Formaldehyd oder Aluminium werden als Auslöser diskutiert. Manche Mediziner vermuten psychosoziale Faktoren als weitere Gründe.

Symptome

Beziehungen zu Gleichaltrigen sind für Betroffene aufgrund ihrer mangelnden Fähigkeit, sozial zu interagieren, zu kommunizieren und sich angemessen zu verhalten, unzureichend oder gar nicht entwickelt. Asperger-Patienten sind lieber für sich alleine und pflegen festgelegte Rituale, deren Sinn von außen nicht immer erkennbar ist. In vielen Fällen treten neben dem von der Umwelt als unangemessenes Verhaltenen interpretiertem sozialem Unvermögen auch motorische Besonderheiten auf: Die Betroffenen wirken unbeholfen und linkisch. Allerdings zeigen sie auch ausgeprägte Stärken. Oft sind Hoch- oder Inselbegabungen zu finden, die Selbstbeobachtung, die Aufmerksamkeit und die Gedächtnisleistung sind sehr gut ausgeprägt. Manche sprechen beim Asperger-Autismus deswegen von einer möglichen Variante von Informationsverarbeitungsprozessen im Gehirn, die sich im normalen Spektrum bewegt.

Diagnose

Die Diagnose erstellt ein Neurologe. Diese ist ab dem vierten Lebensjahr möglich, während frühkindliche Autisten schon vorher diagnostizierbar sind. Ist ein Kind sehr zurückgezogen, spielt kaum oder gar nicht mit Gleichaltrigen und zeigt auch andere Auffälligkeiten, die auf das Syndrom hinweisen, sollte ein Kinderarzt zurate gezogen werden. Dem Neurologen stehen umfangreiche diagnostische Fragebögen zur Verfügung, um Symptome einordnen zu können.

Behandlung

Das Asperger-Syndrom ist nicht heilbar, jedoch ist durch verhaltenstherapeutische Maßnahmen, die auf eine erleichterte Kontaktaufnahme und eine Verbesserung des Sozialverhaltens abzielen, häufig eine Besserung der Symptome möglich. Eine medikamentöse Therapie gibt es nicht. Diese ergibt nur Sinn, wenn komorbide Störungen wie soziale Phobie, Depressionen oder Aggressivität ebenfalls auftreten. Für Betroffene ist es hilfreich, wenn klare Strukturen und Regeln existieren, an denen sie sich orientieren können. Sie brauchen feste Abläufe im Alltag.

Vorbeugung

Das Asperger-Syndrom ist während der Schwangerschaft nicht feststellbar. Da überwiegend genetische Dispositionen und Umweltgifte als Ursachen vermutet werden, ist eine Vorbeugung nicht möglich. Man sollte die Betroffenen stattdessen so gut wie möglich annehmen und ihre Stärken forcieren.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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