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Gesundheitslexikon: Abtreibungspille

Abtreibungspille - erstmals 1999 zugelassen

Die sogenannte Abtreibungspille (Mifegyne), früher auch RU 486 genannt, ist ein Medikament mit dem Frauen ungefähr bis zum 49. Tag ihrer Schwangerschaft abtreiben können. Die Abtreibungspille wurde in Deutschland erstmals 1999 für den medikamentösen Schwangerschaftsabbruch zugelassen.

Wie wirkt die Pille?

Die Abtreibungspille enthält den Wirkstoff Mifepriston. Dieser Wirkstoff ist ein sogenannter Progesteron-Rezeptorantagonist. Er bindet sich also an die Rezeptoren des schwangerschaftserhaltenden Gelbkörperhormons Progesteron. Dadurch, dass Mifepriston den Rezeptorplatz blockiert, kann sich das Progesteron nicht an die Rezeptoren binden. Mifepriston wird deshalb auch als Antigestagen bezeichnet. Innerhalb von 48 Stunden nach der Einnahme öffnet sich der Muttermund und die Gebärmutterschleimhaut löst sich ab. 36 bis 48 Stunden nach der Einnahme von Mifepriston erhalten die Schwangeren zudem ein Prostaglandin. Dieses bewirkt eine Zusammenziehung der Gebärmutter. Dadurch wird die Frucht aus der Gebärmutter ausgestoßen. Bei 95 bis 98 Prozent der Frauen ist die Abtreibung mit Mifepriston erfolgreich. Sollte der Schwangerschaftsabbruch medikamentös nicht möglich sein, muss eine Ausschabung oder Absaugung erfolgen.

Wer kann die Abtreibungspille erhalten?

In Deutschland ist der Abbruch einer Schwangerschaft im Zeitraum der ersten zwölf Wochen nach der Empfängnis nicht strafbar. Vor dem Abbruch muss nach Paragraf 218 des deutschen Strafgesetzbuches jedoch eine Beratung in einer anerkannten Beratungsstelle erfolgen, die auf den Erhalt der Schwangerschaft abzielt. Zwischen der Beratung und dem Schwangerschaftsabbruch müssen mindestens drei Tage Bedenkzeit vergehen. Die Abtreibungspille darf nur bis zum 63. Tag ohne Menstruationsblutung eingesetzt werden. Vor dem Einsatz der Pille muss die Schwangerschaft durch einen Arzt bestätigt worden sein.

Wer darf Mifepriston nicht nehmen?

Das Medikament darf nicht bei Frauen eingesetzt werden, die an Asthma, Leber- oder Nierenerkrankungen leiden. Auch Frauen, bei denen der Verdacht auf eine Eileiterschwangerschaft besteht, können nicht mit der Abtreibungspille abtreiben. Weitere Kontraindikationen sind Unterernährung, die Stoffwechselerkrankung Porphyrie, ein erhöhtes Blutungsrisiko und ein erhöhter Augeninnendruck der Frau.

Wo gibt es die Abtreibungspille?

Die Abtreibungspille darf weder frei noch auf Rezept in Apotheken verkauft werden. Sie wird nur an Krankenhäuser und Frauenärzte abgegeben. Die Frau muss die Pille unter der Aufsicht des Arztes einnehmen. Das Prostaglandin wird als Scheidenzäpfchen oder als Tablette verabreicht.

Was kostet eine Abtreibung mit der Abtreibungspille?

Die Kosten ähneln denen eines operativen Schwangerschaftsabbruches. Weder der operative noch der medikamentöse Schwangerschaftsabbruch werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Die betroffenen Frauen müssen in der Regel also aus eigener Tasche dafür aufkommen. Je nach Einkommen wird jedoch gegebenenfalls ein Teil der Kosten übernommen. Wenn für den Eingriff eine medizinische oder eine kriminologische Indikation vorliegt, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen hingegen die gesamten Kosten.

Hat die Pille Nebenwirkungen?

Zu den häufigen Nebenwirkungen gehören Schmerzen im Unterleib, Blutungen, Durchfall, Erbrechen, Kopfschmerzen und Hautausschläge. In seltenen Fällen entwickeln sich schwere Blutungen oder Infektionen. Verletzungen an der Gebärmutter treten ebenfalls eher selten auf.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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