Genitalverstümmlung, Stalking, Menschenhandel: Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter

Erschreckende Fakten über Gewalt gegen Frauen

Der 25. November ist der internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt an Frauen. Es ist ein Gedenk- und Aktionstag, den Menschenrechtsorganisationen im Jahr 1981 ins Leben riefen, um weltweit Frauenrechte und die Einhaltung der Menschenrechte gegenüber Frauen und Mädchen einzufordern. Das Ganze klingt ziemlich abstrakt, wie ein Gedenktag unter vielen, deshalb lohnt sich ein Blick auf die folgenden Fakten.

Genitalverstümmlung, Stalking, Menschenhandel: Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter
© dpa, Maurizio Gambarini

Von Christiane Mitatselis

Genitalverstümmelung

Schockierend ist die Art der Gewalt, der Frauen und Mädchen durch Genitalverstümmelung ausgesetzt sind. Hilfsorganisationen gehen davon aus, dass es jährlich 150 Millionen Fälle gibt – vor allem in Afrika und Asien. In Deutschland leben circa 30.000 Frauen, die eine Verstümmelung hinter sich haben, die bei kleinen Mädchen auf brutalste Weise, fast immer ohne sterile Werkzeuge und Narkose durchgeführt wird. Die Weltgesundheitsorganisation gibt an, dass knapp zehn Prozent der Opfer an den unmittelbaren Folgen der Beschneidung stirbt, bei der die Klitoris entfernt wird, oft auch die Schamlippen – manche Frauen werden sogar zugenäht. Durch chronische Infektionen und Komplikationen bei Schwangerschaften erhöht sich die Zahl der Todesopfer auf 25 bis 30 Prozent.

Menschenhandel

Frauen sind häufiger als Männer Opfer von Menschenhandel. Es gibt zu diesem Thema nur wenige offizielle Zahlen, da nur ein Bruchteil der Fälle angezeigt wird. Das Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Kriminalitätsbekämpfung schätzt, dass weltweit etwa 2,4 Millionen Menschen Opfer von Menschenhandel sind, der für 80 Prozent in die Zwangsprostitution führt; und dass wiederum 79 Prozent dieser Opfer Mädchen und Frauen sind.

In Deutschland gibt es jährlich laut Bundeskriminalamt 600 bis 800 angezeigte Fälle von Zwangsprostitution. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen. Experten mutmaßen, dass hierzulande pro Jahr etwa 10.000 Frauen zur Prostitution gezwungen und auf diese Art ausgebeutet werden. Die meisten stammen aus Osteuropa und Afrika.

Auch in Europa und Deutschland wird immernoch Gewalt gegen Frauen ausgeübt

Kriegsopfer

Vergewaltigungen werden weltweit gezielt als Mittel der Kriegsführung eingesetzt. Besonders schlimm ist die Lage zurzeit im Bürgerkriegsland Kongo. In dem Konflikt im Osten des afrikanischen Staates sollen - Schätzungen zufolge - in den letzten 20 Jahren eine halbe Million Frauen misshandelt worden sein, meist auf brutalste Weise. Es gibt grauenhafte Berichte über Massenvergewaltigungen von neunjährigen Mädchen, von Frauen, die erst vergewaltigt und dann verstümmelt werden oder nach Gewehrschüssen in die Vagina verbluten.

Gewalt in Europa

Wer meint, in Europa, dem modernen und aufgeklärten Kontinent, sei alles in bester Ordnung, der täuscht sich. Jede dritte Frau in Europa ist schon einmal Opfer von körperlicher oder sexueller Gewalt geworden, diese Zahl gilt auch für Deutschland. Das ergab eine repräsentative Studie aus diesem Jahr, in der 42.000 Frauen im Alter von 18 bis 74 Jahren aus den 28 EU-Mitgliedsländern interviewt wurden. Jede Achte der Befragten erklärte, sie sei bereits als Kind oder Heranwachsende Opfer von Missbrauch oder sexueller Belästigung gewesen. Jede Fünfte gab an, sie sei schon einmal von einem Stalker verfolgt worden. Die meisten Fälle werden in den skandinavischen Ländern registriert, die wenigsten in den osteuropäischen EU-Ländern. Die bedeute allerdings nicht, erklären Experten, dass es in letzteren Staaten weniger Gewalt gegen Frauen gebe. Vielmehr sei es so, dass skandinavische Frauen Gewalt eher anzeigten, in Osteuropa behielten die Frauen ihr Leid eher für sich.

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