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'Geheime Tochter' von Shilpi Somaya Gowda: Einblick in Indiens Kultur

Shilpi Somaya Gowda: Geheime Tochter
Geheime Tochter' von Shilpi Somaya Gowda © RTL interactive/ KiWi

Leseinfo zu 'Geheime Tochter'

Kavita und Somer, zwei Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, werden durch die Geburt eines Babys für immer miteinander verbunden: Kavita lebt in einem armen Dorf nahe Mumbai. Die Inderin bringt ihre Tochter Usha am Tag ihrer Geburt in ein Waisenhaus. Somer, eine wohlhabende Ärztin aus den USA, kann keine Kinder bekommen und adoptiert das Mädchen - aus Usha wird Asha. Doch können die Liebe von Adoptiveltern und ein hoher Lebensstandard die leiblichen Eltern wirklich ersetzen?

Über 'Geheime Tochter'

In Indien werden Mädchen getötet, weil sie Mädchen sind. Kavita kennt das und somit ist für sie die Adoption die einzige Möglichkeit, Ushas Leben zu retten. Die Trennung vom Baby bricht ihr das Herz. Sie lebt von da an nicht mehr, sie funktioniert nur noch. Auch Somers Träume zerplatzen, als sie erfährt, dass sie niemals eigene Kinder bekommen wird. Dabei ist ein Baby das einzige, was

ihr und ihrem Ehemann, einem gebürtigen Inder, zum perfekten Glück fehlt. Also adoptiert das Ärzteehepaar Usha, mittlerweile zehn Monate alt.

Während Asha - so heißt sie jetzt - ein nach außen hin unbeschwertes Leben genießt, versucht Kavita, ihre Familie mit schlecht bezahlten Gelegenheitsjobs über Wasser zu halten und dabei möglichst wenig an den Verlust ihres Babys zu denken. Gleichzeitig machen sich langsam, aber sicher zwischen Asha und Somer erste Probleme breit. Während das Mädchen immer mehr Fragen zu ihrer Kultur und Herkunft stellt, beschränkt Somers Bild von Indien sich auf Yoga-Stunden und auf scharfes Essen. Sie ist so sehr damit beschäftigt, ihre Tochter zu amerikanisieren, dass in Asha der natürliche Drang aufkeimt, sich selbst auf die Suche nach ihren Wurzeln zu machen. Und so fliegt sie mit Anfang 20 nach Indien und sucht dort ihre leiblichen Eltern.

In zwei parallelen Handlungssträngen erzählt die Autorin über 20 Jahre hinweg gegensätzliche Biografien. Der Roman schildert auf eine besonders einfühlsame Art und Weise die Gedanken und Gefühle von sich fremden Menschen, die an unterschiedlichen Teilen der Erde leben, aber dennoch durch die Liebe zu einem Kind vereint sind. Besonders hervorzuheben ist an dieser Stelle, dass Shilpi S. Gowla Indien nicht als das farbenfrohe Bollywood darstellt, welches uns meist vorschwebt. Die Slums, in denen Kavita lebt, bauen sich förmlich vor dem geistigen Auge auf und man kann mitfühlen, was es für Kavita bedeutet, ihr geliebtes Kind verloren zu haben. Gleichzeitig lernt der Leser aber auch, wie wichtig es manchmal ist, einen geliebten Menschen loszulassen, um am Ende selbst durchatmen zu können.

Über die Autorin Shilpi Somaya Gowda

Shilpi Somaya Gowda ist in Toronto geboren und aufgewachsen. Ihre Eltern sind aus Mumbai nach Kanada immigriert. Die Idee zu diesem Roman kam ihr, als sie nach dem Studium in einem Waisenhaus in Indien arbeitete. Heute lebt sie mit ihrem Mann und ihren Kindern in Kalifornien.

(Text: Camilla Koziol)

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