"Geschenke sind Gefühle zum Anfassen" - Warum Schenken glücklich macht

Frau mit Geschenk

Grundsätze des Schenkens: Was Sie beachten sollten

Was umweltbewegten Flugreisenden der CO2-Ablass, das ist engagierten Eltern oft das pädagogisch wertvolle Spielzeug. Das Kind bekommt das heißersehnte quäkende computergesteuerte Plastikteil. Aber unter dem Gabentische wird es natürlich auch ein tolles Lernspiel aus Naturmaterialien finden. Ob es will oder nicht. Die Öko-, pardon, die Geschenke-Bilanz muss schließlich stimmen. Denn Schenken will wohlüberlegt sein. Schließlich steht viel auf dem Spiel (nicht nur zu Weihnachten): Mit der falschen Überraschung im bunten Papier kann man einem Menschen sogar signalisieren, dass er einem zumindest egal ist. Was soweit gehen kann, dass der Beschenkte womöglich beleidigt ist. Mit dem richtigen Geschenk dagegen kann man einen Menschen so richtig glücklich machen. Und sich selbst auch.

Von Ursula Willimsky

Hach ja. „Ein wenig Duft bleibt immer an den Händen derer haften, die Rosen schenken“, sagt ein Sprichwort aus Asien. Dass Schenken glücklich macht, ist eigentlich auch hierzulande unumstritten: Allein dieses Hochgefühl, wenn der andere das Paket auspackt – und plötzlich einen lang gehegten Herzenswunsch erfüllt findet. Oder vielleicht auch etwas, von dem er gar nicht wusste, dass er es will. Das wir aber schon Mitte Februar nach einer flüchtigen Bemerkung besorgt hatten. Schön!

Aber Vorsicht: Wie so oft gilt hier der Grundsatz, dass man auch zu viel des Guten machen kann. Nicht jeder schätzt es, wenn er wie in einem Überwachungsstaat permanent auf geheime Wünsche gescannt wird. Nicht alles, was man toll findet, will man auch tatsächlich haben. Und nicht jedes „Oh, wie cool ist das denn!“ beim Betrachten einer Extrem-Paragliding-Reportage bedeutet, dass man sich an Weihnachten über einen entsprechenden Kurs im nepalesischen Hochland freut. Auch wenn's noch so lieb gemeint war.

Auch das ist ein Grund, weshalb Schenken so glücklich macht: Mit einem kleinen Päckchen können wir zeigen, wie lieb uns ein Mensch ist. Wie gut wir ihn kennen, wie viel Mühe und Gedanken wir uns für ihn gemacht haben. Womit wir schon bei der ganz großen Furcht wären, die oft auf der Vorweihnachtszeit lastet: Wird das Geschenk denn wirklich gefallen? Falls mir überhaupt endlich etwas Passendes einfällt, natürlich. So befriedigend Schenken auch ist – so nervig kann es auch sein. Wieder ein Gutschein geht irgendwie nicht. Parfüm, Pralinen und Socken – gab's schon zu oft. Und stattdessen?

Stattdessen raten Experten und eigene Mütter schlicht dazu, einfach aus Liebe zu schenken. Das, was einem selbst gefallen würde, und von dem man hofft, dass es auch dem Beschenkten gefällt. Immerhin sind Geschenke ja nichts anderes als „Gefühle zum Anfassen“, wie es ein Soziologe formuliert hat. Und die kommen nun mal von Herzen. Und sollten eigentlich uneigennützig sein.

Bei kleinen Kindern ist das auch oft noch so: Sie bekommen ihre Weihnachtsgeschenke nicht von den Eltern oder der Omi, sondern vom „Weihnachtsmann“ oder vom „Christkind“. Was für die Eltern den ungeheuren Vorteil hat, dass gegebenenfalls Weihnachtsmann und Co schuld daran ist, dass es das rosa Plastikmonster doch nicht gab. Was aber auch den Vorteil hat, dass die Kinder konkret niemandem dankbar sein müssen. Sondern sich einfach nur freuen dürfen.

Schenken wir nur, um eine Gegenleistung zu bekommen?

Das ist nämlich eine der Fallen beim Schenken und Beschenkt-Werden: Klar ist ein Geschenk ein Geschenk. Und bedarf eigentlich keiner Gegenleistung. In der Realität (zumindest der meisten Erwachsenen) reicht die edle Tat allein allerdings nicht. Sie will erwidert werden. Auf mindestens gleichem Niveau. Was zu regelrechten Geschenk-Spiralen führen kann - übrigens nicht nur in der bösen, konsumorientierten westlichen Welt: Angeblich ruinierten sich sogar einige Indianerstämme, indem sie sich so lange mit Geschenken übertrumpften, bis einer der Stämme in die ewigen Jagdgründe des Stammesbankrotts abberufen wurde.

Wenn wir jetzt aber mal davon ausgehen, dass wir alle wirklich nur um der glänzenden Kinderaugen Willen schenken und niemanden brüskieren oder ausstechen wollen, bleibt dennoch die Frage nach Umfang und Art der Gaben. Nicht zu viel soll es sein, aber auch nicht zu wenig. In diesem Zusammenhang haben wir eine interessante Studie aus Virginia gefunden. Die beweist: Weniger ist mehr. Hatte Mutti also doch recht! Ganz grob gesagt: Ein hochwertiges Geschenk wird als Ganzes wahrgenommen. Kommt noch ein zweites – vielleicht preiswerteres - Geschenk dazu, neigt der Beschenkte dazu, den Wert beider Geschenke zu mitteln. Und plötzlich hat er gefühlt zwei nicht ganz so hochwertige Dinge bekommen. Dumm gelaufen.

Das Forschungsergebnis kann unter anderem ein wichtiger Tipp für Großeltern sein; neigen die doch dazu, bei Weihnachtsgeschenken ein finanzielles Plan-Soll auf Biegen und Brechen erfüllen zu wollen. Aber die Wissenschaft sagt: Ein ordentliches Geschenk reicht. Aber was macht denn nun ein ordentliches Geschenk aus? Ganz unerfüllbare Wünsche könnte man schon vor Weihnachten subtil abschmettern: „Nein, mein Spatz. Einem Alpaka wäre unser Garten einfach zu klein. Das würde sich hier nie wohlfühlen“, oder so was in der Art. Dann ist unterm Tannenbaum die Enttäuschung nicht ganz so groß.

Man könnte – wenn wir bei den Kindern bleiben – ein schönes Spiel schenken. Und es dann auch zusammen mit den Kindern spielen. Ach ja, und man könnte den Wunschzettel der Kinder auszugsweise ernst nehmen; sich vielleicht sogar zu dem absolut inakzeptablen Kommerz-Klimbim durchringen, der vom Förderpotenzial her völlig daneben ist. Der aber vielleicht ja im Gegensatz zu den handgesägten Bauklötzen der ganz große Herzenswunsch ist. Denn Schenken soll ja vor allem einen Zweck erfüllen: Es soll dem Beschenkten Freude bereiten. Damit zumindest die Gefühlsbilanz stimmt.

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