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Geburtsverletzungen extrem: Wenn aus Geburtsschmerz seelische Qualen werden

Geburtsverletzungen: Marta Browne erzählt ihre Geschichte.
Marta Browne hatte auch drei Monate nach der Geburt ihres ersten Kindes massive Probleme mit ihren Geburtsverletzungen. © Marta Browne

Marta Browne leidet monatelang unter den Schmerzen

Bei der Geburt ihrer Kinder erlebte Marta Browne aus Queensland schlimme Geburtsverletzungen. So schlimm, dass sie erst drei Monate nach der Geburt ihrer Tochter eine Beziehung zu ihr aufbauen kann. Auch die Beziehung zu ihrem Mann litt unter unter ihren postnatalen Qualen. Aber wie lange sind Schmerzen nach einer Geburt eigentlich normal?

Wenn Frauen eine Baby erwarten, freuen sie sich auf alles, was da kommt. Wenn sie wüssten, welche Verletzungen sie nach der Geburt davon tragen, würden sie sich vielleicht ein bisschen weniger freuen. Aber niemand will einer werdenen Mutter ja die Freunde aufs Kind vermiesen. Erst danach weiß man, was es bedeutet, ein Kind auf die Welt zu pressen. Ähnlich ging es Marta Browne vor ihrem ersten Kind auch. Sie hatte keine Ahnung, was da auf sie zukommen könnte.

"Die Schmerzen erreichten ein unvorstellbares Ausmaß", sagt die 35-Jährige der Daily Mail. Als die Geburt begann, bekam sie Medikamente, um alles zu beschleunigen. "Dadurch kamen die Wehen sehr schnell, sodass mein Körper keine Zeit hatte, sich daran zu gewöhnen." Außerdem, so berichtet sie, habe die PDA nicht gewirkt. Die Geburt endete mit Verletzungen dritten Grades. Außerdem musste ein Dammschnitt gemacht werden (ein Schnitt in die Muskulatur zwischen Vagina und After), um den Geburtskanal zu vergrößern.

Die eigentlichen Qualen begannen aber erst dann. "Jedes Mal, wenn ich Niesen musste oder sogar eine Gänsehaut bekam, hatte ich Schmerzen. Außerdem war Sex schwierig und schmerzhaft. Statt Sex zu haben, weinte ich."

Auch die Beziehung zu ihrer neugeborenen Tochter Abigail litt: Erst drei Monate nach ihrer Geburt konnte die Mutter eine Beziehung zu ihr aufbauen, "weil ich den Schmerz mit dem Baby gleichsetzte. Für eine Weile habe ich keine Kinder mehr haben wollen."

Isoliert und allein wegen Geburtsverletzungen

Monatelang sprach Marta Browne mit keiner anderen Mutter über ihre Erlebnisse. Dabei wäre sie sicher auf andere Betroffene gestoßen. Immerhin machen 74 Prozent aller Frauen solche Erfahrungen mit Geburtsverletzungen. Vaginale Verletzungen kommen am häufigsten vor, gefolgt von Hämorrhoiden, Verletzungen des Beckenbodens und Inkontinenz. Bei weniger als zehn Prozent der Frauen stellen sich Nervenschäden, Fisteln und andere organische Schäden ein.

Nun möchte Marta Browne ihre Erfahrungen teilen und andere Frauen aufklären. Denn sie weiß, wie wichtig es ist, Bescheid zu wissen. Bei ihrer zweiten Geburt seien die Verletzungen nicht mehr so schlimm gewesen und die Schmerzen nach wenigen Wochen verschwunden. Sie appelliert an Mütter, ihre Erfahrungen mit werdenden Mütter zu teilen.

Geburtsverletzungen werden abhängig vom Ausmaß in verschiedene Grade eingeteilt:

Grad 1: Die Haut ist oberflächlich leicht angerissen. Die Wunde muss nicht immer medizinisch versorgt werden. Das bedeutet, es muss nicht unbedingt genäht werden.

Grad 2: Die Dammmuskulatur wird oberflächlich verletzt, es muss aber genäht werden. Eine örtliche Betäubung reicht im Normalfall.

Grad 3: Neben der beschädigten Dammmuskulatur ist auch der Schließmuskel betroffen. Ist auch die Schleimhaut des Darmes beschädigt, spricht man sogar von einem Dammriss Grad 4. Auch dafür muss der Arzt die Wunde vernähen, dann aber unter Narkose.

Nicht jede Mutter erleidet bei der Geburt Verletzungen. Wenn die Geburt schnell über die Bühne geht oder die Kinder sehr groß sind, ist die Wahrscheinlichkeit eines Dammrisses sehr hoch. Auch beim Einsatz der Saugglocke oder einer Geburtszange kann der Damm reißen.

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