Geschlechter: Norrie ist das erste Neutrum der Welt

Norrie May-Welby ist das erste Neutrum der Welt
Norrie May-Welby muss ich weder als Mann noch als Frau definieren. © dpa, Daniel Munoz

Norrie ist weder Mann noch Frau

Mann, Frau, beides oder doch lieber gar kein Geschlecht? Norrie möchte weder Mann, noch Frau sein – sondern ein Neutrum. Und dieses Recht hat sie sich jetzt eingeklagt, durch alle gerichtlichen Instanzen hindurch. Das oberste Gericht Australiens hat am Mittwoch für Norrie May-Welby entschieden. Damit müssen sich Menschen in Australien nicht länger eindeutig als Mann oder Frau einordnen lassen.

Norrie kam im Alter von sieben Jahren aus Schottland nach Australien und wurde als Junge geboren. Nach einer Geschlechtsoperation im Jahr 1983 beschloss Norrie, weder als Mann noch als Frau zu leben. Norrie nimmt keine Medikamente mehr, die sie zu einer Frau machen würden. Sie bevorzugt das Pronomen "sie“, obwohl sie sich eigentlich als geschlechtslos fühlt. "Menschen sollten als was immer sie auch sind anerkannt werden und sollten auch gleichberechtigt am öffentlichen Leben teilhaben", sagte Norrie der Zeitung 'The Australian'.

Die ehemalige Beamtin sprach von einem aufregenden juristischen Sieg. Sie kämpft schon lange für die Anerkennung eines dritten Geschlechts. 2011 wurde sie die erste Australierin, in deren Reisepass beim Geschlecht nur ein "X" steht, statt des üblichen "M" für "male" (männlich) oder "F" für "female" (weiblich). Die Zeitung 'Sydney Morning Herald' sprach von einer "historischen Entscheidung mit weitreichenden Auswirkungen" für Institutionen und Einzelpersonen in Australien. Das einstimmig gefällte Urteil betrifft Einträge in Geburts- und Todesurkunden sowie Trauscheine.

In Deutschland können Eltern eines Neugeborenen, dessen Geschlecht nicht klar zuzuordnen ist, das Kind ohne Angabe ins Geburtenregister eintragen lassen. Die seit November 2013 geltende Regelung soll Eltern den Druck nehmen, sich direkt nach der Geburt auf ein Geschlecht für ihr Kind festlegen zu müssen und vorschnell geschlechtsangleichende medizinische Eingriffe vornehmen zu lassen. Früher waren Eltern verpflichtet, innerhalb einer Woche die Geburt ihres Kindes samt Namen und Geschlecht beim Standesamt zu melden.

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