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Gesundheitslexikon: Angiologie

Angiologie – die Lehre von den Gefäßerkrankungen

Die Angiologie beschäftigt sich als Teilgebiet der Inneren Medizin mit Gefäßerkrankungen. Zu den Themengebieten der Angiologie gehören die Entstehung, Verbreitung, Diagnose, Therapie und Prävention von Erkrankungen der Venen, Lymphgefäße sowie Arterien.

Die Geschichte der Angiologie

Das Fachgebiet wurde von dem deutschen Professor Max Ratschow in den 1950er-Jahren begründet. Ratschow war damals Klinikdirektor in Darmstadt und rief die weltweit erste Angiologische Klinik ins Leben. Die Angiologie lässt sich bis heute nicht scharf gegenüber anderen Fachrichtungen abgrenzen. Diese Abgrenzung ist auch nicht gewünscht, da bei der Diagnose und Behandlung von Gefäßerkrankungen oft interdisziplinär agiert werden muss. So befassen sich neben rein angiologisch tätigen Ärzten auch Kardiologen, Neurologen, Phlebologen, Dermatologen und Chirurgen mit den Teilbereichen der Angiologie.

Häufige angiologische Krankheitsbilder

Die angiologischen Krankheitsbilder lassen sich in Erkrankungen der Venen, Arterien sowie Lymphgefäße unterteilen. Den arteriellen Erkrankungen liegt zu 90 bis 95 Prozent eine Arterienverkalkung (Arteriosklerose) zugrunde. Häufige arteriosklerotische Folgeerkrankungen sind die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK), Engstellungen der Nierenarterien (Nierenarterienstenose) und der Halsschlagadern. Eine weitere bedeutende Gefäßerkrankung des arteriellen Systems ist das Aneurysma. Es handelt sich dabei um eine Schwächung der Gefäßwandstruktur, die zu einer Ausweitung des Gefäßes führt. Die Ruptur eines Aneurysmas ist lebensgefährlich.

Die häufigste Erkrankung des Venensystems ist das primäre Krampfaderleiden (Varikose). Auch die chronisch venöse Insuffizienz und die Venenthrombose können Beschwerden verursachen.

Eine wichtige Erkrankung der Lymphgefäße ist das Lymphödem. Während das primäre Lymphödem die Folge einer erblich bedingten Schwäche ist, tritt das sekundäre Lymphödem als Folge einer anderen Erkrankung auf. Die Lymphangitis und das Erysipel sind entzündliche Erkrankungen der Lymphgefäße, die relativ häufig auftreten.

Gefäßmissbildungen von Arterien, Venen oder Lymphgefäßen werden als Angiodysplasien bezeichnet. Sie kommen in verschiedenen Variationen und Häufigkeiten vor.

Die Untersuchungsmethoden der Angiologie

Wie bei den meisten Erkrankungen steht auch bei den Gefäßerkrankungen die Anamnese vor der Diagnose. Nach der eingehenden Erhebung der Krankengeschichte inspiziert der behandelnde Angiologe die Gefäße. Er tastet die Pulse der unterschiedlichen Arterien ab. Ergänzend können bildgebende Verfahren wie die Dopplersonografie oder die Farbdopplersonografie zum Einsatz kommen. Bei der Angiografie werden die Blut- und/oder Lymphgefäße radiologisch dargestellt. Weitere spezifische Untersuchungsverfahren der Angiologie sind die Plethysmografie, die Kapillarmikroskopie und die Lichtreflexionsrheografie.

Angiologische Therapiemöglichkeiten

Nikotin, Übergewicht und Alkohol gelten als Risikofaktoren für die meisten Gefäßerkrankungen. Sie sollten deshalb strikt gemieden werden. Cholesterinsenker, Diuretika, ACE-Hemmer, Heparine und Thrombozytenaggregationshemmer sind Medikamente, die je nach Ursache bei angiologischen Erkrankungen verabreicht werden können. Zu den invasiven angiologischen Verfahren gehören die Ballondilatation, das Einsetzen von Stents und die Krampfaderverödung. Ergänzend kommen gefäßchirurgische Therapiemethoden wie Varizenoperationen, Sympathektomien und Bypassoperationen zum Einsatz. Auch physiotherapeutische Behandlungsverfahren wie die Lymphdrainage, die Venenkompression und die Kaltwasserbehandlung werden zur Therapie der Gefäßerkrankungen genutzt.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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