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Gesundheitslexikon: Aphasie

Aphasie oder wenn das Leben verstummt

Die wörtliche Übersetzung aus dem Griechischen beschreibt die Aphasie wohl so treffend wie kaum eine andere Definition: Sprachversagen oder Sprachverlust betrifft Menschen, deren zentrales Nervensystem geschädigt wurde. Doch Aphasie ist nicht gleich Aphasie, denn die Krankheit kann nicht nur mit unterschiedlichem Schweregrad, sondern auch mit verschiedenen Ausprägungen einhergehen.

Arten

In der Neurologie werden Aphasien nach der zerebralen Herkunft der Störung unterschieden. So beschreiben die Broca-Aphasie und die Wernicke-Aphasie eine Schädigung der gleichnamigen Areale im Gehirn. Eine Anamnestische Aphasie, die leichteste Form, entsteht nach einer Dysfunktion der zerebralen Schläfenregion. Unter einer globalen Aphasie versteht sich eine massive Beeinträchtigung aller genannten Gehirnregionen mit schwersten Ausprägungen.

Ursachen

Unser Gehirn wird von drei großen Gefäßen versorgt, welche sich wiederum unzählige Male weiter verzweigen und immer feiner und vulnerabler werden. Jede Zelle im zentralen Nervensystem wird über diese Blutbahnen mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, damit sie ihre Aufgaben erfüllen kann. Im Falle einer Aphasie kommt es zu pathologischen Veränderungen in diesem komplexen System.

Hauptursache einer Aphasie ist in den meisten Fällen ein vorangegangener Apoplex, also die Verstopfung eines großen Blutgefäßes, welcher zu einer Unterversorgung einzelner Hirnregionen und im Anschluss zum Absterben von Zellen führt.

Ebenso sind Blutungen beispielsweise nach einem Unfall, einer Aneurysma-Ruptur oder Raumforderungen Gründe für eine folgende Aphasie. Wie bei einem Hirntumor kommt es auch bei einer Blutung aufgrund der engen Raumverhältnisse im Gehirn zur Schädigung und zum Absterben einzelner Zellen durch die massive und langfristige Quetschung.

Weniger häufig führen Entzündungen zu einer Aphasie. Auch Sprachdefizite als Sekundärstörung anderer zerebraler Krankheiten wie Demenz oder Parkinson werden beobachtet, stehen jedoch weit hinter den oben genannten Ursachen.

Symptome

Liegt eine Aphasie vor, sind die Anzeichen je nach Lokalisation der Schädigung unterschiedlich. Beispielsweise zeigt sich die Anamnestische Aphasie durch temporäre Wortfindungsstörungen. Im Falle einer Broca-Aphasie kommt es durch die Läsion des Sprachzentrums zur Dysarthrie. Dann verstehen Betroffene ihr Umfeld sehr gut, sind jedoch nicht in der Lage, mehr als einzelne stockende Worte zu artikulieren. Im Gegensatz zu einer Wernicke-Aphasie, bei der das Sprachverständnis gestört ist. Diese Form führt bei den Kranken zu einem Redefluss ohne Inhalt und Zusammenhang. Auch Gehörtes kann dann nicht verarbeitet werden.

Diagnose

Bei Verdacht auf eine Aphasie werden stets mehrere Diagnoseverfahren angewandt. Bildgebungsverfahren sollen zeigen, ob und inwiefern eine Läsion im zentralen Nervensystem vorliegt und welche Ursache diese haben. Im Gespräch mit einem geschulten Neurologen wird ergänzend zur klinischen Untersuchung auch der Aachener Aphasietest herangezogen. Dabei können einzelne Aspekte der Sprache wie Nachsprechen, Benennen oder Verstehen genau überprüft werden und Abgrenzungen zu anderen neurologischen Erkrankungen gemacht werden.

Behandlung

Eine bereits bestehende Aphasie kann nicht mehr geheilt werden. Die Ursachenbehebung wie eine Blutungsstillung oder die Aufdehnung verschlossener Gehirngefäße verhindern eine Verschlechterung und sind als Erstmaßnahmen zu sehen. Im weiteren Verlauf hat sich die Logopädie bewährt, bei der die Betroffenen und deren Angehörige lernen, Kommunikationsmethoden zu entwickeln.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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