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Geschlechtsneutrale Erziehung: Kann das funktionieren?

Was passiert bei einer geschlechtsneutralen Erziehung mit einem Kind?

Mit Autos und Puppen spielen, sowohl Hosen als auch Röcke anziehen oder Nagellack tragen - und zwar unabhängig davon, ob man Junge oder Mädchen ist: Bei einer geschlechtsneutralen Erziehung sollen Kinder selbst entscheiden, wer sie sind und wie sie leben wollen. Aber kann das wirklich funktionieren und vor allem, was macht das mit einem Kind?

Was passiert bei einer geschlechtsneutralen Erziehung mit einem Kind?
Kann eine geschlechtsneutrale Erziehung tatsächlich funktionieren? © picture alliance / obs, Lego Gmbh, obs/LEGO GmbH

Jungs sind von Natur aus aggressiv und Mädchen werden Mütter, putzen, kochen und lieben Pink - so lauteten zumindest gängige Vorurteile. Vielleicht nicht ganz so Klischee behaftet, aber mit diesen durchaus üblichen Rollenbildern im Hinterkopf, erziehen die meisten Eltern ihre Kinder. Doch eine neue Erziehungsmethode ist auf dem Vormarsch. Sie zielt darauf ab, das eigene Kind geschlechtsneutral zu erziehen.

Der Kern der geschlechtsneutralen Erziehung ist, dass Kinder selber die Entscheidung darüber treffen, was ihnen gefällt und was sie als richtige Lebensweise für sich erachten – vollkommen unabhängig davon, ob sie ein Junge oder ein Mädchen sind. Das heißt, Jungs können Nagellack tragen und Mädchen sollen sich raufen dürfen. Die Vermittlung klassischer Rollenbilder wird von den Eltern abgelehnt.

Psychologen raten von geschlechtsneutraler Erziehung ab

Doch Experten warnen vor geschlechtsneutraler Erziehung: Unter anderem, weil diese Methode bei sehr jungen Kindern gar keinen Sinn macht. Aber vor allem warnen Psychologen vor den Folgen von so viel Entscheidungsfreiheit: Es besteht die Gefahr, dass Kinder in ihrer Identitätsfindung orientierungslos werden, wenn die Eltern ihnen keine Richtung vorgeben, wer sie sind, aber vor allem was sie sind. Dies kann im schlimmsten Fall zu einer gestörten Persönlichkeitsentwicklung führen und schwere psychische Probleme nach sich ziehen.

Natürlich meinen es Eltern bei der geschlechtsneutralen Erziehung nur gut mit ihren Kindern. Sie hoffen, ihnen damit mehr Selbstvertrauen und Sicherheit zu geben - und nicht weniger. Damit wünschen sie sich am Ende für ihr Kind nichts anderes, als alle anderen Eltern auch - egal wie unterschiedlich der Weg dahin ist

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