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Generation R: Die Jahrgänge 2000 bis 2015 sehen der Zukunft entspannt entgegen

Jugendliche sind optimistisch
Generation R: unsere Jugendlichen sollen eine entspannte Zukunft vor Augen haben © VOX/Martin Rottenkolber

'Generation R': Werden unsere Jugendlichen entspannter durchs Leben gehen?

Die Jugendlichen von heute sollen grundsätzlich entspannt sein. Deshalb hat ein Erziehungsexperte den Begriff der Generation R kreiert, R wie relaxed. Junge Menschen stünden nicht mehr unter Stress und hätten Zeit, sich Gedanken über das Leben zu machen, heißt es. Der Forscher beruft sich dabei auf das Ergebnis der neuen Shell-Studie, die in dieser Woche veröffentlich wurde.

Von Christiane Mitatselis

In den 1990er Jahren wurde die Generation X ausgerufen. Ihr wurde nachgesagt gut gebildet, aber interessenlos, pessimistisch, ziellos und egoistisch zu sein. Um die Jahrtausendwende folgte die Generation Y. Sie sei ebenfalls gut ausgebildet, technikaffin, nicht politisch, pragmatisch – und nicht besonders belastbar, hieß es. Leistung und Genuss gehören für ihre Vertreter angeblich zusammen, geregelte Arbeitszeiten, Home Office und Sabbatjahre.

Jetzt geht es an einer anderen Stelle im Alphabet weiter. Die Shell-Studie, bei der in diesem Jahr 2.558 Deutsche im Alter von zwölf bis 25 Jahren repräsentativ befragt wurden, ergab, dass die „Zeichen auf Entspannung stehen“. Das zumindest ist laut Co-Autor Klaus Hurrelmann erkennbar, der deshalb die Generation R ausrief. Zudem konstatierte der Erziehungsexperte: „Für sie ist keine weltweite ökonomische Krise in Sicht.“

Hurrelmann ist gleichzeitig davon überzeugt, dass sich die jungen Leute wieder stärker für Politik interessieren und macht dies daran fest, dass sich 46 Prozent der Befragten als politisch interessiert bezeichneten – gut 20 Prozent mehr als vor 13 Jahren. Unterschiede zur Generation Y sind sonst nur in Facetten auszumachen. Auch die 2015 befragten jungen Menschen wünschen sich klar geregelte Arbeitszeiten und ein hohes Einkommen, 64 Prozent wollen Kinder, 2002 waren es 67 Prozent.

Sind die Jugendlichen zurecht relaxed?

Die Ergebnisse sind in mancher Hinsicht erstaunlich. Es ist schön, entspannt durchs Leben zu gehen. Allerdings scheinen – zumindest die in der Shell-Studie Interviewten – nicht oder nur selten über die deutschen Landesgrenzen hinaus zu schauen. Sonst könnten sie die ökonomische Situation kaum so optimistisch einschätzen. Die Krisen sind ganz nah. Europäische Länder wie Griechenland, Portugal und Spanien machen schwere Zeiten durch, die Jugendarbeitslosigkeit kratzt dort an der 50-Prozentmarke.

Wer verspricht, dass Deutschland als Teil der europäischen Union von der Krise ewig verschont bleibt? Schon jetzt gibt es hierzulande viel zu viele prekäre Arbeitsverhältnisse, schlecht oder gar nicht bezahlte Praktika. Kaum eingeführt, wollen viele Manager den Mindestlohn auch am liebsten sofort wieder abschaffen. Man könnte als junger Mensch also schon auf die Idee kommen, dass die Zeiten härter werden.

Auf der anderen Seite ist es natürlich so: Mit einer relaxten Einstellung lebt sich das Leben leichter. Wer jung und entspannt ist, der ist erst einmal glücklicher als ein Pessimist oder kritischer Realist. Die Sorgen kommen noch früh genug.

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