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Gender-Pay-Gap: Kein Lohn-Unterschied mehr zwischen Frau und Mann?

Junge Frau in weißer Bluse schaut irritiert in die Luft. Euro-Geldscheine flattern zu Boden.
Gleicher Lohn für gleiche Arbeit? Schön wär's: Frauen bekommen leider immer noch weniger Geld, als Männer. © Getty Images/iStockphoto, maurusone

Die 'böse' Gender-Pay-Gap - wird sie bald verschwinden?

Wie sieht es aktuell bei der Gleichstellung von Frau und Mann aus? Das Statistische Bundesamt weiß: Frauen holen bei der Bezahlung langsam auf. Von Gleichheit kann aber auch weiterhin absolut keine Rede sein: In den USA vertauschten ein Mann und eine Frau auf der Arbeit bewusst ihre Email-Signaturen – und erlebten ihr blaues Wunder.

Von Jutta Rogge-Strang 

Die neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes sind ernüchternd: Der Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männern lag 2016 "nur noch" bei 21 Prozent. 2014 und 2015 lag der Unterschied noch bei 22 Prozent. Das bedeutet: Frauen holen bei der Bezahlung langsam auf. Der weiterhin bestehende Abstand zu den Männern lässt sich auf Unterschiede in den lohnrelevanten Merkmalen zurückführen: Die Unterschiede in den Branchen und Berufen, in denen Frauen und Männer tätig sind, sowie ungleich verteilte Arbeitsplatzanforderungen hinsichtlich Führung und Qualifikation machen einen großen Unterschied aus. Zudem sind Frauen häufiger als Männer teilzeit- oder geringfügig beschäftigt. Diese sogenannte "unbereinigte Gender Pay Gap" macht drei Viertel aus, bleibt immer noch ein Viertel übrig. Die "bereinigte Gender Pay Gap" lag 2014 bundesweit bei sechs Prozent. Das heißt, dass Frauen bei vergleichbarer Qualifikation und Tätigkeit pro Stunde durchschnittlich sechs Prozent weniger als Männer verdienten.

Aber nicht nur bei der Bezahlung gibt es immer noch Unterschiede zwischen Frau und Mann. In den USA wagten zwei Arbeitskollegen ein interessantes Projekt: Sie tauschten ihre Email-Signaturen aus und erlebten bei ihren Kunden eine überraschende Reaktion. Für zwei Wochen wurde aus Martin Schneider 'Nicole' und aus Nicole Pieri wurde 'Martin'. Plötzlich erlebte Martin Schneider, was es heißt, herablassend behandelt zu werden: "Ich ging durch die Hölle" schreibt der echte Martin auf seinem Twitter-Account: Alles, was er seinen Kunden vorschlug, sei hinterfragt worden. Kunden, die ihm vorher vertraut hatten, behandelten ihn plötzlich von oben herab. Einer fragte sogar, ob er Single sei.

Seine Kollegin Nicole hingegen erlebte die beste Zeit ihrer Berufslaufbahn: "Nicole hatte die produktivste Zeit ihrer ganzen Karriere. Dass sie manchmal länger braucht, liegt offenbar daran, dass es länger dauert, bis sie Klienten davon überzeugt hat, sie zu respektieren." Tatsächlich werden Frauen im Beruf immer noch Emotionalität, Hilflosigkeit und Instabilität unterstellt, während mit Männern Autorität, Kompetenz und Sachlichkeit assoziiert werden. Woran liegt das? 

Sind Medien und Werbung schuld am Rollenbild?

Warum unterscheidet unsere Gesellschaft immer noch stark zwischen weiblichen und männlichen Kompetenzen? Geprägt werden wir heute hauptsächlich durch Medien und Werbung. Und gerade in diesen Bereichen geht es meist sehr traditionell bis frauenfeindlich zu: So haben Männer in Film und Fernsehen meistens einen höheren Berufsstatus als Frauen. Frauen tauchen häufiger als Pflegepersonal auf, Männer dürfen als Ärzte fungieren. Frauen spielen die Freundin, Mutter, Tochter oder Ehefrau, die männlichen Rollen tauchen weiterhin hauptsächlich als Berufstätige auf. Auch in der Werbung sind Männer die Wissensträger, während die Frauen entweder die Hausarbeit und Kinderbetreuung erledigen oder als Sexualobjekte dargestellt werden (z.B. gerne in der Werbung für Autos). Medien und Werbung erreichen uns jeden Tag fast pausenlos und hämmern uns die Sterotypen in die Köpfe. Kein Wunder, wenn Frauen dann nicht ernst genommen werden. 

Kinder als Karrierekiller

Natürlich kämpfen gerade junge Frauen dagegen an: Sie suchen nach neuen Rollenvorbildern und leben zunächst eine alternative Berufslaufbahn. Aber spätestens, wenn die Familienplanung einsetzt, ist es vorbei mit dem schönen Schein. Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, ist sowohl für Frauen als auch für Männer nicht einfach. Aber wer bleibt zuhause und kümmert sich um die Kinder? Wenn die Partnerin (wie so oft, siehe oben) weniger verdient, entscheidet sich diese Frage ganz pragmatisch: Und ab sofort kümmert sie sich um Kinder, Wäsche, Haushalt, Kochen, medizinische Versorgung, Einkäufe, Kleidung, Erziehung, Organisation – und er bringt das Geld nach Hause.

Wollen wir das wirklich? Was nützt eine gute Ausbildung, wenn Kinderbetreuungsplätze fehlen? Es muss ein Umdenken stattfinden: Niemand darf aufgrund seines Geschlechtes auf eine Rolle festgelegt werden. Gleichberechtigung bedeutet, dass jeder tun darf, was ihm oder ihr am besten gefällt, ohne finanziell zurückstecken zu müssen. Und dass eine Doppelbelastung Familie und Beruf kaum zu schaffen ist, ist bereits allen klar: Es müssen neue Rollenbilder her! Die Frauenbewegung und der Feminismus haben schon viel erreicht, aber wir sind noch lange nicht am Ende. Eine gleichberechtigte Bezahlung ist da nur ein äußeres Anzeichen. Das Umdenken muss in den Köpfen stattfinden. 

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