Gestörtes Essverhalten: Jede 20. junge Frau ist davon betroffen

Gestörtes Essverhalten bei Frauen und Männern

Erschreckendes Ergebnis einer neuen Studie: Immer noch leiden auffällig viele Frauen unter einer Essstörung, aber - auch unter Männern nimmt die Zahl derjenigen zu, die unter einer verzerrten Körperwahrnehmung leiden. Und wenn dann noch große Modemacher wie Karl Lagerfeld über kurvige Frauen wie Popstar Adele ablästern, macht das die Sache nicht gerade besser...

Eine neue Studie fand heraus, dass heutzutage jede 20. Frau an gestörtem Essverhalten leidet.
Eine neue Studie fand heraus, dass heutzutage jede 20. Frau an gestörtem Essverhalten leidet. © Piroschka

Von Merle Wuttke

Ja, ein schönes Gesicht hätte sie, aber insgesamt sei sie ihm ein bisschen zu "fett", verlautbarte Modezar Lagerfeld in einem Interview mit einer russischen Zeitung in Bezug auf die füllige Sängerin Adele. Nun sollte man die Äußerungen von dem guten Karl am besten unter der Rubrik "Was die Welt nicht braucht" abhaken, denn Lagerfeld sagt Vieles zu vielen Dingen, und nicht immer ist es besonders interessant. Außerdem wechselt er seine Meinung mindestens so häufig wie seine Handschuhe. Bis vor einiger Zeit war er jedenfalls noch großer Fan von Beth Ditto, der nun wirklich ziemlich übergewichtigen Frontfrau der Band "Gossip" - deren Kilos waren für ihn kein Problem.

Gerade Dicke zeigen gestörtes Essverhalten

Andererseits: Gerade solch unbedachten Sprüche von prominenten Modemachern können die Unsicherheiten und falsche Körperwahrnehmungen, vor allem bei Mädchen und jüngeren Frauen, schüren. Denn, obwohl das Thema Magersucht, Fresssucht und Bulimie seit Jahren im Fokus der Öffentlichkeit steht und Aufklärung betrieben wird, leiden immer noch zu viele Frauen an einer Essstörung. Genauer gesagt: 5,9 Prozent, so das Ergebnis einer aktuellen Studie der Universität Leipzig, also jede 20. Frau. Die Gefahr an einer Essstörung zu erkranken liegt demnach für das weibliche Geschlecht fünf Mal höher als für Männer und für die unter 24-Jährigen ist es besonders hoch.

Aber - und das überrascht: Auch Männer leider immer häufiger unter Magersucht, Bulimie oder Fressattacken oder zeigen zumindest Auffälligkeiten in ihrem Essverhalten. Ebenfalls überraschend: Gerade fettleibige Menschen litten demnach unter einer Essstörung, was die Autoren der Studie damit erklären, dass Übergewicht nicht nur durch falsche Ernährung, sondern zu großen Teilen eben auch durch falsches Essverhalten entsteht. Und daran gekoppelt sei immer ein "erhöhter seelischer Leidensdruck". Der natürlich nicht weniger wird, wenn man in den Modelshows im Fernsehen perfekte Körper vorgeführt bekommt und sogar die Laienmodels in einer großen Frauenzeitschrift so wunderschön aussehen, dass man sich verstecken möchte. Schließlich sind das alles Menschen wie du und ich, und nicht die unerreichbare Gisele Bündchen.

Ein Ende dieser Schlank- und Schönsein-Spirale scheint nicht in Sicht, jedenfalls nicht, wenn sich in Medien und Mode nicht grundlegend das Frauenbild ändert: In Großbritannien behandeln die Ärzte schon Fünfjährige in Kliniken wegen ihrer Magersucht. Nein, danke.

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