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Gesundheitslexikon: Amalgamfüllung

Früher beliebt, heute umstritten: die Amalgamfüllung

Amalgam ist eine Quecksilberlegierung, die in der Zahnmedizin zur Füllungsbehandlung zum Einsatz kommt. Quecksilber ist für seine umwelt- und gesundheitsgefährdenden Wirkungen bekannt. Aus diesem Grund haben andere Zahnfüllungsmaterialien die Amalgamfüllung im Zahn mittlerweile fast vollständig abgelöst.

Amalgam als Quecksilberlegierung

Als Amalgam werden alle Legierungen des Quecksilbers zusammengefasst. In der Natur existieren auch natürlich vorkommende Amalgame, die teilweise als eigenständige Mineralien anerkannt sind. Neben Bleiamalgam sind in diesem Zusammenhang die Kupfermineralien Belendorffit und Kolymit, das Palladium-Mineral Potarit, die Silbermineralien Eugenit, Luanheit, Moschellandsbergit, Paraschachnerit und Schachnerit sowie das Silber-Gold-Mineral Weishanit zu nennen. Amalgam spielt vor allem für die Goldgewinnung, als Reduktionsmittel und bei der Beschichtung von Spiegeln eine Rolle. In der Zahnmedizin kommen Amalgamfüllungen aus Silberamalgam als Plomben zum Einsatz. Das Silberamalgam besteht neben Silber und Kupfer in der Regel aus Zink, Zinn, Quecksilber und Indium.

Amalgamplomben in der Füllungstherapie

Amalgamfüllungen im Zahn wurden erstmals 1818 verwendet und bestanden zu rund 50 Prozent aus reinem Quecksilber. Der Rest entsprach einer Feilungsmischung einzelner Metalle. Die plastische Masse erhärtete innerhalb von fünf Minuten im Zahn und diente vor allem der Füllung von Bohrungen und Kariesschädigungen. Mittlerweile besteht die Mischung von Amalgamfüllungen zu rund 40 Prozent aus Silber, zu etwa 32 Prozent aus Zinn, höchstens 30 Prozent aus Kupfer und maximal drei Prozent aus Quecksilber. Diese Füllungsart wird in der Zahnmedizin als Non-Gamma-2-Phasen-Silberamalgam bezeichnet und enthält mehr Kupfer, aber weniger Zinn als Mischungen aus früheren Zeiten. Das macht die Amalgamplomben korrosionsbeständiger. Kupferamalgam kommt wegen seiner geringeren Beständigkeit und der umweltschädlichen Herstellung nicht mehr in der Zahnmedizin zum Einsatz. Im Mund ist die Amalgamfüllung weitgehend fehlertolerant zu verarbeiten. Außerdem ist die Haltbarkeit mit kaum einem anderen Füllmaterial zu erreichen. Der zeitliche Aufwand für Amalgamfüllungen ist geringer als für Kunststofffüllungen.

Gesundheitsschädigende Wirkung von Silberamalgamfüllungen

Die hohe Quecksilberkonzentration von Amalgamfüllungen im Zahn brachte eine Diskussion über Gesundheitsgefährdung auf. In den 20er-Jahren brach in Deutschland ein regelrechter Amalgamkrieg aus, der vor allem auf Bedenken wie Quecksilbervergiftungen und Allergien verwies. Ende der 90er-Jahre belegte eine Studie keinerlei Zusammenhang zwischen Amalgamfüllungen im Zahn und den subjektiven Beschwerden von Patienten. In den 2000er-Jahren endete die Amalgamdiskussion mit dem Beschluss, dass von Amalgamfüllungen eine vergleichsweise geringe Gefährdung ausgeht. Obwohl Zahnfüllungen aus Silberamalgam mittlerweile als unbedenklich eingestuft wurden, kommen sie heutzutage vergleichsweise selten zum Einsatz. Meist entscheiden sich die Patienten eher für Kunststofffüllungen, die ästhetische Vorteile bieten. Einige Patienten leiden psychisch stark unter Amalgamfüllungen. Ihre persönlichen Bedenken lassen sie sämtliche Krankheitssymptome der Zukunft auf die Füllungen zurückführen. Darüber hinaus können sich in diesem Zusammenhang psychosomatische Beschwerden einstellen.

Konsequenzen von verschiedenen Schwermetallen im Mund

Obwohl Amalgamfüllungen an sich heute als unbedenklich gelten, können sie in Kombination mit anderen Schwermetallen gesundheitsgefährdend wirken. Wer mit Gold, Silber und Amalgam zum Beispiel verschiedene Metalle im Mund hat, kann durchaus an erhöhten Quecksilberwerten im Blut leiden. Schuld daran ist die elektrochemische Korrosion, die Quecksilber-Ionen im Mund aus dem Amalgam löst. Amalgamvergiftungen oder Quecksilbervergiftungen können sich in vermehrter Urinausscheidung äußern und mit der Einlagerung von Quecksilber in Körpergewebe einhergehen. Mit der Einlagerung kann sich eine neurotoxische Wirkung entfalten, das heißt, die Schwermetalle wirken wie Gift auf das Nervensystem. Laut des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte sollten Schwangeren und Nierenpatienten deshalb auf Amalgamfüllungen verzichten.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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