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Geschwister-Streit: Wie verhalten sich die Eltern?

Geschwister-Streit: Sollen Eltern schlichten?
Geschwister-Streit: Sollen Eltern eingreifen? © Balin

Streit ist zwischen Geschwistern ganz normal

Bauklötzchen fliegen, Spielzeug wird zerstört, Tränen fließen: In vielen Kinderzimmern streiten sich Geschwister bis aufs Blut. Experten finden diese Hassliebe normal, aber wann sollten Eltern eingreifen?

Von Jutta Rogge-Strang

"Mein kleiner Bruder war eine richtige Zecke: Er hat meine Spielsachen kaputt gemacht und hat dann bei Mama behauptet, ich würde ihn nie mitspielen lassen. Das ging so lange gut, bis sich meine Mutter mal hinter der Kinderzimmertür versteckt hat. Danach gab es richtig Ärger für den Kleinen, trotzdem hätte ich ihm gerne eine geknallt," berichtet meine Freundin über das frühere Verhältnis zu ihrem Bruder.

Täglicher Streit ist normal. Das kennen die meisten Geschwister: Ärger, Streit und sogar Prügeleien zwischen den süßen Kleinen sind bei vielen Familien an der Tagesordnung. Wissenschaftler haben festgestellt, dass sich Geschwister im Alter zwischen drei und sieben Jahren tatsächlich dreieinhalb Mal pro Stunde zoffen. Kleiner Trost: In diesen Streitereien werden auch die sozialen Fähigkeiten erlernt und gefördert, die es den Kindern erleichtern, später im Leben gut klarzukommen.

Dieses Wissen hilft manchen Eltern wenig, denn je nach Temperament geht es hoch her im Kinderzimmer. Jedes Kind kämpft mit den eigenen Waffen, das eine eher hintenrum mit gemeinen Tricks, das andere direkt, ob mit Worten oder Schlägen. Zwei unterschiedliche kleine Menschen müssen miteinander klar kommen – das kann klappen, muss aber nicht.

Streit: Temperamente prallen aufeinander

Kein Wunder, denn in Familien prallen die unterschiedlichsten Temperamente aufeinander: Lebhafte spontane und dominante Kinder geraten schneller aneinander als Schmusekinder, die sich eher unterordnen und gerne bemuttert werden.

Treffen im Kinderzimmer eher distanzierte Kinder aufeinander, die sich gerne selbständig beschäftigen und zurückhaltend sind, ist Harmonie angesagt. Zum Knall kommt es, wenn zwei Typen aufeinander treffen, die nicht optimal zueinander passen: Wenn ein dominantes Kind auf ein distanziertes Kind trifft, wollen beide auf unterschiedliche Art und Weise den Chef spielen. Wenn ein Schmusekind ständig kuscheln will, beißt es beim distanzierten Kind auf Granit: Körperkontakt nervt beim Lesen oder Computer spielen.

Eltern sollten den Streit nicht schlichten

Wie soll man sich aber verhalten, wenn im Kinderzimmer wieder mal Krieg ausbricht? Schlichten, bestrafen oder sich heraus halten? Erziehungs-Experten sind sich einig: Am besten, man mischt sich nicht ein. Eltern sind als Richter ungeeignet, weil sie zwar klären können, wer zuerst gehauen hat, aber nicht, welche Provokationen dem Angriff vorausgegangen sind.

Es gibt für Eltern nur drei Gründe sich einzumischen: Wenn sie direkt betroffen sind, wenn eines der Kinder bewusst provoziert, während Mutter oder Vater zuschauen und wenn Verletzungsgefahr droht. So schwer es auch fällt: Im Kinderzimmer lernen die Kinder, einen Streit, den sie vom Zaun gebrochen haben, aus eigener Kraft zu beenden. Die Regeln stecken aber die Eltern ab. Grund zur Hoffnung besteht allemal: Mit den Jahren entspannt sich meist der Streit im Kinderzimmer.

Geschwisterstreit ist das beste Lebenstraining. Hier können Kinder ausprobieren, was sie später brauchen: Selbstbewusst auftreten und sich durchsetzen, Kompromisse eingehen, Einfühlungsvermögen zeigen und sich versöhnen. Der Vorteil: Wer mit Geschwistern streitet, weiß genau, dass er sie nicht verlieren kann. Und das man sich trotz Streit auch weiter lieb haben kann. Übrigens hat sich das Verhältnis meiner Freundin zu ihrem Bruder deutlich verbessert: Sie ist heute stolze Patentante ihrer kleinen Nichte.

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