Genitalverstümmelung: Auch bei uns werden Mädchen verstümmelt!

Genitalverstümmelung: Null Toleranz gegenüber Betroffenen?
Internationaler Tag gegen Genitalverstümmelung © picture-alliance/ dpa/dpaweb, epa Pierre Holtz

Ein grausamer Eingriff, der Frauen verstümmelt

Widerwärtig, sadistisch , bestialisch und sehr oft tödlich. Nicht mal im Ansatz kann man beschreiben, wie grausam täglich 8.000 Mädchen gequält werden. Zum zehnten Mal soll der "Tag der Geschlechtsverstümmelung" heute weltweit die Menschen aufrütteln und mobilisieren, damit diese Folter endlich aufhört. Das ist bitter nötig! Denn dramatischerweise nimmt die Zahl der Beschneidungen sogar weiter zu. Nicht nur irgendwo in Afrika, sondern erschreckenderweise auch bei uns vor der Haustür.

Von Dagmar Baumgarten

Bis zu 25.000 verstümmelte Mädchen und Frauen soll es in Deutschland geben. Viele Flüchtlinge, die doch eigentlich der brutalen Verfolgung aus ihrem eigenen Land entkommen wollen, halten ausgerechnet an dieser menschenverachtende Tradition fest. Die Regierungen in Europa zeigen sich hilflos. Außer in Frankreich werden in keinem Land konkrete Maßnahmen ergriffen. Immer noch wird es als merkwürdige Tradition verharmlost, was da den Kindern zwischen fünf und acht Jahren angetan wird.

Dabei wird einem ja schon alleine von der Beschreibung schlecht. Den Mädchen wird die Klitoris teilweise oder sogar vollständig weggeschnitten. Die Vagina wird bis auf eine kleine Öffnung zugenäht. Urinieren ist oft nur noch eingeschränkt möglich. Die Harnleiter sind oft dauerhaft beschädigt, Monatsblutungen werden zum Martyrium. Wie schmerzhaft Sex ist, kann man sich kaum vorstellen. Geburten sind extrem kompliziert, weil die zugenähte und vernarbte Vagina erst wieder aufgeschnitten werden muss.

Genitalverstümmelung: 150 Millionen Frauen sind betroffen

Der Eingriff wird mit unterschiedlichsten Instrumenten wie Rasierklingen, Scheren, Messern oder sogar Glasscherben vorgenommen. Er erfolgt meist ohne jegliche Anästhesie und Desinfektion. Die Verstümmelung wird von Hebammen oder alten Frauen, seltener von männlichen Priestern oder Barbieren, vorgenommen. Viele Mädchen verbluten bei der Prozedur - oder erleiden lebensgefährliche Schockzustände und Vergiftungen. Narbenverwachsungen und ständige Infektion sind sehr häufige Nebenwirkungen. Lebenslang bleiben auch die seelischen Narben, die diese traumatische Prozedur in die jungen Seelen schlägt.

Es gibt zahlreiche Informationsveranstaltungen und Aktionen, die sich vor allem an Betroffene wenden. Damit sie erfahren, aufgrund welcher absurden Lügen sie diese Qualen ihren eigenen Kindern antun. Immer noch glauben viele, dass Genitalverstümmelung ein religiöses Gebot sei. Wie so oft muss auch hier die Religion für menschliche Abgründe herhalten. Natürlich gibt es weder im Koran noch in der Bibel irgendeinen Hinweis darauf, der weibliche Beschneidung rechtfertigt.

Das eigentliche Motiv für die Genitalverstümmelung liegt wohl eher in den patriarchal strukturierten Gesellschaften. Die Verstümmelung dient der Kontrolle der weiblichen Sexualität und soll als Schutz vor dem Verlust der Jungfräulichkeit und vor Untreue in der Ehe dienen. Den Frauen wird eingeredet, dass ihr Geschlecht unrein sei. Und dass Männer keine unbeschnittenen Frauen haben wollen. Diese Argumente scheinen leider immer noch zu viele Mütter zu überzeugen, denn obwohl sie am eigenen Leib erfahren haben, was die Verstümmelung für Qualen bedeuten, schicken sie oft selbst ihre eigenen kleinen Töchter zur Beschneidung,

Aber was hat sich seit dem 6. Februar 2003, dem ersten "Tag der Genitalverstümmelung" getan? In vielen Ländern wurden endlich Gesetze gegen weibliche Genitalverstümmelung verabschiedet. In Ägypten, dem Land, in dem angeblich bis zu 91 Prozent der Frauen zwangsbeschnitten sind, empfahl der Gesundheitsminister in einer Resolution, dass die teilweise Klitorisentfernung nur noch von Ärzten durchgeführt werden sollte. Auch im Sudan und in Kenia existieren mittlerweile gesetzliche Verbote. Noch besser als Gesetzte wirkt aber die Einsicht. Die betroffenen Frauen müssen umdenken. Die uralte Gehirnwäsche bekämpfen, die sie als Frauen so minderwertig einstufen, dass man sie nicht nur ungestraft verstümmeln darf, sondern sie das sogar selbst unterstützen.

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