GESUNDE ERNÄHRUNG GESUNDE ERNÄHRUNG

Gesundes Essen in der Kita und Ernährung auf Lehrplan: Wie soll man das bitte umsetzen?

Verantwortung nicht auf die Kita abwälzen!

Jetzt soll es bei unseren Kindern ans Eingemachte, gerne auch ans Kurzgebratene oder Überbackene gehen: Bundesernährungsminister Christian Schmidt hat die zweite Stufe seiner Doppelschlag-Strategie in Sachen gesunder Kinderernährung gezündet. Stufe eins war ein Appell an Eltern und andere Verantwortliche: Sorgt aktiv dafür, dass in der Mittagsbetreuung auf den Tellern der Kinder ausgewogenes und leckeres Essen landet. Stufe zwei hat direkt die Zielgruppe im Visier: „Das kleine Einmaleins der Ernährung muss einen festen Platz in den Lehrplänen bekommen“.

Gesunde Ernährung ist sehr wichtig. Vorallem für Heranwachsende.
Das Essen in Kita, Schule und Co. muss also passen. Trotzdem stehen Sie in der Verantwortung und können die Ernährungsbildung nicht vollkommen abgeben! © dpa, Jens Büttner

Von Ursula Willimsky

Bereits im Kindergarten soll „Essen“ zum Thema werden. Das ist super, finden wir, man kann ja nicht früh genug damit anfangen, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. In der konkreten heimischen oder außerhäusigen Umsetzung könnte das Unterfangen aber auch einen Hauch anstrengend werden.

Man wagt ja kaum, sich das erste Treffen der rasch formierten Elterninitiative vorzustellen, die die neuen Bildungsinhalte kritisch durchleuchten will: zu viele Kohlenhydrate. Zu viel Fleisch. Überhaupt Fleisch! Zu wenig Soja-Produkte. Zu viel Tofu. Industriezucker sollte man ja grundsätzlich meiden. Ein paar Gummibärchen haben mir doch auch nicht geschadet! Mein Kind isst Fisch aber nur, wenn er paniert ist. Zu viel Fett! Da werden auch Nüsse empfohlen, das geht gar nicht. Erdbeeren gehen auch nicht. Ich lass mir von denen doch nicht vorschreiben, was ich koche. Also abends hab ich einfach nicht mehr den Nerv dazu, groß was in der Küche zu machen. Also wir legen daheim ganz viel Wert auf gesundes Essen und harmonische gemeinsame Mahlzeiten. Aber auf keinen Fall mit Gluten. Gluten ist okay, aber bitte auf die Gefahren von Laktose hinweisen, und so weiter und so fort.

Wer möchte, darf sich gerne alternativ einen Elternabend vorstellen, auf dem über Qualität und Inhalt der künftigen optimierten Kiga- oder Schulverpflegung diskutiert wird. An den Inhalten wird sich vermutlich wenig ändern. Im Spannungsfeld zwischen den Polen 'Vegan' und 'Paleo' einen gemeinsamen Nenner zu finden, dürfte sich schwierig gestalten. Aber deshalb gar nichts machen? Kann ja auch keine Lösung sein.

Expertinnen (=engagierte Mütter) fordern schon seit längerem ein Umdenken, was die Verpflegung während der Mittagsbetreuung anbelangt. Manche hatte ihr diesbezügliches Initialerlebnis, als sie unangekündigt zur Mittagszeit in eine der Styropor-Boxen spickte, in denen das Essen häufig schon am Vormittag angeliefert wird. Dort dümpelt es dann mitunter sehr lange herum, bis es letztendlich ausgeteilt wird. Wohlgemerkt: Das gilt nicht für jede Kita oder jede Schule. Andererseits genießt aber auch nicht jedes Kind das Privileg, eine Einrichtung zu besuchen, die sich eine Köchin leisten kann.

Was darf gesundes Essen überhaupt kosten? Da schwanken die Preise erheblich, sagt auch das Ernährungsministerium. Eine bundesweite Studie der Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg hat 2014 einen Durchschnittspreis von 2,83 Euro für Grundschulen, von 3,05 Euro für weiterführende Schulen und von 2,42 Euro für Kitas ermittelt. Wie gesagt: Durchschnittlich. Der Preis hängt unter anderem davon ab, wie hoch die Qualität der Lebensmittel ist, wie groß der Anteil an Bio-Produkten – und eben auch, wie stark Personalkosten zu Buche schlagen.

Wer sich nach dem Kontrollbesuch oder auch grundsätzlich zum Handeln motiviert sieht, für den hat Minister Schmidt eine tolle Seite ins Netz stellen lassen: macht-dampf.de. Dort finden sich viele Informationen, angefangen von grundsätzlichen Ernährungstipps bis hin zum Musterschreiben oder der Anleitung, wie man denn am besten eine Mensa-AG gründet. Aber die Kampagne „Macht Dampf! Für gutes Essen in Kita und Schule“ und das „Nationale Qualitätszentrum Schulverpflegung“ sind erst der Anfang. „Jetzt steht die Ernährungsbildung im Fokus“, sagt Schmidt. Er will gesundes Essen verstärkt zum Unterrichtsthema in Kitas, Schulen und «Willkommensklassen» machen. Kostenlose Bildungs- und Medienpakete sollen Schüler spielerisch und praxisnah an das Thema heranführen.

Das ist alles schön und gut und sicher zukunftsweisend. Aber mal Hand aufs Herz: Ein bisschen spielerische Heranführung könnte/sollte doch auch noch in einem anderen Umfeld stattfinden. Nämlich daheim.

Denn neben den offiziellen Initiativen gibt es auch noch die gute alte Vorbildfunktion. Oder den Erziehungsauftrag, den ja nicht nur die Lehrerin und die Kindergarten-Tante haben, sondern eben auch die Eltern. Die entscheiden, was es zum Frühstück und Abendessen gibt und welches Pausenbrot das Kind mitbekommt. Wenn Mama regelmäßig mit der Pizza vorm Fernseher liegt und diese Hauptmahlzeit überwiegend mit Süßigkeiten ergänzt, dürfte es jeder noch so gut gemeinten und großangelegten ministeriellen Kampagne schwerfallen, Kinder den Spaß am Essen schmackhaft zu machen.

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