Gespräche mit dem Partner entspannen und verlängern das Leben

Gespräche mit dem Partner entspannen und verlängern das Leben
© Robert Kneschke - Fotolia, Robert Kneschke

Wer sich viel streitet, kann früher sterben

Wer sich dauernd mit den Nachbarn, den Kindern oder dem Ehepartner streitet, stirbt früher. Ist das vielleicht die gerechte Strafe für schlechte Laune? Und was kann man gegen Stress und Ärger tun? Angeblich soll ein Gespräch mit dem Partner da Wunder wirken...

Jutta Rogge-Strang

Menschen, die sich viel streiten und sich von Familie und Freunden unter Druck gesetzt fühlen, haben ein doppelt bis dreifach so hohes Risiko, früher zu sterben als ihre entspannten Mitmenschen. Das besagt eine neue dänische Studie.

Sorgen und Überforderung verkürzen das Leben, und dabei sind besonders die Männer anfällig. Wer zudem arbeitslos ist, ist ebenfalls stärker betroffen als diejenigen, die einen Job haben. Das ist aber wirklich kein Wunder: Wen Existenzängste plagen, weil er arbeitslos ist, verliert er den Lebensmut. Fast doppelt soviel Menschen sterben demnach früher, wenn Sorgen ihnen das Leben zur Hölle machen.

Das Risiko eines frühen Todes steigt allerdings noch mehr, wenn man sich gerne aufregt und sich oft streitet. Dann erhöht sich das Sterberisiko sogar auf das Doppelte bis Dreifache. Der Körper reagiert auf Dauerstress offenbar nicht gerade positiv: Herz und Kreislauf sind angegriffen, das Hormonsystem und die Körperabwehr reagieren negativ.

Die Forscher diskutieren aber nicht nur die körperlichen Auswirkungen von Streit, sondern auch das dazu gehörige Persönlichkeitsmuster. Wer sich also gerne mit seinen Mitmenschen anlegt, sollte künftig etwas mehr auf sich selbst achten. Da muss der Streit um den Gartenzaun vielleicht doch nicht vor Gericht enden, das Vordrängeln beim Bäcker ist kein Weltuntergang und auch der Hundehaufen im Vorgarten lohnt keinen Herzinfarkt. Von Freud und Leid beim Autofahren ganz zu schweigen. Und leichter gesagt als getan, ich weiß.

Wer sich hingegen mit seinem Partner gut versteht und in einer liebevollen Beziehung lebt, verbessert das seelische und auch das körperliche Wohlbefinden. Forscher haben nachgewiesen, dass bei Paaren alleine ein Gespräch ausreicht, um Stress-Hormone zu senken. Das stärkt das Immunsystem, verbessert die Wundheilung und wirkt entspannend. Ängste werden abgebaut, Selbstachtung und Selbstvertrauen steigen.

Gespräche verringern Stress

Es gibt allerdings einen Haken an der Sache: Für Männer spielte es keine Rolle, ob die Beziehung zur Partnerin glücklich war oder nicht, ein Gespräch hatte trotzdem diese positive Wirkung. Nicht so bei den Frauen: Wir brauchen offenbar etwas mehr und sind anspruchsvoller, damit wir ein Gespräch wirklich ernst nehmen können. Nur in einer glücklichen Ehe klappte der Stressabbau durch ein Gespräch mit dem geschätzen Partner. Eigentlich kein Wunder: Sonst könnte ja jeder kommen.

Was mache ich also, wenn meine Beziehung - sagen wir mal - solala läuft? Woher nehme ich einen Gesprächspartner, den ich ernst nehmen kann? Woher nehme ich emotionalen Beistand? Psychologen wissen: Gute Freunde können sogar kaputte Familienbande ersetzen. Dabei kommt es nicht auf die Masse der Freunde an, sondern auf die Klasse. Ein einziger guter Freund oder eine gute Freundin reicht völlig aus, um das seelische Gleichgewicht wiederzufinden. Und das ist gesund und reicht für ein langes Leben. Wenn Ihnen also wieder mal der Ärger im Job, nervige Nachbarn oder der öffentliche Nahverkehr den Tag verderben, sprechen Sie sich aus – denn das ist gesund!

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