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Gesundheitslexikon: Amiodaron

Amiodaron – Lebensretter mit vielen Begleiterscheinungen

Im Akutfall muss es schnell gehen: Leidet ein Patient unter lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen und ist kein Defibrillator in der Nähe, so müssen Notfallmediziner umgehend medikamentös eingreifen. Hier kommt in bestimmten Fällen der Wirkstoff Amiodaron zum Einsatz.

Was ist Amiodaron?

Als man Anfang der 60er-Jahre den Wirkstoff Amiodaron gegen allgemeine Schmerzen in der Brust einsetzte, bemerkte man, dass damit bei den Patienten auch die gefürchteten Herzrhythmusstörungen ausblieben. Der Wirkstoff Amiodaron wurde flächendeckend verschrieben. Doch bald schon zeigten sich gravierende Nebenwirkungen der Präparate. Heute kommt Amiodaron aufgrund der vielfältigen Begleiterscheinungen nur noch in wenigen Fällen zum Einsatz. Dabei ist der Arzneistoff ein typisches Antiarrhythmikum und wird zur Behandlung von akuten Herzrhythmusstörungen verabreicht. Chemisch gesehen ist Amiodaron ein Benzofuran-Derivat.

Wie wirkt Amiodaron auf den Körper?

Der Arzneistoff ist zunächst einmal extrem löslich in Fettgewebe und kann daher großräumig im Bereich des Herzens wirken. Die atomare Struktur von Amiodaron hat große Ähnlichkeit mit dem Hormon Thyroxin und dem Wirkstoff Procainamid. Dies dürfte dazu führen, dass Amiodaron gleichzeitig in der Lage ist, die Arterien rund um das Herz zu erweitern und diese zu beruhigen. Dieser seltene Effekt führt dazu, dass Amiodaron eine äußerst positive Wirkung auf akute Herzrhythmusstörungen haben kann. Dabei entspannt es zwar die Gefäßwände, in dem es die Natrium- und Calciumkanäle der Zellen blockiert, vermindert aber nicht die Pumpleistung des Herzens. Der Patient fühlt sich im Bereich des Oberkörpers sehr schnell befreit und die typischen Symptome der Rhythmusstörungen lassen nach.

Bei welchen Beschwerden kann Amiodaron eingesetzt werden und gibt es eine Verschreibungspflicht?

Amiodaron kommt nur notfallmedizinisch bei lebensbedrohlichen und schweren Rhythmusstörungen des Herzens zum Einsatz. Auch bei Vorhofflimmern erzielt es gute Behandlungsergebnisse. Es ist ein Mittel der zweiten Wahl: Spricht der Patient auf andere Medikamente nicht mehr an, dann wird Amiodaron verabreicht. Ferner kann es verordnet werden, wenn die Pumpleistung des Herzens bereits schwer verringert ist und ein Schrittmacher aus anderweitigen Gründen dem Patienten nicht implantiert werden kann. Es ist für Privatpersonen nicht freiverkäuflich zu erhalten.

Was sollte man bei der Anwendung von Amiodaron beachten?

Der Arzneistoff führt zu umfangreichen und teilweise schwerwiegenden Nebenwirkungen. Er wird meist nur noch im Akutfall als Einzeldosis eingesetzt. Da er sich nur sehr langsam im Blut abbaut, ist er kaum für eine längere Einnahmephase geeignet. Anderenfalls sind schwere Nebenwirkungen zu erwarten. So tritt bei Patienten, die bereits eine Vorschädigung der Lunge haben, mit hoher Wahrscheinlichkeit eine entzündliche Lungenfibrose auf. Auch wirkt Amiodaron aufgrund des hohen Gehaltes an Jod schädigend auf die Schilddrüse. Es kann zu einer Über- oder Unterfunktion des Organs kommen. Auch könnte die Autoimmunerkrankung Morbus Basedow ausgelöst werden. Ferner erleiden viele Patienten bei langfristiger Einnahme von Amiodaron im Bereich der Augen kleine Hornhaut-Ablagerungen, welche zu einer Sehbehinderung führen können. Amiodaron stört auch den Leberstoffwechsel und führt zu einer Schädigung der Leberenzyme. Dieser Leberschaden kann sich zu einer Hepatitis oder Leberzirrhose entwickeln. Auch die Haut des Patienten kann sich aschgrau bis bläulich verfärben und regeneriert sich, selbst nach dem Absetzen des Wirkstoffes, meist nicht mehr vollumfänglich. Daneben können sich aus Auswirkungen auf das Nervensystem des Patienten zeigen. Da der Wirkstoff fruchtschädigend ist, dürfen Schwangere mit ihm nicht behandelt werden.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und Hinweise über Arzneimittel, hat jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ersetzt daher nicht die Beratung durch einen Arzt oder Apotheker. Da die Medizin sich ständig weiterentwickelt, sollten Sie immer die aktuelle Gebrauchsinformation zu Ihrem Arzneimittel sorgfältig durchlesen und Ihren Arzt oder Apotheker zurate ziehen.

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