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Gesundheitslexikon: Antibiotika

Antibiotika – eine tragende Säule unserer Gesundheitsversorgung, aber nur bei richtiger Anwendung

Antibiotika zählen zu den weltweit am meisten verschriebenen Arzneimitteln. Ihr Einsatz ist in vielen Fällen unerlässlich. Die Einnahme muss jedoch sorgfältig abgewogen und ordnungsgemäß durchgeführt werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt schon länger vor der weltweiten Zunahme der Antibiotika-Resistenz durch zu häufigen und oft unnötigen Einsatz von Antibiotika. Bedrohlich ist, dass die Widerstandsfähigkeit der Bakterien wesentlich schneller voran schreitet als die Herstellung neuer wirksamer Antibiotika. Laut der Organisation sterben aufgrund dieser Tatsache weltweit jährlich rund 700.000 Personen.

Einnahme nur bei bakteriellen Infektionen

Völlig nutzlos sind Antibiotika bei Virusinfektionen wie Grippe. Es empfiehlt sich, dem Körper die nötige Ruhe zu gönnen und die Beschwerden durch dafür geeignete Medikamente und Hausmittel (z. B. Inhalation, Hals- oder Brustwickel usw.) zu lindern. Verschlimmert sich der Zustand und es kommt z. B. zu Nebenhöhlenvereiterung, Halsschmerzen mit hohem Fieber oder starkem Husten mit eitrigem Auswurf, ist eine antibiotische Behandlung angezeigt. Denn hier sind zusätzlich Bakterien im Spiel (Superinfektion), die unter Umständen schwere Folgeschäden beispielsweise am Herzen verursachen können.

Folgen häufiger Antibiotika-Einnahme

Nicht nur die Krankheitserreger werden durch die Antibiotika-Einnahme abgetötet, sondern auch "gute" Bakterien, die zur Bekämpfung neuer Krankheiten wichtig sind. Dies führt zu einem instabileren Immunsystem und macht leichter anfällig für neue Infekte. Trotzdem wird häufig ohne dringlichen Grund und ausreichende Diagnose ein Antibiotikum verschrieben. Wie bereits angeführt, ist bei häufiger Antibiotika-Einnahme die Wirkung jedoch nicht mehr gewährleistet. Grund hierfür ist, dass sich die Mikroorganismen an ihre Umwelt anpassen und verbesserte Überlebensstrategien entwickeln. Beim nächsten Einsatz des gleichen Mittels sind sie gewappnet. Da inzwischen z. B. eine Vielzahl an Pneumokokken gegen Penicillin gefeit ist, bleibt die Behandlung schwerer Lungenentzündungen immer häufiger erfolglos.

Einnahmevorschriften genau beachten

Ein weiterer Grund für die Entstehung der Antibiotika-Resistenz ist, dass viele Patienten sich z. B. nicht an die verschriebene Dosis halten oder das Medikament zu früh absetzen. Dadurch können restliche, im Körper verbliebene Bakterien dafür sorgen, dass das Medikament beim nächsten Mal erfolgreich bekämpft wird und nicht mehr wirkt.

Folgen des Antibiotika-Einsatzes bei der Tierzucht

Trotz Verbot kommen Antibiotika speziell bei der Massentierhaltung in hohem Maße zum Einsatz. In Proben finden sich gegen viele Antibiotika unempfindliche Bakterien. Diese übertragen ihre Eigenschaften weiter. Dies bewirkt eine rasante Geschwindigkeit der Resistenz-Entwicklung.

Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem können die Erreger Infektionskrankheiten hervorrufen. Auch kann die reine Besiedlung dieser Keime im Darm bei gesunden Menschen auf Dauer zu einer geschädigten Darmflora führen.

Infektionen durch Hygiene vorbeugen

Um die Keime nicht aufzunehmen, muss Fleisch immer gut durchgebraten werden. Zu beachten sind zudem die Hygienevorschriften bei der Verarbeitung von Fleisch.

Des Weiteren ist eine strikte Einhaltung und Verbesserung der Hygienemaßnahmen in Krankenhäusern unerlässlich.

Maßnahmen im Kampf gegen Antibiotika-Multiresistenz

Pharmazeutische Unternehmen arbeiten mit Hochdruck an der Erforschung effektiverer Antibiotika. Dazu sind jedoch tiefgreifende Maßnahmen nötig. Bei der Weltgesundheitsversammlung am 25.05.15 in Genf einigten sich die 194 Mitgliedstaaten auf einen globalen Aktionsplan, welcher innerhalb von zwei Jahren in nationale Strategien gegen Antibiotika-Resistenzen umgesetzt werden soll.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und Hinweise über Arzneimittel, hat jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ersetzt daher nicht die Beratung durch einen Arzt oder Apotheker. Da die Medizin sich ständig weiterentwickelt, sollten Sie immer die aktuelle Gebrauchsinformation zu Ihrem Arzneimittel sorgfältig durchlesen und Ihren Arzt oder Apotheker zurate ziehen.

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