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Gesundheitslexikon: Analfistel

Analfistel: röhrenartige Verbindung zwischen den Gewebeschichten

Analfisteln und Analabzesse werden oft als unterschiedliche Manifestationen desselben Krankheitsbilds bezeichnet. Bei Analfisteln oder Perianalfisteln handelt es sich um röhrenartige Verbindung zwischen den Gewebeschichten im Bereich des Anus. Analfistel werden entweder als inkomplette oder komplette Fisteln bezeichnet. Die inkomplette Form kann in eine Abszess-Bildung münden. Die komplette Analfistel entsteht dagegen aus einem Analabszess. Außerdem werden Analfisteln nach der Beteiligung der Hautschichten und der Lokalisation unterschieden. Nicht jede Analfistel muss ihren Gang auf der Hautoberfläche der Afterregion präsentieren. Bei intersphinktären Fisteln liegt der Fistelgang zwischen dem Musculus sphincter ani internus und externus. Bei extrasphinktären Fisteln liegt er über der sogenannten Puborektalschlinge und bei submukösen Fisteln im Bereich zwischen der Schleimhaut des Rektums und dem Musculus sphincter ani internus. Von transphinktären Analfisteln ist bei Fistelgängen quer durch den inneren und äußeren Anus-Muskel die Rede. Subkutane Analfisteln betreffen den Unterhautbereich des äußeren Ostium (Harnleiter) und suprasphinktäre Analfisteln haben ihren Gang oberhalb des Sphinktermuskels, wobei sie sich durch den Musculus levator ani fortsetzen. Wenn der Fistelgang unmittelbar in das obere Rektum mündet, ist von einer Anorektalfistel die Rede.

Ursachen

Die Ursache für Analfisteln sind meist kleine Analabszesse mit Anschluss an die sogenannten Proktodealdrüsen des Analbereichs. Die Drüsen entzünden sich häufig, wenn Bakterien aus dem Enddarm hineingelangen. Das kann zum Beispiel nach einem Riss der Schleimhaut der Fall sein. Ein Analabszess mit Beteiligung der Drüsen kann sich spontan entleeren und lässt auf diese Weise eine Fistel entstehen. Häufig geht einer kompletten Fistelbildung auch ein chirurgischer Eingriff an einem Analabszess voraus. Analfisteln besitzen einen Fistelgang. Dieser Gang entspricht in den meisten Fällen dem Verbindungsgang zwischen primärer Proktodealdrüse im Afterinneren und Schleimhaut oder Haut. Aufgrund dieser Zusammenhänge kann ein Analabszess trotz der chirurgischen Entfernung wieder auftreten, indem er sich aus einer Fistel entwickelt. Die komplette Abheilung ist nur in den seltensten Fällen gegeben. In Einzelfällen entstehen Analfisteln auch aus entzündlichen Vorgängen im Darm, so zum Beispiel im Rahmen eines Morbus Crohn, einer Colitis ulcerosa oder einer Divertikulitis.

Symptome

Analabszesse sind als akute Form der Analfistel mit starken Schmerzen und Beschwerden wie Fieber verbunden. Im Gegensatz zum Abszess halten sich die Symptome bei der Analfistel meist in Grenzen. Neben chronischem Nässen, Juckreiz, der Absonderung von Eiter oder punktuelle Blutung im Bereich des Anus bemerken die Patienten die Fisteln allenfalls in Form eines leichten Stechens. Große Fisteln, die den Schließmuskel des Anus durchsetzen, können unter Umständen unwillentlichen Stuhlabgang begünstigen.

Diagnose

Die Diagnose der Analfisteln wird mittels Inspektion, Abtasten und Sondierung gestellt. Darüber hinaus wird häufig eine endoskopische Untersuchung des Rektums durchgeführt. Die Fistelöffnungen spürt der Arzt durch die Injektion von Substanzen wie Gentianaviolett in den Fistelgang auf. Zur Darstellung der Fistelgänge kann unter Umständen auch die Bildgebung mittels MRT dienen.

Behandlung

Analfisteln werden meist operativ behandelt, um Abszessen vorzubeugen. Das operative Verfahren entspricht in den meisten Fällen einer Fistulotomie. Der Fistelgang wird durch eine Knopfsonde in seiner gesamten Länge gesichert. Über der liegenden Sonde wird die Fistel gespalten. Bei Analfisteln durch den Schließmuskel müssen unter Umständen Teile des Muskels durchtrennt werden. Damit können nach der Operation Kontinenzprobleme auftreten. In Einzelfällen wird die Fistel mittels Fistulektomie auch ausgeschnitten. Wenn es sich um eine erstmals aufgetretene Analfistel handelt, kann in einem minimal-invasiven Eingriff ein Fistelverschluss mit Substanzen wie Fibrinkleber erfolgen.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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