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Gesundheitslexikon: Anatomie

Anatomie, die Kunst der Zergliederung

Der Begriff 'Anatomie' stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie aufschneiden oder zergliedern. Bis heute ist die 'Sezierung' von Leichen in Präparierkursen ein wichtiger Bestandteil der medizinischen Ausbildung. Die Anatomie als Gesamtdisziplin beschränkt sich aber nicht nur auf das Beobachten. Es geht vielmehr um die Beschreibung und die bildliche Darstellung der Gestalt, der Lage und der Funktion von Organen und Geweben und des Aufbaus des menschlichen Körpers.

Kategorien

Die 'makroskopische Anatomie' befasst sich mit der Darstellung der mit bloßem Auge sichtbaren Strukturen. Sie kann in weitere methodische oder fachspezifische Aspekte aufgeteilt werden. Die 'mikroskopische Anatomie' veranschaulicht die Feinstruktur der verschiedenen Gewebearten und Zellstrukturen, die nur mit einer optischen Vergrößerung zu sehen sind.

Aus methodischer Sicht ist die 'deskriptive Anatomie' die klassische Disziplin dieses Fachgebietes. Sie beschreibt das normale Aussehen von Organen und Organsystemen ohne Berücksichtigung der systematischen Zusammenhänge. In reiner Form wird sie heute kaum noch angewendet. Sie ist aber ein wichtiger Bestandteil der anderen Darstellungsweisen.

Die 'topografische Anatomie' befasst sich mit der Lage und Lagebeziehung von Organen und Strukturen des menschlichen Körpers. Sie vermittelt den Medizinern eine Vorstellung davon, wo sich welche Systeme befinden. Besonders für Operateure sind solche Vorinformationen wichtig, um zum Beispiel die Verletzung sensibler Strukturen zu vermeiden.

Die 'funktionelle Anatomie' beschäftigt sich mit der Beobachtung und Darstellung der funktionellen Zusammenhänge innerhalb eines Körpersystems oder der verschiedenen Komplexe untereinander. Es gibt viele Überschneidungen mit der Physiologie.

Mit den Unterschieden und den Gemeinsamkeiten verschiedener biologischer Spezies befasst sich die 'vergleichende Anatomie'. Insbesondere die Gegenüberstellung der 'Topografie', der Struktur und der Funktion des Körperbaus von Menschen und Tieren ist ihr Spezialgebiet.

Fachbezogene Einteilung

Die anatomischen Beschreibungen in den verschiedenen medizinischen Fachgebieten sind so aufgebaut, dass bei der Darstellung der jeweiligen Systeme verschiedene Kategorien integriert werden. In der 'Neuroanatomie' wird nicht nur das Nervensystem beschrieben und präsentiert. Es werden auch Lagebeziehungen und funktionelle Zusammenhänge zu anderen Organsystemen behandelt, zum Beispiel zur Muskulatur. Das gleiche gilt umgekehrt für die Anatomie des Bewegungsapparates. Neben der Deskription des Skelett- und Muskelsystems geht es auch um die funktionelle Verbindung mit dem Nervensystem. Auch der Zweig der Anatomie, der sich mit dem Verdauungssystem beschäftigt, berücksichtigt die Steuerungsmechanismen aus der 'Neuroanatomie' und der 'Endokrinologie', die für diese Funktionseinheiten zuständig sind. So entsteht immer ein komplettes Bild, das die Zusammenhänge und das gemeinsame Agieren der verschiedenen Körperfunktionen berücksichtigt. Die gleiche Aussage trifft auch auf die anderen anatomischen Disziplinen wie zum Beispiel das Herz-Kreislaufsystem, das Atmungssystem und das Immunsystem zu.

Eine andere Form der Darbietung anatomischer Inhalte beschränkt sich auf die Beschreibung bestimmter Regionen des Körpers unter Einbeziehung aller Strukturen, die sich dort befinden. Die 'pathologische Anatomie' kann ebenfalls als Teilgebiet der Anatomie angesehen werden. Sie befasst sich allerdings mit krankhaften Veränderungen von Geweben, Organen oder Organsystemen und deren verursachenden Hintergründen. Dabei kommen Methoden der 'makroskopischen' und 'mikroskopischen Anatomie' zur Anwendung.

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