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Gesundheitslexikon: Adenovirus (Adenoviren)

Adenovirus: widerstandsfähig und vielfältig

Das humanpathogene Adenovirus stammt aus der Gattung der Mastadenoviren. Sechs der insgesamt 19 Arten sind für den Menschen pathogen, das heißt krankheitsverursachend. Die Viren gehören zu den doppelsträngigen und unbehüllten DNA-Viren. Sie sind bekannt für ihre hohe Stabilität gegenüber physikalischen und chemischen Einwirkungen. So überstehen sie beispielsweise alkoholische Desinfektionsmittel ohne Probleme. Auch extreme pH-Werte machen den Adenoviren nichts aus.

Epidemiologie der Adenoviren

Je nach Typ unterscheidet sich die Verbreitung des Adenovirus. Gleich ist jedoch allen Adenoviren, dass sie vornehmlich durch direkten Kontakt oder fäkal-oral übertragen werden. Gelegentlich wird auch eine Übertragung durch Wasser (zum Beispiel in Schwimmbädern) beobachtet. Die Ausbreitung der Viren innerhalb des Körpers kann über Monate oder Jahre erfolgen. So sind einige Arten der Viren in einigen Gebieten endemisch, sodass hier bereits eine Infektion in der Kindheit erfolgt. Andere Viren treten hingegen nur sporadisch auf und verursachen gelegentlich Krankheitsausbrüche. Da sich die Viren aufgrund ihrer hohen Stabilität auch durch Desinfektionsmittel nur unzureichend deaktivieren lassen, sind Adenoviren für verschiedene nosokomiale Infektionen, also für Infektionen in Krankenhäusern, verantwortlich.

Akute Erkrankungen der Atemwege durch das Adenovirus

Eine respiratorische Infektion mit Viren aus der Adenogruppe beginnt normalerweise mit einer Kehlkopfentzündung (Pharyngitis). Dabei bilden sich am weichen Gaumen wässrige Bläschen. Auf die Pharyngitis folgt dann häufig eine Entzündung der Bronchien und der Lunge (Bronchopneumonie). Beim sogenannten pharyngokonjunktivalen Fieber kommt es zeitgleich zu einer Bindehautentzündung und zu einer Entzündung der Lymphknoten. Auch das sogenannte Pertussis-Syndrom, das in seiner Symptomatik kaum vom Keuchhusten unterschieden werden kann, kann die Folge einer Infektion mit Adenoviren sein.

Keratokonjunctivitis epidemica

Die Keratokonjunktivitis epidemica gehört zu den gefürchteten nosokomialen Infektionen, die Adenoviren verursachen können. Typische Symptome einer solchen Infektion sind Juckreiz, Brennen und Fremdkörpergefühl im Auge. Auch Ödeme der Netzhaut und eine Lichtscheu können auftreten. Die Kontagiosität ist bei der Adeno-Konjunktivitis extrem hoch. Häufig wird die Augenerkrankung in Schwimmbädern übertragen.

Gastrointestinale und urogenitale Infektionen durch Adenoviren

Infektionen des Magen-Darm-Trakts führen zu Durchfall. Gastrointestinale Infektionen mit Adenoviren treten gehäuft in Zusammenhang mit Blinddarmentzündungen auf. Infektionen im Urogenitalbereich führen hingegen oft zu einer Blasenentzündung. Wenn sich genitale Geschwüre bilden, sind die Adenoviren auch sexuell übertragbar.

Diagnostik bei Adenovirus-Infektionen

Eine Leukozytose im Blut ist typisch für eine Infektion mit Adenoviren. Bei einer Leukozytose sind die weißen Blutkörperchen im Blut erhöht. Normalerweise ist dies für Virusinfektionen eher untypisch. Auch das C-reaktive Protein (CRP), ein Entzündungsmarker, ist leicht erhöht. Je nach Infektion kann aus Rachenspülwasser, Urin, Stuhl oder einem Abstrich aus dem Auge das Virus isoliert werden. Im Blutserum lassen sich zudem spezielle Antikörper gegen das Virus und Teile der DNA des Virus nachweisen.

Mögliche Behandlungsstrategien

Eine kausale Behandlung einer Infektion mit Adenoviren ist nicht möglich. Da die meisten Infektionen eher mild verlaufen, ist eine Therapie in der Regel auch nicht nötig. Bei ernsthafteren Erkrankungen wird versucht die Symptome medikamentös zu lindern und Komplikationen zu verhindern.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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