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Gesundheitslexikon: Abszess

Abszess: Eiteransammlung mit Folgen

Ein altes lateinisches Sprichwort besagt: "Ubi pus, ibi evacua" – "Wo Eiter ist, dort entleere ihn". Diese Worte beschreiben in einprägsamer Weise die Therapiemethode, die noch heute bei so genannten Abszessen zur Anwendung kommt. Obgleich Abszesse im Anfangsstadium oft harmlos aussehen, sollte aufgrund der mit ihnen einhergehenden gesundheitlichen Risiken ein Arzt aufgesucht werden, um dem Sprichwort zeitnah Folge zu leisten.

Was ist ein Abszess?

Unter einem Abszess versteht man eine umkapselte Eiteransammlung, die in jeder Körperregion auftreten kann. Eiter wiederum entsteht in Folge einer Entzündungsreaktion. Die meist gelbliche Flüssigkeit besteht aus Gewebe, Bakterien und weißen Blutzellen. Kann sie nicht abfließen, so bildet sich ein Abszess. Im 'Diagnosekatalog ICD-10' sind dem Abszess mehrere Ziffern ab 'L02' zugeordnet. Verwandte Erkrankungen sind der 'Furunkel' – ein im Bereich der Haarwurzeln auftretender Abszess – sowie der 'Karbunkel' als Fusion mehrerer benachbarter Furunkel.

Ursachen

Die genauen Ursachen, die zur Abszessbildung führen, sind nicht bei jedem Auftreten klar nachvollziehbar. In den meisten Fällen sind bakterielle Infektionen verantwortlich, wie sie etwa durch eine Verletzung, eine schlecht versorgte Wunde oder eine Spritze ausgelöst werden können. So genannte 'kalte' oder 'sterile Abszesse' ohne Bakterieneinfluss sind äußerst selten und kommen vorrangig als Begleiterkrankung einer Tuberkulose vor. Recht klar eingrenzbar sind die Ursachen für Abszesse im Kiefer- und Gesichts- sowie im Brustbereich. Hier sind häufig bakterielle Entzündungen der Zähne beziehungsweise postoperative Wundheilungsstörungen oder Brust-/Milchdrüsen-Entzündungen die Auslöser.

Symptome

Abszesse äußern sich durch Druckempfindlichkeit im betroffenen Bereich sowie – bei oberflächlichen Abszessen – durch Rötungen und Schwellungen, die wiederum Spannungsgefühle der Haut nach sich ziehen. Besonders gefährlich sind Abszesse im Bereich des Gesichts: Tiefer eindringende Bakterien können hier zu einem Hirnabszess führen, der mikrochirurgisch behandelt werden muss. Aber auch andere Organe können von Abszessen befallen werden. Wenn die rechtzeitige Diagnose und Behandlung ausbleibt, können Fieber und Schüttelfrost als Anzeichen einer Blutvergiftung auftreten, die im schlimmsten Fall zum Tode führen kann.

Diagnose

Sofern der Abszess oberflächlich nicht sichtbar ist, ist Fieber möglicherweise das einzige offensichtliche Symptom. Im Rahmen eines Blutbilds können in diesem Fall dennoch erhöhte Entzündungswerte nachgewiesen werden. Bildgebende Verfahren wie CT oder Ultraschall lassen die Entzündung sichtbar werden. Unproblematischer gestaltet sich die Diagnostik oberflächlicher Abszesse: Zusätzlich zur offensichtlichen Druckempfindlichkeit und sichtbaren Rötungen tritt im Rahmen einer Punktion Eiter aus.

Behandlung/Therapie

Im Anfangsstadium lassen sich oberflächliche Abszesse oft unkompliziert mit so genannter Zugsalbe behandeln, die auf die betroffenen Stellen aufgetragen wird. Sofern dies nicht zu einer Besserung führt, sollte umgehend ein Arzt konsultiert werden. Im Rahmen einer Operation wird der Abszess geöffnet, um den Eiter über eine Drainage abzulassen. Entzündetes Gewebe wird entfernt. Im Falle größerer und tiefer liegender Abszesse erfolgt die Operation meist unter Vollnarkose und im Rahmen mehrerer Eingriffe. Das offene Verheilen der Wunde bei regelmäßigem Verbandswechsel beugt einer neuerlichen 'Einkapselung' verbliebener Erreger vor. Parallel zur Nachsorge einzunehmende Antibiotika unterstützen die Bekämpfung der bakteriellen Infektion.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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